Reuden l Im Schlachthof läuft derzeit die Produktion auf Hochtouren. Der Entenbraten gehört für viele zum Weihnachtsfest. Fläminger Entenspezialitäten kommen aus Reuden. Ganzjährig werden Enten- und Ententeile produziert. In der Wintersaison arbeiten hier 250 Menschen, den Rest des Jahres sind es 150 Leute. 90 Prozent dessen, was in Reuden produziert wird, kommt auf den deutschen Markt, zehn Prozent gehen nach Südeuropa und Asien. 40.000 Enten werden hier pro Tag geschlachtet. Bei jeder Schlachtung sind der Amtstierarzt und amtliche Geflügelfleischkontrolleure dabei. Die Qualität der Produkte soll sichergestellt sein. Das zu gewährleisten, ist derzeit nicht leicht.

Am Dienstag nutzte der Geschäftsführer der Fläminger Entenspezialitäten, Michael Bügener einen Besuch von CDU-Landespolitikern in Reuden, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Neben Krause waren Uwe Harms, Mitglied der CDU-Arbeitsgemeinschaft (AG) Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung, Ernährung, Tobias Schmidt als Referent der AG Wirtschaft, Wissenschaft, Natascha Scheele, Referentin der AG Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie der AG Umwelt und Energie sowie Bernhard Daldrup, Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten des Landtags mit am Tisch. .

Landkreis hat Probleme, Personal zu stellen

Es geht um die Geflügelfleischkontrolleure, die unter Aufsicht, Weisung und Verantwortung des amtlichen Tierarztes arbeiten. Der Landkreis habe Probleme, Fachpersonal zu stellen, das schon über Jahre, machte Bügener deutlich. Deshalb habe der Betrieb vor zwei Jahren angefangen, das Thema anzupacken. Bei dem großen Personalstamm könne der Betrieb selber Leute ausbilden, die dann über die gleiche Qualifikation verfügen wie diejenigen vom Amt.

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Im Dezember werden es sechs Personen sein mit einer entsprechenden Qualifikation. 180.000 Euro hat das Unternehmen in die Ausbildung der sechs Mitarbeiter investiert.

Eigene Leute sollen Produktion sichern

Das Ziel: Mit den eigenen Leuten die Produktionsprozesse zu sichern. Kann der Landkreis keine Kontrolleure vorhalten, leiht er diese quasi vom Betrieb aus. Das wird bereits praktiziert. Dem Amtstierarzt obliegt in jedem Falle die Aufsicht und Verantwortung.

Möglicher Kritik an der Praxis, begegnete Bügener in Reuden. Der Betrieb könne es sich nicht leisten, dass die eigenen Kontrolleure durchgehen lassen, was sonst aussortiert werden würde. Es werde Wert auf Qualität und Sicherheit der Produkte gelegt, „Wir sind kein Wald- und Wiesenunternehmen.“

Idee wird auch in anderen Ländern praktiziert

Die eigenen Kontrolleure einzusetzen, sei keine Reudener Idee, das machten andere europäische Länder auch, so Michael Bügener. Grundlage sei die Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates mit besonderen Verfahrensvorschriften für die amtliche Überwachung von zum menschlichen Verzehr bestimmten Erzeugnissen tierischen Ursprungs. Da werde den Mitgliedsstaaten eingeräumt, dem Schlachthofpersonal zu gestatten, bei der amtlichen Überwachung mitzuwirken und bestimmte Aufgaben unter Aufsicht des amtlichen Tierarztes auszuführen. Bei entsprechender Qualifikation verstehe sich.

Beide Varianten sind für Bügener möglich: Entweder die Kontrolleure werden vom Amt gestellt oder es kann das entsprechend ausgebildete Schlachthofpersonal eingesetzt werden. „Eine gemeinsame Lösung“, will er mit dem Landkreis suchen. Der habe keine ablehnende Haltung gezeigt, drückte es der Geschäftsführer vorsichtig aus.

Landkreis berät über Problematik

Zu der Problematik konnte vom Landkreis gestern niemand Stellung nehmen. „Darüber wird noch beraten“, erklärte Pressesprecherin Marina Jank, zudem wird Dezernent Bernhard Böddeker, in dessen Dezernat das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt angesiedelt ist, erst heute aus dem Urlaub zurück erwartet. Ob Anhalt-Bitterfeld in dieser Sache eine Vorreiterrolle übernehmen wird, bleibt also offen.

Derweil stieß das Ansinnen bei den Politikern auf offene Ohren. Mit einer entsprechenden Anfrage durch das Unternehmen will Bernhard Daldrup die Thematik in den Ausschuss bringen. „Wir müssen aufpassen, dass wir die Produktion wettbewerbsfähig und in Deutschland behalten“, sagte er, „dann haben wir die Kontrolle.“