Walternienburg l Jährlich, sagte der Tourismusverband Elbe-Börde-Heide, sind knapp 300.000 Menschen mit dem Rad an einem der natürlichsten Flüsse in Europa unterwegs. Die Zahl derjenigen, die mehrere Tage mit dem Rad an der Elbe fahren und die Landschaft genießen ist demnach ebenso hoch, wie die Zahl der Tagesausflügler, die an einem Tag mal mit dem Rad einen Ausflug machen wollen.

In diesem Jahr begann die Saison an der Elbe wegen der Corona-Pandemie deutlich später. Der Stillstand des öffentlichen Lebens macht der Tourismusbranche bislang zu schaffen. Allerdings zeichnet sich Licht am Ende des Tunnels ab. Der Magdeburger Tourismusverband Elbe-Börde-Heide machte eine Umfrage unter den radfreundlichen Unterkünften im Juni und Juli. Von den 116 befragten Unternehmen gaben rund 40 Prozent an, dass der Tourismus wieder gut bis sehr gut laufe. Rund 22 Prozent der befragten Unternehmen schätzten das Geschäft mit den Touristen befriedigend ein. Rund 28 Prozent zeigten sich weniger zufrieden mit dem Verlauf der diesjährigen Radsaison an der Elbe.

Viele Einheimische wegen Corona an der Elbe

Das könnte auch daran liegen, dass in diesem Jahr vor allen die Einheimischen an dem Fluss unterwegs sind. Dabei ist die Elbe beispielsweise bei Holländern ein Geheimtipp. Sie stellen eine große Gruppe von Radtouristen in der Vergangenheit dar. Allerdings kann der Tourismusverband Elbe-Börde-Heide der diesjährigen Entwicklungen, der den Elberadweg in der Mitte betreut, auch positive Seiten abgewinnen. So verzichteten viele Bürger auf Reisen ins Ausland und machten in Deutschland Ferien. Dabei stiegen die Menschen auch auf das Rad und nutzten den Elberadweg, schätzt der Tourismusverband ein. Allerdings verzichteten nicht nur die Deutschen auf den Auslandsurlaub, sondern auch die Ausländer. Die Niederländer blieben diesmal in Größenordnungen dem Reiseerlebnis auf zwei Rädern fern. Dass die holländischen Nachbarn gern an der Elbe radeln, ist in den Elborten der Stadt Zerbst seit Jahren bekannt.

Nicht nur am Informationspunkt des Elberadweges auf der Wasserburg in Walternienburg schauen normalerweise Niederländer auf ihrer Tour vorbei. Auch in der Radfahrerkirche in Steckby verewigen sich viele Radler im Gästebuch und lassen erahnen, wie groß die Zahl der Holländer ist, die die Elbe anfahren.

Nachfrage nach Urlaub größer

In diesem Jahr ist die Nachfrage nach einem geplanten Urlaub auf dem Elberadweg spürbar größer als in den vergangenen Jahren, teilt der Tourismusverband mit. Deutlich mehr Anfragen erhalte der Verband aktuell von Bürgern, die eine Tour planen, sagt Geschäftsführerin Irene Mihlan. Das zeige sich für sie ebenso an dem Handbuch, welches jährlich für den mittleren Teil gedruckt werde. Das Heft mit einer Auflage von rund 260.000 Exemplaren sei inzwischen fast vergriffen, sagt sie. Das zeige die große Nachfrage.

Obwohl sich die Zahl der Radfahrer seit Jahren nach oben bewegt und der Elberadweg zu einem echten Wirtschaftsfaktor für die Kommunen an der Elbe geworden ist, registriert der Tourismusverband eine rückläufige Zahl von Übernachtungsmöglichkeiten sowie Gaststätten an der Strecke. Nach 2008 war die Zahl der Unterkünfte am Elberadweg kontinuierlich gewachsen, zeigt eine Statistik des Tourismusverbandes. Von 152 Anbieter im Jahr 2008 ging es bis 2012 auf 205 Anbieter hoch. In diesem Jahr sind es nur noch 164 Anbieter, teilt Irene Mihlan mit. „In den letzten Jahren ist ein langsamer Rückgang bei der Zahl der Unterkünfte zu verzeichnen“, sagt sie. Dies habe unter anderem damit zu tun, dass viele ältere Vermieter das Geschäft aufgeben oder keinen Nachfolger für ihren Betrieb finden können, schildert sie. „Merken können wir das unter anderem am Rückgang bei den als radfreundlich zertifizierten Betrieben. Neue Anbieter kommen leider nur wenige nach. Diese Tendenz ist an allen Abschnitten des Radweges zu erkennen. In diesem Jahr sind uns bereits mehrere Betriebe bekannt, die nach dem Lockdown nicht mehr öffnen“, erklärt sie weiter. Die Corona-Pandemie sorgt damit für einen Rückgang der Unterkünfte am Elberadweg. Eine ähnliche Entwicklung verzeichnet der Verband bei den gastronomischen Angeboten an der Elbe. Auch hier hatte sich in den vergangenen Jahren die Zahl der Unternehmen positiv entwickelt. Zuletzt war die Zahl der Unternehmen wieder gesunken.

600 Euro für siebentätige Reise

Dabei geben die Radfahrer nicht wenig Geld aus, wenn sie auch für den Antrieb keine Kosten haben. Nach statistischen Methoden gibt ein Radfahrer bei einer rund siebentägigen Reise mehr als 600 Euro aus. Das ist deutlich mehr als noch vor zwei Jahren, teilt der Tourismusverband mit. Dabei handelt es sich allerdings um Durchschnittswerte. Die Kosten der Reise hängen vor allem auch vom Komfort ab. Während manche Radfahrer sehr spartanisch unterwegs sind und nach der täglichen Radtour im eigenen Zelt die Nacht verbringen, ziehen andere ein richtiges Bett vor. Bei diesen Radfahrern ist die Tour in der Regel genau durchgeplant in einzelne Etappen. Denn die Zimmer müssen entsprechend reserviert werden, damit abends die Suche nach einem Bett nicht die Urlaubsfreude verdirbt. Mit dem Rückgang der Zahl der Unterkünfte könnte es in Zukunft schwieriger werden, direkt an der Elbe ein Bett für eine Nacht zu finden. Im Notfall müssten die Radfahrer dann weiter weg vom Fluss eine Unterkunft nehmen und wären dadurch länger unterwegs.

Für den Zerbster Elbort Walternienburg stellen die Radfahrer einen großen Wirtschaftsfaktor dar, sagt Ortsbürgermeister Jörg Hausmann. Die Leute, die durch seinen Ort fahren, seien begeistert von der Landschaft und der Natur. Die Region habe ein riesiges Potenzial, ist der Ortschef überzeugt, der selbst unternehmerisch in dem Bereich in seinem Ort tätig ist.

Infopunkt ist Sorgenkind

Ein Sorgenkind ist dabei der Informationspunkt auf der Wasserburg. Die personelle Besetzung erfolgt seit Jahren bereits über den zweiten Arbeitsmarkt, erzählt er. Aktuell habe der Infopunkt nur einen Mitarbeiter. In Zukunft müsse dies verbessert werden, fordert er. In dieser Woche hatte er sich mit dem Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann zu dem Thema getroffen. Die Kommune solle darauf drängen, den Infopunkt mit mehr Personal zu besetzen. Allerdings ist dies für Zerbst eine sogenannte freiwillige Leistung und damit von den Einnahmen der Stadt abhängig. Dennoch habe der Bürgermeister ihm deutlich gemacht, dass er sich in Zukunft um den Infopunkt kümmern und sich dafür einsetzen wolle, dass dort mehr Personal tätig sei.

Immer wieder für Kopfschütteln löst regelmäßig unter Besuchern die Tatsache aus, dass der Infopunkt an den Wochenenden geschlossen ist, sagt Jörg Hausmann. Vor allem Tagestouristen aus der Region und auch Radwanderer würden so nicht erreicht. Das sei schade und verschenktes Potential für die gesamte Region.

Motortechnik hilft bei Fortbewegung

Die moderne Technik sorgt derweil dafür, dass auch Menschen, die nicht so fit sind, den Elberadweg erleben können. Viele Radfahrer seien heute bereits motorisiert unterwegs, hat der Walternienburger Ortsbürgermeister beobachtet. Die Motorunterstützung sorgt dafür, dass die Etappen an der Elbe leicht zu bewältigen sind. Anders sehe es da schon am Saaleradweg aus, weiß er. Die Tour an der Saale, die ebenso immer mehr Menschen begeistert, hält einige starke Steigungen und Gefällestrecken bereit. Bis zu 16 Prozent betragen sie, sagt er. Die Elbe sei da weniger herausfordernd und biete Radwege an, die weniger große Steigungen anbieten.

Nicht durchgängig ist es den Radfahrern möglich, direkt neben dem Fluss zu fahren, kennt Irene Mihlan eines der Hauptkritikpunkte der Elberadler. Aus verschiedenen Gründen sei dies aber nicht immer möglich, schildert sie. So mache der Hochwasser- oder der Naturschutz mitunter eine Streckenführung direkt am Wasser unmöglich. Mitunter gebe es aber auch Wege, die etwas weiter von der Elbe genutzt werden. Dennoch ist die Resonanz der Radfahrer in der Regel positiv. Vor allem aktuell biete sich die Möglichkeit vielen zu zeigen, wie schön Sachsen-Anhalt ist, meint der Walternienburger Ortsbürgermeister. Er habe durchgehend positive Reaktionen bei Begegnungen mit Radfahrern erlebt.