Zerbst l Die Erleichterung stehen Tafel Chefin Ute van Tulden und Birgit Brandtscheit, Leiterin der Kindertafel förmlich ins Gesicht geschrieben. Die beiden engagierten und resoluten Frauen können wieder lachen. Seit Monaten kämpfen sie wie Löwinnen um einen neuen Standort und den Erhalt ihrer Einrichtungen. Am Mittwoch,  23. Oktober, dann die erlösende Nachricht. Der Stadtrat stimmte für den Verkauf der ehemaligen Grundschule im Ankuhn an den Magdeburger Unternehmer Mike Schrader, der den Gebäudekomplex nun für Tafel und Kindertafel erworben hat.

Die Zeit drängte, denn der Mietvertrag für das bisherige Domizil von Tafel und Kindertafel in Teilen der im Volksmund „Kreml“ genannten Villa in der Jeverschen Straße läuft zum Jahresende aus. Die ehemalige SED-Kreisleitung und spätere Villa Musik und Kunst wurde im vergangenen Jahr an das Diakonische Werk Zerbst verkauft. Eigentümer war bis Dato der Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Auch der Magdeburger Mike Schrader hatte damals ein Kaufgebot abgegeben, zog dieses allerdings kurz vor der Entscheidung – aus Gründen, auf die er nicht weiter eingehen wollte – wieder zurück.

Standort und Zukunft sichern

Schrader unterstützt die Tafel schon seit Längerem sowohl finanziell als auch mit Sachspenden. Er wollte Villa und Nebengebäude für Tafel und Kindertafel kaufen und den Einrichtungen so den Standort und die Zukunft sichern.

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„Wir sind einfach nur froh und glücklich, dass die Zeit des Bangens endlich vorbei ist“, sind sich Ute van Tulden und Birgit Brandtscheit einig. „In erster Linie möchte ich Planungssicherheit für die Tafel“, erklärte Schrader. Die Frauen wollen jetzt so schnell wie möglich die Räumlichkeiten umgestalten und umziehen. „Die Weihnachtsfeier soll bereits in unserem neuen Zuhause stattfinden“, freut sich Birgit Brandtscheit. Auch da haben sie die volle Unterstützung von Mike Schrader.

Frauen haben freie Hand

„Die Frauen haben völlig freie Hand. Sie können die Räume, den Nebengelass und den kleinen Garten ganz nach ihren Vorstellungen gestalten“, sagt Schrader. Auch bei den Umbauarbeiten werde er die beiden Frauen natürlich unterstützen. „Ich habe keinerlei persönliche Ambitionen für das Objekt. Tafel und Kindertafel brauchen auch keine Miete zahlen, lediglich die Betriebskosten“, betont der Unternehmer.

Er wolle mit dem Objekt kein Geld verdienen. „Wenn sich Menschen finden, die sich so sehr für sozial schwache Bürger und für Kinder engagieren, dann brauchen sie jede Unterstützung“, ist sich das Ehepaar Schrader einig. Die Schraders agieren eigentlich lieber aus dem Hintergrund, bleiben lieber anonym, zumindest, was das Sponsoring betrifft.

Etwas für die Region tun

„Wir sind nicht unbedingt die Sorte Menschen, die sich aufgrund dessen, dass sie Vereine oder soziale Projekte unterstützen, ständig feiern lassen oder die Medienpräsenz suchen“, bekräftigt Schrader seine Aussage aus dem vergangenen Jahr. Und daran habe sich auch nichts geändert.

In diesem Falle haben sich Mike und Susann Schrader jedoch anders entschieden. „Meine Frau und ich möchten nicht, dass nur weil wir anonym bleiben wollten, die Menschen hier denken, dass wir Böses im Schilde führen oder nur ein Spekulationsobjekt suchen“, begründet der Magdeburger damals und auch heute den Schritt in die Öffentlichkeit. Sie würden gerne helfen, einen Teil des Erfolges mit der Allgemeinheit teilen. „Wir sehen für uns einfach eine soziale Verantwortung, gerade in der Region, wo wir arbeiten und zuhause sind“, so Schrader.

Begeistert vom Engagement

Zur Zerbster Tafel ist das Ehepaar durch einen Tipp des SCM-Handballers Andreas Rojewski gekommen. „Meine Frau und ich sind dann nach Zerbst gefahren, haben uns einen Eindruck verschafft, uns alles erklären lassen und waren am Ende des Tages begeistert von dem, was Birgit Brandtscheit und Ute van Tulden hier leisten“, begründet Schrader seinen Einstieg in das Tafel-Sponsoring. Das war 2016.

Schrader hebt die große Unterstützung durch Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) hervor. „Ich und insbesondere die Frauen sind ihm sehr dankbar für sein Bemühen, um eine schnelle und pragmatische Lösung des Standortproblems für die Tafel und die Kindertafel“, betont der Magdeburger Unternehmer.

Zerbster Tafel hat Zukunft

„Der Stadtrat hat auf seiner Sitzung am 23. Oktober den Weg dafür frei gemacht, dass die Zerbster Tafel eine Zukunft hat. So traurig es ist, dass wir eine solche Einrichtung überhaupt brauchen, so froh bin ich auch, dass es uns nun gelungen ist, ein neues Quartier für die Tafel und die Kindertafel zu finden“, freut auch der Rathauschef über die nun gefundene Lösung.

Dank des großen Engagements eines privaten Förderers stehe nun die Grüne Straße 47 dafür zur Verfügung. „Hierbei gehen wir sehr unkompliziert vor und ermöglichen der Tafel bereits jetzt den Umzug, auch wenn der Beschluss noch frisch ist und die Eintragung im Grundbuch noch aussteht“, so der Bürgermeister.

Arbeit der Tafel positiv stärken

Dittmann: „Ich würde mich freuen, wenn es uns gelingt, auch weitere Angebote in diesem Objekt anzusiedeln, was die Arbeit der Tafel positiv stärken könnte. Ich denke da beispielsweise an den Flugmodell- und Freizeitclub. Dessen Programm könnte auch eine Möglichkeit für Besucher der Kindertafel sein.“