Reuden l Es ist noch kein Jahr her, dass in der Volksstimme berichtet wurde, dass die Familie Pötsch in Reuden tote Schafe zu beklagen hat. Einmal im September 2019 und ein zweites Mal im Dezember hatte der Wolf Beute gemacht. Nachweislich, die Wolfsrisse wurden bestätigt.

Nun schlugen er oder sie erneut zu. In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag vergangener Woche. Daniel Pötsch fand das tote Tier oder zumindest das, was davon übrig geblieben war, bei seinem regelmäßigen Kontrollgang übers Gelände. Diesmal hatte es das Lamm erwischt, das im April geboren worden war.

Die Alte habe rumgeblökt, wie sie es sonst nicht tut, erzählte der Reudener. Da sei ihm klar gewesen, dass irgendwas passiert sein musste. Die Mutter blökte wahrscheinlich, weil sie ihr Kind suchte. „Abends waren noch alle da“, kann Pötsch nur mit dem Kopf schütteln. Von dem Lamm war kaum mehr etwas übrig geblieben. Das Raubtier hat seine Beute ungestört fressen können.

Während bei den ersten beiden Übergriffen der oder die Wölfe über den Zaun gesprungen sein müssen, hat er sich diesmal darunter hindurch gewühlt. Die Stelle war schnell auszumachen und auch Spuren fanden sich. Wieder verständigte Daniel Pötsch das Wolfskompetenzzentrum. Eine Mitarbeiterin war vor Ort und nahm alles auf. Innerhalb der nächsten zwei Wochen wird es die Familie schwarz auf weiß haben, ob sich der Wolf das Lamm geholt hat.

Zaun kein Hindernis: oben drüber oder drunter

1,50 Meter hoch ist der Zaun um das Gelände des alten Sägewerkes, wo die Familie die Schafe hält. Nach den Über- griffen im vergangenen Jahr überlegten sie schon, ihre Schafe alle zu schlachten. Aber: „Wir brauchen sie als Rasenmäher“, sagt Daniel Pötsch. Das 10 000 Quadratmeter große Gelände, in zweiter Reihe hinter den Häusern, an die Gär- ten angrenzend, muss schließlich gepflegt werden. Zu den zwei weiblichen Tieren wurde ein neuer Bock angeschafft, der sorgte für das Lämmchen. Nun ist die kleine Herde wieder auf drei Tiere geschrumpft.

Der Riss geht in die Statistik ein, wird registriert und zur Kenntnis genommen. Schadensersatz beantragt Daniel Pötsch gar nicht erst. Schließlich hat er keinen Untergrabungsschutz. Dazu müsste er die rund 1000 Meter Zaun in die Tiefe buddeln, womit erheblicher Aufwand und Kosten verbunden sind. Er fragt sich: Wofür? Damit der Wolf sich dann einen anderen Weg sucht, um leichte Beute zu machen, sagt Daniel Pötsch.

Einen Elektrozaun, wie ihm vom Wolfskompetenzzentrum empfohlen wurde, hält er für keine gute Alternative. Da würde nur der Bereich für die Schafe eingeschränkt, so hätten sie auf dem weitläufigen Gelände noch bessere Fluchtmöglichkeiten. Das Gelände kontrolliert der Reudener regelmäßig, geht die Umzäunung ab, um sicher zu gehen, dass alles dicht ist. Manchmal buddelt auch der Fuchs, aber diesmal wohl der Wolf.

An seiner Tierhaltung will Daniel Pötsch deshalb nichts ändern. Seit sieben Jahren hält die Familie Schafe. Tag und Nacht sind sie draußen, im Sommer wie im Winter. Dafür sind sie gemacht, so der Reudener.

Mal sehen, wo und wann der Wolf das nächste Mal zuschlägt. „Nachts spaziert er durch das Dorf“, ist Pötsch überzeugt. Ein Kraftfahrer aus Reuden, der sich schon zwischen 3 und 4 Uhr auf den Weg macht, habe schon einen die Straße entlang gehen sehen. Und auch das Heulen der Wölfe im nahe gelegenen Wald sei wieder deutlich zu hören. Unheimlich, bedrohlich, klinge das.