Kinder- und Jugendbeirat nimmt Arbeit auf

Zerbster Jugendliche wollen künftig in der Kommunalpolitik mitmischen

Erstmals tagte der neu geschaffene Kinder- und Jugendbeirat der Stadt Zerbst. Dieser besitzt nun eine Doppelspitze. Zugleich erhielten die Mitglieder vom Bürgermeister den klaren Auftrag, sich einzumischen.

Von Daniela Apel
Bereits im Januar wurden die ersten Mitglieder des neuen Kinder- und Jugendbeirates vom Zerbster Stadtrat berufen. Nun fand die konstituierende Sitzung statt.
Bereits im Januar wurden die ersten Mitglieder des neuen Kinder- und Jugendbeirates vom Zerbster Stadtrat berufen. Nun fand die konstituierende Sitzung statt. Foto: Daniela Apel

Zerbst - „Ich bin gespannt auf das Störpotenzial, das der Kinder- und Jugendbeirat entwickelt, um was zu verändern“, sagte Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD). Er freute sich nicht nur spürbar, dass sich die neun jungen Leute für ihre Generation auf kommunalpolitischer Ebene einbringen wollen. Er forderte sie deutlich auf, sich einzumischen und sich von ablehnenden Meinungen nicht abschrecken zu lassen. „Ich gehe davon aus, dass ihr uns auf die Füße tretet“, wandte er sich an die Runde, die sich nun zur konstituierenden Sitzung traf.

An dieser nahm auch Stadtjugendpflegerin Heike Fräßdorf nur zu gern teil. „Ich denke, dass wir im Laufe der Jahre etwas betriebsblind geworden sind“, gestand sie. Umso wichtiger seien neue Ideen und Impulse, und zwar aus den Reihen jener, die es betrifft. „Es gab vor vielen Jahren schonmal einen Kinder- und Jugendbeirat, aber irgendwie ist das steckengeblieben“, blickte Dittmann zurück. „Ich glaube, das passiert hier nicht“, äußerte sich Heike Fräßdorf zuversichtlich. Die Voraussetzungen seien andere. Damals durfte jeder mitmachen, der wollte, und das waren hauptsächlich Kinder.

Neun Mitglieder wählen Doppelspitze

Der jetzt vom Stadtrat berufene Beirat setzt sich aus neun Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren zusammen. Sie wurden von Schulen und Vereinen, aber auch Hilfsorganisationen und Parteien vorgeschlagen. Bis zu 15 Mitglieder wären laut Satzung möglich, die nun schon wieder zu ändern ist. Denn statt einen Vorsitzenden und einen Stellvertreter zu wählen, entschieden sich die jungen Leute für eine Doppelspitze.

Diese wird gebildet von Jakob Ost von der Jugendfeuerwehr Zerbst und Aileen Larissa Dantz vom Francisceum. Als Drittes hatte Lukas Dossow von der Sekundarschule Ciervisti seine Bereitschaft erklärt, an der Spitze des Gremiums mitzuwirken. Er könne ja als Stellvertreter agieren, schlug der Bürgermeister vor.

Akener bieten Unterstützung an

Ansonsten motivierte Dittmann die Jugendlichen zur Eigeninitiative. Ihnen sei selbst überlassen festzulegen, welche Schwerpunkte sie setzen wollen. Aileen Larissa Dantz dachte sofort an den zugepflasterten Schulhof der Rephunschule, in welcher die Fünft- bis Siebtklässler unterrichtet werden. Zum Aufenthalt in den Pausen lade jener nicht wirklich ein. Nur einzelne Bänke gebe es, Fußball spielen sei verboten. Da etwas zu ändern, könne dauern, gestand der Bürgermeister. „Aber der Schulhof wird erst zum Thema, wenn es jemand anspricht“, gab er zu bedenken.

„Traut Euch was und seid mutig“, sagte Bennet Rietdorf. Der 20-jährige Zerbster, der am Francisceum sein Abitur machte und inzwischen studiert, bot als Jugendkoordinator der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Anhalt-Bitterfeld Unterstützung und Hilfe beim Vernetzen an. So existiert seit Herbst 2019 in Aken ein Jugendbeirat, der es unter anderem geschafft hat, dass der städtische Skate-Park mit Solarlampen ausgestattet wurde, damit dort auch in den Abendstunden geskatet werden kann. Die Akener hätten bereits signalisiert, sich mit dem neuen Zerbster Beirat mal auszutauschen, wie Bennet Rietdorf schilderte.