Zerbst l Am Wochenende drehte sich alles in der Kirschallee 2a um die Fragen: Wer hat den besten Rammler? Wer hat die beste Häsin? Denn die Kaninchenzüchter des Vereins G377 hatten zu ihrer 9. Offenen Rammler- und Lokalschau eingeladen.

15 Züchter aus Zerbst und den Gästevereinen aus Roßlau, Hobeck und Möckern zeigten hier 108 Tiere in 15 Rassen und Farbenschlägen. Von den großen Rassen bis zu den Zwerg-Rassen war vieles vertreten: Darunter Genter Bartkaninchen, ebenso wie die beim Publikum beliebten kleinen Zwerge – Rexe, Dalmatiner –dreifarbig.

Die schönsten Tiere unter diesen mussten für den jeweils entsprechenden Titel bester Rammler, beste Häsin, in der Einzelwertung die Note 1,0 beziehungsweise eine 0,1 erzielen.

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Klausi bekommt eine 1,0

Den besten Rammler mit einer 1,0 unter diesen vielen Tieren konnte dann Eike Gläser mit seinem rotäugigen Hermelinkaninchen Klausi nach Hause tragen.

Die schönste Häsin mit einer Wertung von 0,1 hatte Enrico Wilke aus Loburg mit zur Schau gebracht. Er platzte auch fast vor Stolz über seine Helle Großsilber Häsin.

Doch ganz so einfach war es in diesem Jahr nicht, sagt Vereinsvorsitzender Hans-Joachim Heinemann. Ähnlich wie bei den Rassegeflügelzüchtern die Vogelgrippe, ging auch bei den Kaninchen ein Virus um: RHD, das in Fachkreisen auch als China-Seuche bekannt ist. „Dem Virus sind viele Tiere zum Opfer gefallen. Allein ein Züchter von uns verlor dadurch 63 Tiere“, erzählt Heinemann.

15 Tiere mit "nicht befriedigend"

Um so mehr freue er sich, dass die Schau trotzdem noch mit so vielen Tieren stattfinden konnte. Unter ihnen auch vier Tiere mit der besten Bewertung „vorzüglich“. „Das ist ein guter Schnitt. Damit sind wir zufrieden“, schätzt der Vereinsvorsitzende ein. Woran man allerdings noch arbeiten könne, seien die 15 Tiere, die mit „nicht befriedigend“ eingestuft wurden.

Trotzdem zeigte sich Heinemann insgesamt sehr zufrieden mit der Schau: Fast 200 Besucher konnte die Ausstellung an beiden Tagen zählen. Und es wurden mehr als 20 Tiere verkauft. „Das ist gut. Besser als in den vergangenen zwei Jahren“, schätzt Heinemann ein und fügt an: „Die Züchter freuen sich, wenn recht viele Besucher diese Schau besuchen. Das ist für sie eine Anerkennung der besonderen Art.“

Unter den Anmeldungen waren in diesem Jahr auch viele Rammlerzuchtgruppen in der Ausstellung. Was zum einen auf den dezimierten Zuchtbestand hindeuten kann, aber auch darauf, dass um den begehrten „Landesverbands – Ehrenpreis“ gewetteifert wurde, denn dieser ist nur in dieser Kategorie zu gewinnen.

Züchter aus befreundeten Vereinen

Eine offene Schau heißt immer, dass auch Züchter aus anderen Vereinen ausstellen dürfen. Aber es gibt trotzdem eine interne Wertung, der sich nur die Vereinszüchter des Zerbster Vereins G377 stellen können. Es geht um die Vereinsmeisterschaft. Vereinsmeister wird der Züchter, der die besten fünf Tiere einer Rasse ausgestellt hat. Diesen Pokal konnte Norbert Müller aus Stresow für sich verbuchen. Er räumte auch in anderen Kategorien ordentlich mit seinen Genter Bartkaninchen ab. Norbert Müller hat damit nicht nur sehr schöne Tiere mit zur Schau gebracht, sondern auch äußerst seltene: Nur etwa 120 Züchter in Belgien, Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz züchten die Tiere. Erst Anfang der 1990er Jahre kamen die ersten Tiere der Bartkaninchen nach Deutschland. „Zeitweise standen sie auf der roten Liste, der vom aussterben bedrohten Tiere. Deshalb fing ich mit der Rasse in meiner Zucht an. Mittlerweile sind wir schon wieder fast im grünen Bereich“, erzählt der ambitionierte Züchter. Denn mit dieser Rasse ist er in Sachsen-Anhalt sogar einmalig.

Mit solch seltenen und schönen Tieren, aber natürlich auch mit den anderen ausgezeichneten Tieren, hoffen die Vereinsmitglieder immer wieder, andere mit ihrer Leidenschaft der Kaninchenzucht anzustecken. 13 Mitglieder zählt der Verein derzeit. „Wir würden uns freuen, wenn Ausstellungen und Veranstaltungen dazu beitragen, weitere Mitglieder für das schöne Hobby zu gewinnen. Denn Rassekaninchenzucht ist mehr als nur Kaninchen halten“, preist Heinemann an.