Zerbst l Seit ihrer Sanierung verfügt die Lusoer Straße in Zerbst über einen Radfahrstreifen. Den markierten Abschnitt nutzt aber längst nicht jeder. Viele Radfahrer würden stattdessen mitten über den Gehweg kurven, wie Evelina Pannier berichtet. „Und wenn man was sagt, kriegt man noch dumme Antworten“, schildert die Anwohnerin.

Immer wieder melden sich Leser am Volksstimme-Telefon und beklagen sich über Radfahrer, die sich nicht an die Straßenverkehrsordnung (StVO) halten. Vielmehr scheinen sie ihren eigenen Regeln zu folgen. Grund genug, mal gemeinsam mit der Polizei zu schauen, was dran ist an den Anschuldigungen.

Regelverstöße aus Angst oder Bequemlichkeit

Anja Wernicke kennt solche Vorwürfe. Unberechtigt seien diese nicht, weiß die Zerbster Regionalbereichsbeamtin. Die gemeinsame, gut einstündige Tour mit ihr durch die Stadt zeigt einige Verstöße von Radfahrern auf. Besonders häufig: das verbotene Fahren auf dem Gehweg, das nicht nur auf der Breite zu beobachten ist. „Wo kein Radweg vorhanden oder ausgeschildert ist, muss man auf der Straße fahren“, erklärt Anja Wernicke. Vor allem ältere Menschen würden sich das mitunter nicht trauen, weiß sie. „Sie haben Angst, weil viele Autofahrer auch nicht so rücksichtsvoll fahren“, sagt die Polizeiobermeisterin. Zu dicht und zu rasant überholt da manch einer den Radfahrer vor ihm.

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Erlaubt ist, dass Kinder bis zehn Jahren mit dem Rad auf dem Gehweg fahren. Das gilt ebenfalls für ein Elternteil oder eine andere Aufsichtsperson, die ein unter acht Jahre altes, Rad fahrendes Kind mit dem Fahrrad begleitet. Für den Nachwuchs empfiehlt Anja Wernicke das Tragen eines Helmes, um bei einem Sturz schwere Kopfverletzungen zu vermeiden. „Die sind nicht teuer und die Sicherheit des eigenen Kindes sollte einem das wert sein“, findet die Polizistin. Auch wenn es bislang keine Helmpflicht in Deutschland gibt, bedauert sie, dass hier nicht mehr Erwachsene Vorbild sind.

55 Euro für Fahrradfahren mit Handy

„Was uns auch immer wieder auffällt, ist, dass Radfahrer unterwegs ihr Handy benutzen“, erzählt Anja Wernicke. Das ist verboten und kann teuer werden. Immerhin 55 Euro sieht der Bußgeldkatalog für diesen Verstoß vor. Erlaubt ist hingegen das Tragen von Kopfhörern. Die Musik sollte jedoch nicht zu laut aufgedreht sein, „sonst kriegt man vom Verkehr nichts mit“, sagt die Polizistin und rät zudem, nur einen Kopfhörer ins Ohr zu stecken.

Unterdessen geht die Tour weiter zum Heidetor. Die Straße Alter Teich verfügt beidseitig über einen ausgebauten Radweg. Allerdings endet der rot gepflasterte Streifen Richtung Dobritzer Straße schräg gegenüber der Tankstelle. Wer dort hinüber möchte, um beispielsweise zu den nahegelegenen Einkaufsläden zu gelangen, müsste absteigen, um die Fahrbahn zu überqueren.

Beliebter hingegen scheint es, die Abkürzung durch das Vortor des mittelalterlichen Heidetores zu nehmen. „Das ist bequemer“, sagt Anja Wernicke, als auch schon der Beweis vorrollt und von der Polizistin angehalten wird. Ein Radfahrerpärchen nutzt zwar den vorhandenen Radweg, allerdings entgegen der eigentlichen Fahrtrichtung. Sie sollen nicht die einzigen sein, die das Rechtsfahrgebot missachten – innerhalb einer Stunde sind es 25, das ergibt eine stichprobenhafte, nicht repräsentative Zählung. „Das ist gefährlich“, gibt Anja Wernicke zu bedenken.

Neben Bußgeld droht erhöhte Unfallgefahr

Eine ähnlich riskante Situation zeigt sich kurz darauf an der Einmündung der Lusoer Straße in die B 184. Vom Alten Teich nähern sich zwei Radfahrer der Ampelkreuzung. Sie nutzen ebenfalls den falschen Radweg und biegen trotz fehlender Sicht nach links in die Marcellstraße ein. Aufgrund baulicher Gegebenheiten oder plötzlich endender Radwege gibt es verschiedene Stellen in der Stadt, wo Radfahrer die StVO ignorieren und lieber eine verbotene Alternative wählen. In solchen Fällen droht nicht nur ein Bußgeld, es erhöht sich auch die Unfallgefahr.

Dass sich in Zerbst, wie Anja Wernicke berichtet, relativ wenige Verkehrsunfälle mit Radfahrern ereignen, ist vermutlich auch der Umsicht der Autofahrer zu verdanken. „Hier halten viele schon automatisch an“, bezieht sich die Polizistin auf die Fahrbahnschwelle in der Straße An der Nuthe direkt neben dem Sparkassengebäude. „Vorfahrt hat hier der Autofahrer“, erklärt Anja Wernicke einem Radfahrer, der soeben ohne zu schauen, über die Anhöhe fuhr. Dass er den von der Breite zur Alte Brücke führenden Gehweg hinterm Roten Garten entlang nutzt, damit hat die Regionalbereichsbeamtin kein Problem, handelt es sich doch um eine Anbindung zur für Radfahrer freien Fußgängerzone. Wichtig ist für Anja Wernicke der erste Paragraph der StVO, der von jedem Verkehrsteilnehmer ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht fordert.