Zerbst l Kurz schoss ihm mal die Idee durch den Kopf, Bildhauer zu werden, verrät Tobias Glombitza. Was letztlich ausschlaggebend war, dass er Steinmetz wurde, kann der 50-Jährige heute gar nicht mehr sagen. „Bereut hab’ ich es nicht“, bemerkt er. Tobias Glombitza übt ein traditionsreiches Handwerk aus, das längst in der Moderne angekommen ist. Das beweist die computergesteuerte Säge, deren rotierendes Blatt sich präzise durch die Natursteinplatte arbeitet.

Während seiner Lehre beim VEB Denkmalpflege in Magdeburg griff Tobias Glombitza noch zu Hammer und Meißel. „Wir haben Sandstein behauen wie vor tausend Jahren.“ Viel für und am Dom hätten sie damals gemacht, erzählt er.

Von Badewannen bis zu Grabsteinen

Den Gesellenbrief in der Tasche, kehrte er in seine Heimatstadt zurück. Seit 1988 arbeitet er nun schon bei Firma Keck, die seit 1897 in Zerbst ansässig ist. Es handelt sich um einen Familienbetrieb, den Christian Keck inzwischen in vierter Generation führt. Neben ihm und zwei Bürokräften sind zehn Mitarbeiter in der Produktion tätig. Sie fertigen Treppen, Küchenarbeitsplatten oder auch Badewannenverkleidungen an.

Grabsteine gehören ebenfalls zur Angebotspalette. Hier hat Sebastian Glombitza seine Nische gefunden. Konzentriert beugt er sich über eine Granitplatte, um den per Hand vorgezeichneten Namen und die Lebensdaten in der gewünschten Schriftart mit einem kleinen Pressluftmeißel einzugravieren. Ein Auge für Proportionen, Geschick und eine ruhige Hand braucht es, um die Grabsteine ganz individuell mit Ornamenten oder Wunschmotiven zu gestalten. Der 51-Jährige geht wie sein Bruder auf in seinem Beruf als Steinmetz. Tobias Glombitza mag die Vielfalt, die schon beim Material beginnt, das mitunter recht „lebhaft“ sei. „Manche Steine muss man wie ein rohes Ei behandeln“, weiß der 50-Jährige. Es lasse sich nicht völlig ausschließen, dass mal einer zerbricht.

Abwechslung dank der Kunden

Abwechslung versprechen ebenfalls die so unterschiedlichen Kundenaufträge. Mal seien es Fensterbänke, dann wieder Bodenbelag. „Man macht nicht jeden Tag das Gleiche.“ Tobias Glombitza könnte sich nicht vorstellen, nur am Fließband zu stehen. Auch restauratorische Arbeiten gehören dazu. Als Beispiel nennt er das Zusammensetzen des Unionsdenkmals in der Nicolai-Kirche, die Reparatur des Rolandes und die Rekonstruktion des Toskanischen Brunnens auf dem Markt in Zerbst.

„Ich bin gern ein guter Handwerker“, sagt Tobias Glombitza und lächelt. Es liegt ihm, etwas mit eigenen Händen zu schaffen. Das Motto des diesjährigen Handwerkstages „Wir wissen, was wir tun“ passt zu ihm und seinem Bruder. Mit dem Slogan soll nicht nur auf die Bedeutung und Leistung des Handwerks aufmerksam gemacht werden, sondern ebenfalls für selbiges geworben werden.

Betrieb sucht nach Azubis

Denn es mangelt an Nachwuchs, die Zahl der Auszubildenden geht zurück. Gab es im Bezirk der Handwerkskammer Halle (Saale), zu dem Zerbst gehört, 2008 noch knapp über 7000 Lehrlinge, waren es 2019 nur noch rund 3400, wie der Blick in die Statistik zeigt.

Auch die Firma Keck spürt diese Entwicklung. Der Betrieb bildet neben Steinmetzen und Steinbildhauern ebenfalls Natursteinmechaniker aus. Allerdings fehlt es derzeit an interessierten jungen Leuten.