Zerbst l Wenn wir das Haus zum Einkaufen oder für einen Spaziergang verlassen, machen wir uns eher selten Gedanken darüber, mit welchen Widrigkeiten Menschen mit Behinderung oder ältere Menschen, die auf einen Rollator angewiesen sind, auf unseren Straßen und Plätzen zu kämpfen haben. Hohe Bordsteine, holpriges Pflaster oder unüberwindbare Stufen sind nur einige Beispiele, an denen Rollstuhlfahrer scheitern.

Nun hat mich Volksstimme-Leser Marco Groebe darauf aufmerksam gemacht, dass eine dieser schwer überwindbaren Hürden nun beseitigt wurde. Wir verabreden uns zu einem Spaziergang. Unser Ausgangspunkt ist eben genau diese Stelle im Zerbster Schlossgarten, die Brücke vom Katharina-Denkmal über die Nuthe zum Schlossteich.

Der Schlossgarten ist Anziehungspunkt nicht nur für Zerbster, sondern auch für Touristen, die sich für das Schloss, die Stadthalle und das Katharina-Denkmal interessieren. Nicht zu vergessen die zahlreichen Veranstaltungen, die im Schlosspark stattfinden, wie das Heimatfest, die Gewerbefachausstellung, Zirkusgastspiele oder Konzerte und Tagungen in der Stadthalle sowie ein weiteres Prozessionsspiel, das 2022 im Schlossgarten aufgeführt werden soll – vorausgesetzt, der Stadtrat stimmt dem im Frühjahr zu.

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Kaputtes Pflaster ist verschwunden

Auch Susann Baumgart aus Lübs ist gern im Schlossgarten unterwegs. Als sie allerdings im Sommer vorigen Jahres mit einem Angehörigen im Rollstuhl im Park unterwegs war, fiel ihr das schlechte Pflaster eben an dieser besagten Brücke auf.

Das Pflaster war abgesackt, teilweise fehlten Steine. Zudem wiesen die Betonplatten Schäden auf. „Schon für Fußgänger sind das gefährliche Stolperstellen. Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator haben indes Schwierigkeiten, die Brücken überhaupt zu überqueren“, so Susann Baumgart damals. Sie schilderte auch, wie zwei Männer Angst hatten, mit ihren Elektro-Rollstühlen umzukippen, wenn sie über die Brücke fahren.

„Wir kennen das Problem. Die Zuwegungen sehen furchtbar aus“, gestand Ordnungsamtsleiterin Kerstin Gudella damals gegenüber der Volksstimme und versprach nach einer Lösung zu suchen. Eine Hürde sei die angespannte Haushaltslage. „Der Unterbau müsste ordentlich hergerichtet werden, so dass es auch hält“, erklärte die Ordnungsamtsleiterin im September. Es solle ja eine dauerhafte Lösung sein.

Marco Groebe freut sich, dass die Stadt hier Wort gehalten und das unebene Pflaster ganz entfernt habe, erzählt er mir, als wir uns an der Brücke treffen. „Gerade, wenn man an so stark abschüssigen Stellen wie eben Brückenauf- und Abfahrten ausweichen muss, birgt das immer die Gefahr, dass der Rollstuhl umkippt“, erklärt mir Marco Groebe.

Löcher werden noch verfüllt

Wir drehen eine Runde um den Schlossteich. „Hier gebe es schon noch ein paar Stellen, die nicht optimal sind – gerade und erst recht, wenn es geregnet hat“, sagt Groebe und steuert auf eine der Stellen zu. Hier ist der Boden aufgeweicht und schlammig, dass er mit seinem Rollstuhl über die Wiese ausweichen muss.

„Das geht aber nur auf einer Seite und auch nur mit Vorderradantrieb, da es auf der anderen Seite abschüssig in Richtung Teich geht und man wieder Gefahr läuft, mit dem Rollstuhl umzukippen“, erklärt er mir. Aber auch über die Wiese lasse sich bei Nässe schlecht fahren, da auch hier die Räder einsacken. Ähnliche Stellen finden wir an zwei weiteren Orten auf dem Rundweg um den Schlossteich. „Hier würde es vielleicht reichen, wenn die Löcher mit einem Material gefüllt werden, wo wir das Problem nicht schon nach kurzer Zeit wieder haben“, sagt Groebe.

Ansonsten lasse es sich im Schlossgarten ganz gut mit dem Rollstuhl fahren. „Bis auf die wenigen Stellen ist es okay. Es wäre natürlich schön, wenn die Auffahrten der anderen Brücken auch nach und nach so hergerichtet werden, dass man sie auch als Rollstuhlfahrer problemlos überqueren kann. Aber jetzt sind wir froh, dass die Brücke am Denkmal gemacht wurde“, freut sich Marco Groebe.

Ordnungsamtsleiterin Kersin Gudella: „Nach dem Abtrocknen der Pfützen werden die Löcher in den unbefestigten Wegen rund um den Schlossteich mit Splitt geschlossen.“ Auch an der sogenannten „Krähenbrücke“ – vom Schlossteich in Richtung der Gartenstraße/Teehäuschen – werde das fehlende Pflaster ersetzt.

„Nach Aussage von Herrn Habelmann (Bauamt) wird nach Vorliegen des rechtskräftigen Haushalts auch eine Reparatur auf der Brücke vom Denkmal zum Teich durchgeführt“, sagt Ordnungsamtsleiterin Kerstin Gudella.