Feuerwehr Zerbst

Wehrleiter: „Das reißt uns die Füße weg“

Die derzeit geltende Laufbahnverordnung für Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren stößt unter den Kameraden in Zerbst auf Kopfschütteln.

Von Daniela Apel

Zerbst l „Ich frage mich, warum Sachsen-Anhalt die Voraussetzungen so verschärft“, erklärt Denis Barycza. An der Basis sei dies nicht zu vermitteln, sagt der Stadtwehrleiter. Sein Frust und der vieler Kameraden zielt auf die Änderungen in der Laufbahnverordnung für Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren ab. „Die Ausbildung wird elendig ausgedehnt“, kritisiert der Zerbster Ortswehrleiter Steffen Schneider und greift zu klaren Worten: „Das ist riesengroßer Mist.“

Rückhalt gibt es ebenfalls vom Vorsitzenden des Feuerwehrverbandes Köthen-Zerbst/Anhalt: „Bei der Tagung nächste Woche mit dem Innenminister werde ich ansprechen, dass man das nochmal ändert. Viel Hoffnung habe ich allerdings nicht“, gesteht Tobias Möhsner. Etwas anders betrachtet Kreisbrandmeister Heiko Bergfeld die nun geltende Laufbahnverordnung. „Grundsätzlich ist das ein Schritt in die richtige Richtung, qualifiziertes Personal sicher zu stellen“, meint er.

„Wir brauchen wahnsinnig lange Zeit, um wichtige Funktionen zu besetzen“, bemängelt Barycza. In erster Linie denkt der Stadtwehrleiter an die dringend benötigten Maschinisten, für die künftig – neben der bereits geforderten Truppmannausbildung Teil 1 (70 Stunden) und Teil 2 (80 Stunden), dem Lehrgang zum Sprechfunker (16 Stunden) sowie dem Erwerb des erforderlichen LKW-Führerschein – ebenfalls der Lehrgang zum Truppführer Voraussetzung sei. „Und er muss ein Jahr als Truppführer im Einsatz gewesen sein“, ergänzt Barycza kopfschüttelnd. Wenn alles gut laufe, könnte der Kamerad statt wie bisher nach vier, fünf Jahren erst nach sieben Jahren als Maschinist eingesetzt werden, rechnet er vor. „Das reißt uns die Füße weg“, sagt der Stadtwehrleiter. „Ausbildung ist wichtig, aber die Situation wird angespannter“, klagt er, dass ihnen sämtlicher Spielraum genommen werde.

Für diese zusätzlichen Anforderungen habe keiner mehr Verständnis, sagt Barycza. Zumal manche Ortsfeuerwehr längst ums Überleben kämpft. Um neue Mitglieder und auch Quereinsteiger anzuwerben, ist die Verordnung kontraproduktiv. Wie soll man jemanden für dieses Ehrenamt begeistern, wenn man die Pflichten derart hochschraubt? Zumal jeder Lehrgang mit viel Zeit verbunden ist, von den Fahrtkosten mal ganz abgesehen. „Das hilft nicht, Wehren zu retten.“ Barycza befürchtet vielmehr, dass sich die Situation eher noch verschärft. Schon jetzt komme es vor, dass der Maschinist fehle und eine Feuerwehr nicht rausfahren könne.

Demotivierend wirkt ebenfalls, dass einige aktive Kameraden bereits für den nächsten Maschinisten-Lehrgang angemeldet waren, den sie aufgrund der fehlenden Truppführer-Ausbildung vorerst nicht antreten können. „Aktuell sind vier betroffen“, blickt der Stadtwehrleiter in seine Unterlagen. Eine weitere mögliche Folge sei, dass der geplante Kreislehrgang aufgrund der dann zu geringen Teilnehmerzahl ausfällt – damit würde sich für die anderen die Ausbildung zum Maschinisten um ein weiteres Jahr verzögern. Denn auch das ist in der Praxis zu bedenken: Nicht immer können alle notwendigen Lehrgänge zeitnah hintereinander absolviert werden. Schließlich müsse es ebenfalls beruflich passen, führt Barycza aus. „Die Realität schaut eben anders aus“, sagt er. Hier müsse nachgebessert werden, schließt sich der Steutzer Ortswehrleiter Marco Schröter an.

„Als Praktiker kann ich nur sagen: Schaffen wir die freiwilligen Feuerwehren doch ab“, resümiert Schneider. „Mit dieser Verordnung werden die Leute kaltgestellt“, ist er spürbar verärgert. „Wir gehen planmäßig vor und schauen, wer könnte für welche Funktion in Frage kommen und wie erreicht er diese schnellstmöglich“, erzählt der Ortswehrleiter. Das Aufblähen der Anforderungen verzögere alles. Juristisch seien die Neuregelungen sicher einwandfrei, spielt er auf den Umstand an, dass sich ein Jurist im Innenministerium um den Brandschutz kümmert, der eben kein ausgebildeter Brandschützer ist. Die Frage sei jedoch: „Will ich eine funktionstüchtige Feuerwehr oder eine, die staubig wird?“, gibt Schneider zu bedenken.

Aufgrund der Laufbahnverordnung werde keine Feuerwehr geschlossen, erklärt der Kreisbrandmeister. Seiner Ansicht nach sind die Probleme, die sich aufgrund dieser nun in kleineren Wehren auftun, auch der Personalpolitik der vergangenen 15 Jahre geschuldet. „In einzelnen Ausnahmen haben wir sicher zu schauen, wie wir das lösen können“, spricht Bergfeld von Einzelfall-entscheidungen.

„Die Sorgen der Kameraden nehmen wir sehr ernst“, heißt es aus dem Innenministerium. „Sie sind in diesem Falle nach unserer Auffassung jedoch unbegründet“, erklärt Stefan Brodtrück. Wie der stellvertretende Pressesprecher darlegt, gibt es keine Änderung der Anforderung, um Maschinist zu werden. „Neu ist allerdings, dass die Beförderung zum Hauptfeuerwehrmann nunmehr die Ausbildung zum Truppführer und ein Jahr Dienst in dieser Funktion voraussetzt“, interpretiert er die geltende Laufbahnverordnung völlig anders als die Praktiker vor Ort.