Zerbst l Vom Keller aus hat sich der Brand bereits bis ins erste Obergeschoss ausgebreitet. Der Rauch zieht sich mittlerweile durchs gesamte Treppenhaus. Konzentriert tasten sich die Einsatzkräfte in voller Atemschutzmontur voran. Immer wieder durchbricht ein Funkspruch die unwirkliche Stille. Menschen könnten irgendwo vom Feuer eingeschlossen sein. Das realistische Szenario verlangt den Teilnehmern des Übungstages auf dem Gelände des früheren Zerbster Militärflugplatzes einiges ab. Nun müssen sie beweisen, ob die zuvor trainierten Handgriffe sitzen.

Einmal im Jahr veranstalten die Ortsfeuerwehren Deetz/Badewitz und Garitz/Bornum solch eine gemeinsame Ausbildung, bei der das theoretisch erworbene Wissen praktisch angewendet wird. Ziel ist, sich bestmöglich auf den Ernstfall vorzubereiten. Nicht alles klappt sofort. „Fehler werden gemacht“, weiß Thomas Erxleben. Doch das ist nicht schlimm, kann hier vielmehr korrigiert werden. Wichtig ist, daraus zu lernen, so dass jeder Kamerad weiß, was zu tun ist, wenn der Pieper sie tatsächlich zu einem Wohnungs- oder Hausbrand ruft. Glücklichweise komme das nicht so oft vor, bemerkt Erxleben.

Ideale Kulisse mit viel Qualm

Er agiert als Ausbilder genauso wie Hartmut Noack. „Das Objekt ist ideal, da kann man keinen Wasserschaden machen. Stattdessen können wir unter vollem Druck üben. Das ist ein riesen Vorteil“, sagt jener. Beide sind froh, dass sie das seit dem Rückzug der Sowjetarmee leerstehende Gebäude im Schatten der modernen Windräder nutzen dürfen. Es bietet die ideale Kulisse, um das Vorgehen in einer unbekannten und im Einsatzfall völlig verqualmten Umgebung zu trainieren.

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15 Atemschutzgeräteträger sind bereits seit sieben Uhr morgens vor Ort. Mehrere Stationen absolvieren sie nacheinander. Neben der simulierten Suche nach Personen geht es um Schlauchmanagement im Treppenhaus und die Öffnung einer Tür, hinter der ein Zimmer völlig in Flammen steht. Dazu schlüpfen die Kameraden in ihre ganze Montur, die mitsamt der ganzen Ausrüstung wie Pressluftflaschen sowie Hebe- und Brechwerkzeugen über 20 Kilo wiegt. Jeweils zu Zweit absolvieren sie den Innenangriff, legen die Schläuche so aus, dass noch Reserven bleiben, bevor sie schließlich vor der Tür knien, hinter der sich das gedachte Feuerinferno befindet. Hartmut Noack beobachtet jeden einzelnen Trupp genau. „Es sind Kleinigkeiten, die verkehrt gemacht werden“, sagt er. Oft merken die Kameraden selbst, wo es gehakt hat, noch bevor die sofortige Auswertung erfolgt.

Selbstrettung wird erprobt

Zudem wird die Selbstrettung geübt. Aus gut sechs Metern Höhe müssen sich die Teilnehmer an einer Hauswand abseilen – bei manchem steigt in dem Moment das Adrenalin deutlich. „Eigentlich ist das nie notwendig, da meist eine Drehleiter vor Ort ist“, gesteht Thomas Erxleben. Dennoch sollen die Kameraden einmal das Vorgehen für den Fall trainieren, dass ihnen selbst keine andere Rückzugsmöglichkeit aus einem brennenden Gebäude mehr bleibt als der Ausstieg aus einem der oberen Fenster oder Balkone. Enorm wichtig ist hier die richtige Sicherung, die Thomas Erxleben aufmerksam überwacht. Immer wieder gibt er Tipps.

Nach der Mittagspause – um die Versorgung kümmern sich fünf weitere Kameraden – steht die Abschlussübung an. Aufgeteilt auf drei Trupps treten die Teilnehmer zur Brandbekämpfung und Menschenrettung an. Noch einmal müssen sie zeigen, wie gut sie als Atemschutzgeräteträger in einem verrauchten Gebäude Personen finden und das Feuer löschen können.

Personen finden und Feuer löschen

Am frühen Nachmittag endet die Ausbildung schließlich, von deren Verlauf sich nicht nur Daniel Mielchen ein persönliches Bild macht. Neben dem Ortswehrleiter verschafft sich ebenfalls der Nachwuchs der Garitz-Bornumer Ortsfeuerwehr einen Eindruck. Stadtwehrleiter Denis Barycza und sein Stellvertreter Sven Klarenbach schauen ebenfalls vorbei.

Wenn es geht, wollen sie einen solchen Übungstag künftig auch mit anderen Wehren zusammen durchführen, sagt Hartmut Noack. Unterdessen nutzt Thomas Erxleben die Gelegenheit, sich bei allen Teilnehmern zu bedanken, die für die Weiterbildung auf ihr Freizeit verzichtet haben. Ein Dankeschön geht ebenfalls an Kamerad Matthias Richter für die Leitung der Abschlussübung, an Stadtgerätewart Holger Müller und Kamerad Alexander Bergfeld für die Unterstützung sowie Chris Döhring für die Bereitstellung des Objektes.