Zerbst l Die Kinder und Jugendlichen haben neben den materiellen Wünschen wie Bausteinen, ferngesteuerten Autos, Büchern und CDs natürlich auch Herzenswünsche – Wünsche, die man nicht mit Geld erfüllen kann. Sie erzählen, dass sie ihre verstorbenen lieben Großeltern vermissen, dass sie sich Oma und Opa zurückwünschen oder das vieles in der Schule besser klappen könnte und natürlich möchten die meisten Kinder wieder nach Hause.

Wünsche zum Fest

Doch im Moment stehen die Chancen für die meisten der Steppkes auf Dauer zu ihren Eltern zurückkehren zu können nicht sehr gut. Immer mehr Kinder würden Auffälligkeiten zeigen, die mehr und intensivere Betreuung nötig machten. „Dem können die Eltern dieser Kinder nicht immer gerecht werden“, sagt Rainer Schnelle, Leiter der Einrichtung.

Doch es gibt auch einige Kinder, die sich wünschen, im Scholl-Heim bleiben zu können. „Ich fühle mich hier sehr wohl“, sagt der eine und „hier habe ich mein Zuhause, meine Freunde“, der andere. Das ist ebenso erstaunlich wie bezeichnend. Zeigt dies doch, dass das Kinderheim keineswegs mehr ein dunkler Ort ist, wie es in vielen Köpfen noch umher geistert.

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Blick in die Zukunft

Die meisten der Kinder haben auch bereits ganz genaue Vorstellungen, was ihre berufliche Zukunft betrifft: Landwirt, Bäcker, Kraftfahrer, Rettungssanitäter, Feuerwehrfrau oder Rettungsschwimmer wollen sie werden. Ich bin erstaunt. Retten, helfen, für andere Menschen da sein, dass steht hoch im Kurs bei den Kindern und Jugendlichen.

Das gilt auch für Jenny und Henri. Jenny möchte Erzieherin werden und später im Zerbster Scholl-Heim arbeiten, Henri Polizist. Beide haben aber durchaus auch eine künstlerische Ader.

Die 11-Jährige ist Mitglied der Theatergruppe ihrer Schule, der 13-Jährige spielt in einer Schulband Schlagzeug. Ihr Können haben beide beim Weihnachtskonzert ihrer Schule unter Beweis gestellt. Unter den Gästen waren auch Bürgermeister Andreas Dittmann und Landtagsmitglied Holger Hövelmann (beide SPD).

„Das Schlagzeugspielen macht mir riesen Spaß“, erzählt Henri. Wenn er von der Musik und seinem Schlagzeug spricht, beginnen seine Augen zu leuchten. Sie proben regelmäßig, sogar in den großen Pausen. Vieles habe er sich selbst beigebracht. „Wham’s“ Klassiker „Last Christmas“ hat die fünfköpfige Band beim Weihnachtskonzert gespielt. Sein Traumberuf sei allerdings Polizist. „Musik will ich aber trotzdem weiter machen“, sagt der 13-Jährige.

Jenny spielt seit zwei Jahren in der Theatergruppe. „Ich bin durch meinen Bruder in die Gruppe gekommen. Ich habe es auch probiert und es hat mir Spaß gemacht“, erzählt Jenny. Meist würde sie Sketche spielen, lustige Sachen halt. „Beim Weihnachtkonzert haben wir ein Schneegestöber gespielt. Dabei mischten sich immer wieder Hagelkörner dazwischen, die mit den Schneeflocken stänkern“, schildert Jenny.

Kaffeetafel und Geschenke

Jetzt steht in der Wohngruppe am Gartenweg die Weihnachtsfeier an. Da gibt es eine Menge zu tun. Jeder packt mit an, räumt auf, erledigt Einkäufe und hilft beim Backen der Plätzchen. Und dann ist endlich so weit. Die Kaffeetafel ist gedeckt, die Geschenke unter dem Baum platziert.

Doch bevor jeder seine Pakete in Empfang nehmen und auspacken darf, heißt es für die Kinder das persönliche Jahr Revue passieren zu lassen, die schulischen Leistungen und das Verhalten im Allgemeinen – ein nicht ganz einfacher Moment. Und natürlich muss gesungen werden. Aber diese künstlerische Hürde zu nehmen, fällt den meisten Kinder ziemlich leicht.