Ronney/Walternienburg l „Schneemann bau‘n und Schneeballschlacht. Winter ist so schön ...“ - zu gerne würden die Kinder ihre Schlitten raus holen oder Schneebälle werfen. Doch Pustekuchen. Während es am Anfang der Woche etwas geschneit hatte, waren am Donnerstag frühlingshafte Temperaturen um die zehn Grad Celius zu verzeichnen. Am Wochenende soll es wieder kälter werden. Das Wetter spielt verrückt. Ist da ein Trend erkennbar? Klimawandel?

Schnee in Mengen hat es seit Jahren in diesen Breitengraden nicht mehr gegeben. Die Statistik des Deutschen Wetterdienstes macht das deutlich. Das letzte schneereiche Jahr war 2013. Die Daten werden vom Deutschen Wetterdienst erfasst. Eine Messstation befindet sich in Ronney auf der Wiese gleich nebenan vom Gasthaus „Zum Fährmann“. Gastwirtin Heike Hoppadietz betreut die Wetterstation ehrenamtlich.

Eine Meldung jeden Tag

Das macht sie schon seit mindestens zehn vielleicht sogar 15 Jahren. Jeden Tag muss sie Meldung machen. Kann sie gerade mal nicht, übernimmt ihr Sohn diese Aufgabe. Während das anfangs aufwendiger war und man mit einem Handgerät arbeiten musste, läuft inzwischen alles über Laptop. Um 7.50 Uhr jeden Morgen ist Rapportzeit. Das dauert je nach Internetverbindung gerade eine Minute. Bei Schnee ist der Aufwand größer – zehn bis 15 Minuten. Da muss Heike Hoppadietz die Schneehöhe messen, Schnee auftauen und abwiegen, woraus die Wetterexperten dann ihre Schlussfolgerungen zum Schnee ziehen können.

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Eher unscheinbar ist die Messstation, die da auf der Wiese steht. Der Standort muss natürlich bestimmte Anforderungen erfüllen. Die Säule muss frei stehen, so dass es keine weiteren Einflüsse gibt. Die Anfrage kam damals vom Wetterdienst, erzählt Heike Hoppadietz. Erst wollte sie das gar nicht machen wegen der täglichen Abhängigkeit, aber zu der Zeit wollten auch die Leute vom Umweltzentrum die Messstation mit betreuen.

Nun gehört das zur täglichen Routine bei Heike Hoppadietz, und sie will auch weiterhin die Wetterfee spielen. Mit einem kleinen Obolus wird das Ehrenamt vergolten. Die Wetterstation muss auch sauber gehalten werden und natürlich muss man schauen, ob alles in Ordnung ist. Manchmal kackt ein Vogel rein, so Heike Hoppadietz. Alle Vierteljahr kommt dann mal jemand vom Wetterdienst vorbei und sieht nach dem Rechten.

Temperatur automatisch gemessen

Temperatur und Niederschlagsmenge werden automatisch gemessen. „An den automatischen Niederschlagsstationen des DWD wird kontinuierlich – in Ein-Minuten-Intervallen – die Niederschlagshöhe gemessen“, erläutert Ralph Hasse vom Deutschen Wetterdienst. Um 6.50 Uhr MEZ (Mitteleuropäischer Zeit) beziehungsweise 7.50 Uhr MESZ (Mitteleuropäische Sommerzeit) werde dann eine Summenmessung des in den vergangenen 24 Stunden gefallenen Niederschlages erzeugt. Dazu kommt dann die Schneehöhenmessung durch den ehrenamtlichen Betreuer.

Niederschläge sind weniger geworden und Durchschnittstemperaturen in den vergangenen Jahren gestiegen. Der Dezember 2020 war zum Beispiel außergewöhnlich warm, einer der wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Winter der ganzen vergangenen Jahre waren deutlich zu warm. Dass es immer wärmer und trockener wird, machen die offiziellen Daten vom Deutschen Wetterdienst deutlich. 2017 fielen in Ronney/Walternienburg am 15. Januar sechs Zentimeter Schnee. 2019 waren die höchsten gemessenen Schneedecken zwei Zentimeter am 27. Januar in Ronney/Walternienburg. 2020 war absolut kein Jahr für Schneefreunde – da steht die Null in der Statistik.

Auch dieser Januar ist zu warm. Für den Deutschen Wetterdienst ist schon jetzt klar: „Die vorhandenen Jahreszeitenprognosen deuten einen zu warmen Winter an“, so Ralph Hasse. Und im Rückblick hält er fest: „Die beobachteten zu warmen letzten Jahre sind ein deutliches Zeichen für den fortschreitenden Klimawandel.“

Häufung von Wetterphänomenen

Die Auswirkungen für die Zukunft werden enorm sein. Die Wachstumsperioden verschieben sich. Wetterphänomene wie Sturm und Starkregen werden sich häufen, was ebenfalls schon deutlich wurde. Wer weiß, was noch alles auf uns zukommt. Der Klimawandel wird indes schlimmer als Corona eingestuft – als Bedrohung für die Welt – langfristig und existentiell.