Zerbst l Chris Döhring, Geschäftsführer der Getec green energy sieht den Energiepark Zerbst, was die Vielfalt der Erzeugung von erneuerbaren Energien betrifft, bundesweit, ja sogar europaweit als Vorreiter. Neben Wind- und Solarstrom sowie Biogas soll ab 2022 auf dem Flugplatz grüner Wasserstoff produziert werden.

Diese Ankündigung hat nicht nur jede Menge mediales Interesse geweckt, sondern auch Unternehmen und Regionen sind interessiert, von den Erfahrungen der Zerbster zu lernen, oder haben Kooperationen im Blick. „Die Synergie- effekte sind bereits spürbar, wie wir an dem Treffen heute sehen können“, betonte Döhring.

Zerbst ist einige Schritte bereits voraus

„Wir planen in Zeitz ein ähnliches Wasserstoff-Projekt, das wir gerne umsetzen möchten. Zerbst ist uns da einige Schritte voraus“, sagte Lars Ziemann, einer der beiden Geschäftsführer der Zeitzer Stadtwerke, der Ende vergangener Woche gemeinsam mit Henrik Otto, Vorstand der Abfallwirtschaft Sachsen-Anhalt Süd, im Zerbster Rathaus zu einem Erfahrungsaustausch zu Gast war.

Neben Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD), Chris Döhring, Marcel Schöbel (beide Getec) und Jürgen Konratt, Chef der Zerbster Stadtwerke, saßen auch Thomas Webel (CDU), Sachsen-Anhalts Verkehrs- und Minister für Landesentwicklung sowie Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Ude (parteilos) am Tisch.

Erster Spatenstich im Frühjahr

„Während man in Zeitz (Burgenlandkreis) noch in der Ideen- und Konzeptionsphase ist, soll in Zerbst schon im Frühjahr der erste Spatenstich für die Produktionsstätte gesetzt werden“, so Ziemann.

Man wolle natürlich von den Beteiligten hier lernen, „wie man solch ein Projekt erfolgreich auf die Straße bringt“, erklärte Ziemann. So wie er die Akteure kennengelernt habe, könne er sich sehr gut vorstellen, dass man mit den Zerbs-tern zusammenarbeitet – in welcher Form auch immer.

Lastverkehr und industrielle Nutzung

„Interessant zu erfahren war heute, dass das Land eine sehr weitgehende Wasserstoffstrategie hat, beziehungsweise diese kurz vor dem Abschluss steht. So geht es bei der künftigen Nutzung des Wasserstoffs zum einen um den Lastverkehr, also Lkw, die mit Wasserstoff angetrieben werden und zum zweiten um die industrielle Nutzung“, erläuterte Hendrik Otto, Vorstand der Abfallwirtschaft Sachsen-Anhalt Süd.

Ganz wichtig sei auch, dass Minister und Staatssekretär betont haben, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um auch in anderen Regionen, wie im Burgenlandkreis, ähnliche Projekte zu initiieren, „sowohl zur Produktion von Wasserstoff als auch zur künftigen Nutzung“, betonte Otto.

Unternehmen müssen sich wandeln

Der Burgenlandkreis sei ebenso wie Anhalt-Bitterfeld Strukturwandelgebiet. „Es gibt zahlreiche Unternehmen, die sich wegen des Kohleausstiegs wandeln müssen. Wir würden gerne die Energiewende, also das damit einhergehende Ende der Kohleverstromung damit verbinden, den Fokus auf erneuerbare Energien zu legen und damit die Wertschöpfung in unserem Landkreis und im Land Sachsen-Anhalt zu halten“, so Ziemann.

Ziemann: „Wir selbst wollen zukünftig unsere Fahrzeuge mit Wasserstoffbrennstoffzellen betreiben. Wir wären also künftig selbst Abnehmer des Wasserstoffs.“

Rahmenbedingungen sehr entscheidend

Und wenn man dies ganzheitlich denkt, so müsse dies natürlich grüner Wasserstoff sein, der aus regenerativen Energien erzeugt wurde. „Wir sind hier, um auszuloten, mit wem wir solch eine Wasserstoffproduktion im Burgenlandkreis aufbauen können und wer die weiteren Nutzer sein könnten. Da spielen die Rahmenbedingungen, die das Land setzt, eine entscheidende Rolle“, so Ziemann.

„Das Land Sachsen-Anhalt ist momentan dabei, ein Weißbuch zur Entwicklung einer Wasserstoffstrategie zu erarbeiten, und hat aufgrund der bereits bestehenden Energie- infrastruktur hervorragende Voraussetzungen, sich zu einer zukunftsweisenden CO2-freien Wasserstoff-Modellregion zu entwickeln. Das Umweltministerium, das Wirtschaftsministerium und mein Haus wollen natürlich diejenigen unterstützen, die derartige Projekte entwickeln wollen“, erklärte Landesentwicklungsminister Thomas Webel gegenüber der Volksstimme.

Leichter Energie speichern

Der Minister betonte: „Wenn wir die Energiewende wirklich wollen, können wir nicht nur auf Elektroenergie setzen, sondern wir brauchen Wasserstoff, grünen Wasserstoff. Damit lässt sich Energie leichter speichern als mit einer Batterie.“

Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Ude pflichtet Webel bei und ergänzt: „Mein Ministerium ist für die Wirtschaftsförderung sowie für Forschung und Entwicklung zuständig. Wir stellen für solche und ähnliche Projekte Fördermittel zur Verfügung – im Rahmen des Strukturwandels, aber auch aus anderen Töpfen.“

Ein Bild vom Energiepark machen

Chris Döhring zeichnete während des Treffens in einer Präsentation die Erfolgsgeschichte des Zerbster Energieparks nach und hob dabei die positiven Standortfaktoren, wie die einzigartige Konzentration von Erzeugungsanlagen zur Produktion von Strom aus Wind-und Sonnenenergie sowie Gas aus Biomasse hervor.

Im Anschluss konnten sich die Gäste aus Zeitz auf dem Flugplatz ein Bild vom Zerbster Energiepark machen. Bürgermeister Andreas Dittmann betonte, dass derzeit zwar viel über grünen Wasserstoff gesprochen werde, aber in greifbarer Nähe sei vor allem das Zerbster Projekt. „Hier eröffnen sich auch für die Stadtwerke neue Aktionsfelder, beispielsweise in der Schaffung von Leitungsinfrastruktur“, so Dittmann.

Zerbst wird interessanter für Unternehmen

Das könne auch eine Chance für den Anschluss weiterer Ortsteile an das Gasnetz bedeuten. „Es zeichnet sich aber schon jetzt ab, dass Zerbst durch die Produktion von grünem Wasserstoff für Unternehmen noch interessanter wird“, erklärte der Rathauschef.

Hintergrund: Ab 2022 soll in Zerbst zu 100 Prozent grüner Wasserstoff (H2) produziert werden. Heißt: Zur Herstellung wird ausschließlich Strom aus Wind- und Solarenergie genutzt. Dazu sollen auf Teilen der ehemaligen Rieselfelder sieben neue Windräder gebaut werden. Der Bau der Anlage soll noch in diesem Jahr starten.