Lindau (vs/pwi) l Die Idee, das klare Grundwasser aus dem Westfläming als Trinkwasser nicht nur für die Region, sondern für den gesamten Raum um Magdeburg zu nutzen, waren 1993 nicht neu. Genau genommen sogar schon relativ alt. Exakt 100 Jahre vorher, 1893, begannen die Vorarbeiten zur Erschließung und Nutzung von Grundwasservorkommen für die Trinkwasserversorgung aus dem Westfläming. Dies geschah im Zusammenhang mit der Ablösung der Magdeburger Elbewasserversorgung. Damals wurde die Suche nach ergiebigen Grundwasser- vorkommen, die in nicht allzu großer Entfernung von Magdeburg verfügbar waren, durch das Preußische Staatsministerium forciert.

Wassersuche im Westfläming

In den Jahren 1903 und 1908 erfolgten weitere Untersuchungen besonders im Nord- und Ostfläming. Die Qualität des erkundeten Wassers war gut, die Fortführung des Projektes wurde jedoch zunächst zu Gunsten des Wasserwerkes Colbitz zurückgestellt, das ab 1932 Grundwasser aus der Colbitz-Letzlinger Heide nutzte.

In den 1970er Jahren wurde der Gedanke der Grundwassernutzung im Westfläming mit gründlichen Erkundungsarbeiten aber neu aufgenommen. Die Gründe lagen in den damaligen Plänen zum Aufbau einer großräumigen Verbundwasserversorgung für den Großraum Magdeburg. Ziel war es, die damaligen Landkreise Zerbst, Schönebeck, Staßfurt langfristig mit Trinkwasser, das modernen Standards genügte, zu versorgen sowie eine zweite Versorgungsgrundlage für Magdeburg, die damalige Bezirksstadt und heutige Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt zu schaffen.

Für die Erschließung der Grundwasservorkommen gab es im Zeitraum 1974 bis 1978 Vorrats- und Detailerkundungen.

Bau in Lindau

Auf der Grundlage einer Vorratsbestätigung der damaligen staatlichen Vorratskommission, wurden durch die zuständigen Wasserbehörden entsprechende Wasserrechte erteilt. Danach begann der Bau des heutigen Wasserwerks Lindau, welches am 12. Mai 1993 in Betrieb genommen wurde.

Da der Zeitraum der Fertigstellung und der Inbetriebnahme des Werkes in die Wendezeit von 1989 bis 1993 fiel, gestal- tete sich die endgültige Umsetzung des Projektes schwierig. Zahlreiche Planungsgrundlagen mussten angesichts der neuen Situation überdacht, geändert und dann umgesetzt werden.

Versorgung von Zerbst und im Landkreis

Neben der Festsetzung eines mit den zuständigen Behörden abgestimmten Trinkwasserschutzgebietes wurden durch den Wasserversorger umfangreiche Gutachten zur Einschätzung möglicher Auswirkungen auf die Natur und Umwelt erarbeitet und bei dem Betrieb des Wasserwerkes berücksichtigt. Bis zur Inbetriebsetzung des neuen Wasserwerkes in der Nähe der Ortschaft Lindau erfolgte die Grundwassernutzung zunächst ausschließlich für die Trinkwasserversorgung der Stadt Zerbst und im Landkreis.

Erst nach der Fertigstellung einer 35 Kilometer langen Fernwasserleitung und dem Bau eines Hochbehälters bei Leitz-kau konnte die Versorgung mit von Lindauer Trinkwasser für die Landkreise Anhalt-Zerbst, Schönebeck, Burg, teilweise Staßfurt und bedarfsweise auch Magdeburg realisiert werden.

Heute ist das Wasserwerk Lindau der Trinkwasserversorgung Magdeburg GmbH (TWM) neben dem Wasserwerk Colbitz der Hauptträger der Trinkwasserbereitstellung für zirka 750 000 Einwohner im Versorgungsgebiet zwischen der Colbitz-Letzlinger Heide, dem Westfläming und dem Harz. Die im Jahr 1994 gegründete TWM GmbH ist heute nicht nur Trinkwasserlieferant für die Städtischen Werke Magdeburg GmbH & Co.KG (SWM), sondern auch für eine Vielzahl an kommunalen Versorgern, Stadtwerken, Verbänden und Industrieunternehmen im Großraum Magdeburg.

Mangelnde Qualität

Für die großräumige Wasserverteilung ist dazu in den letzten 50 Jahren ein umfangreiches Wasserversorgungssystem entstanden, welches die Ressourcen der Grundwasserlagerstätten in der Colbitz-Letzlinger Heide und im Westfläming, sowie das Wasser der Talsperren im Ostharz nutzt. Damit wird ein Ausgleich von den Wasserüberschussgebieten zu den Wassermangelgebieten der Börde, des Staßfurter und Schönebecker Raumes, Wanzlebens und des Vorharzes gesichert. Eine Vielzahl ursprünglich vorhandener regionaler, kleinerer Wasserwerke wurde besonders ab den 1990er Jahren aus Gründen der mangelhaften Trinkwasserqualität, des unzureichenden Grundwasserschutzes und fehlender Wirtschaftlichkeit schrittweise durch die Verbundwasserversorgung ersetzt.

Für die Verteilung und Speicherung des Trinkwassers existiert im Großraum Magdeburg ein Rohrleitungsnetz mit über 750 Kilometern Rohrleitungen sowie diverse Trinkwasserbehälter, Pumpwerke und Übergabemessstellen für Trinkwasser an die Wasserverbraucher. Täglich verteilt die TWM heute durchschnittlich etwa 115 000 Kubikmeter an Kommunen und Wirtschaftsunternehmen.

(Fortsetzung folgt)