Garitz l Der Honda war auf der Landesstraße 121 durch Garitz unterwegs, als er dort mit einem Mitsubishi zusammenstieß, der aus Richtung Dobritz kam. Durch die Kollision wurden die Autos von der Fahrbahn geschleudert und drei Personen schwer verletzt. Rettungswagen brachten sie zur Behandlung ins Krankenhaus. Den Insassen des Mitsubishi mussten die angerückten Feuerwehrkameraden erst aus seinem Pkw befreien.

Dieser Unfall, der sich am 23. Oktober gegen 12.42 Uhr ereignete, sorgt einmal mehr für Forderungen nach Maßnahmen, die von vielen als gefährlich empfundene Kreuzung zu entschärfen. Unfälle seien dort vorprogrammiert, findet Sophie Charlotte Hahn. Der Hergang meist derselbe. „Ein Auto auf der L 121 fahrend wird gerammt von einem Auto, das von Kleinleitzkau oder Dobritz kommt“, schildert die Anwohnerin. Als Ursache sieht sie die kreuzende K 1255, die bis zur Einmündung auf die L 121 selbst Vorfahrtsstraße ist – in Garitz ändert sich das, dort wird sie plötzlich von der Haupt- zur Nebenstraße. „Diese Vorfahrtsänderung ist nicht ausreichend beschildert“, beklagt die junge Frau. Die Folge: „Es wird zu schnell gefahren, die Schilder zu spät gesehen.“ Das gepaart mit der nicht weithin einsehbaren Kreuzung führe immer wieder zu Unfällen. „Ortskundige und Anwohner bremsen schon auf Schritttempo, obwohl sie Vorfahrt haben“, weiß Sophie Charlotte Hahn.

Schriftzug Stopp auf der Straße

Das bestätigt Ortsbürgermeister Mario Rudolf. Bereits seit Jahren setzt er sich zusammen mit dem Ortschaftsrat für eine Entschärfung der Situation ein. Die aufgestellten Stoppschilder allein würden nicht ausreichen. „Es müssen noch weitere Maßnahmen ergriffen werden“, sagt er. Vorschläge hätten sie bereits einige eingereicht, erzählt Mario Rudolf. So könnte bereits 100 Meter vorher auf die dann zu gewährende Vorfahrt hingewiesen werden, nennt er ein Beispiel. Der Schriftzug „Stopp“ überdimensional direkt auf der Straße aufgebracht wäre noch eine Möglichkeit, um Kraftfahrer zu sensibilisieren.

Nicht nur für Mario Rudolf ist die Kreuzung ein Unfallschwerpunkt. „Ständig knallt’s in Garitz und wenn es knallt, dann richtig“, gibt Steffen Schneider seinen Eindruck wider. Er ist Ortswehrleiter der Zerbster Wehr, die oft hinzugezogen wird, wenn auf der L 121 mal wieder Fahrzeuge zusammengestoßen sind. Regelmäßig und eben immer an der gleichen Stelle würden schwere Unfälle passieren. „Es muss hier etwas unternommen werden“, fordert auch Schneider. Seiner Meinung nach dürfte es nicht schwer sein, ein weiteres Schild aufzustellen oder eine Fahrbahnmarkierung aufzutragen.

Polizei sieht keinen Unfallschwerpunkt

Aus polizeilicher Sicht ist die Kreuzung ausreichend und eindeutig ausgeschildert. „Sicher, jeder Unfall ist einer zu viel, jeder Verletzte und vor allem Toter erst recht“, betont Michael Däumich. Dennoch handele es sich im Fall Garitz um keinen Unfallschwerpunkt, sagt der Pressesprecher des Polizeireviers Anhalt-Bitterfeld und belegt das mit Zahlen. So ereigneten sich an der Einmündung der K 1255 auf die L 121 zwischen 2016 und jetzt insgesamt sechs Verkehrsunfälle, bei denen vier Personen schwer und fünf leicht verletzt wurden – ein Motorradfahrer verstarb. Ursache sei das Nicht-Beachten der Vorfahrt gewesen, blickt Däumich in die Statistik.

An der Stelle eine Ampel zu errichten, wie es mitunter vorgeschlagen wird, hält er für nicht notwendig. „Das Stoppschild ist für mich die rote Ampel“, sagt der Polizeihauptkommissar. Es gebe eine Sperrlinie, wo jeder gezwungen sei, anzuhalten. „Und dann taste ich mich langsam vor“, sagt er. „Eine Ampel macht es nicht sicherer, das ist eine Kopfsache“, ist Michael Däumich überzeugt.

Keine Maßmahmen erforderlich

Seitens der Landkreisverwaltung wird der Sachverhalt genauso gesehen. Für die untere Verkehrsbehörde stellt der Kreuzungsbereich in Garitz ebenfalls keinen Unfallschwerpunkt dar. „Ein Knotenpunkt wird als Unfallschwerpunkt betrachtet, wenn fünf gleichartige Unfälle in einem Jahr beziehungsweise fünf Unfälle mit Personenschäden oder drei Unfälle mit schweren Personenschäden in drei Jahren passiert sind“, erläutert Kreissprecher Udo Pawelczyk. Dies würde bislang nicht zutreffen. Zumal es 2019 an der Stelle zu keinem Unfall kam.

Aufgrund des tödlichen Unfalls 2017 habe es damals eine außerturnusmäßige Verkehrsschau gegeben, sagt Pawelczyk. Neben der Polizei und Vertretern der Landesstraßenbaubehörde waren Mitarbeiter der Verkehrsbehörde des Kreises vor Ort. „Alle Teilnehmer sind damals zu dem Entschluss gekommen, dass die Kreuzung in einem absolut sicheren Zustand war und somit keine weiteren Maßnahmen eingeleitet werden mussten“, berichtet er. Auch die Sichtverhältnisse wurden als „in Ordnung“ eingeschätzt. Dennoch sei zusätzlich zur bestehenden Beschilderung aus Richtung Kleinleitzkau kommend ein weiteres Stoppschild linksseitig der K 1255 aufgestellt worden.

Differenziertere Betrachtung notwendig

Mario Rudolf ärgert, dass die Garitzer Kreuzung nicht als Unfallschwerpunkt gilt. „Man muss das differenziert betrachten“, findet er. „Hier fahren nun mal weniger Autos als in einer Stadt. Das muss man ins Verhältnis setzen zu den Unfällen, die passieren“, meint der Ortsbürgermeister. Man könne den ländlichen Raum nicht mit einem Ballungsgebiet gleichsetzen. „Das geht an der Realität vorbei“, sagt er.