Zerbst l Der ehemalige Landkreis Anhalt-Zerbst wurde bei der jüngsten Kreisgebietsreform vor zwölf Jahren auf drei Landkreise aufgeteilt. Der größte Teil des Kreises gehört seither zum neuen Kreis Anhalt-Bitterfeld, ein kleiner Teil wechselte nach Wittenberg und einige kleinere Gemeinden wählten den Weg ins Jerichower Land.

Mit der Kreisgebietsreform änderten sich nicht nur Zugehörigkeiten, sondern es wurden neue Verwaltungsgrenzen gezogen. Auswirkungen hatte dies unter anderem auf die Beschulung der Kinder. Das trifft vor allem für die Orte zu, die aus dem ehemaligen Landkreis Anhalt-Zerbst den Weg ins Jerichower Land suchten.

Für sie änderte sich der Einzugsbereich der Schulen. In Möckern steht die zuständige Sekundarschule, in Gommern hält der Landkreis ein Gymnasium vor. Doch nehmen die Bürger die neuen Verwaltungsgrenzen auch an? Nach mehr als einem Jahrzehnt müsste dies eigentlich so sein. Eigentlich.

Tatsächlich fahren 82 Schüler aus dem Jerichower Land jeden Tag in Zerbster Schulen. 80 Kinder und Jugendliche aus dem Jerichower Land besuchen dabei das Zerbster Gymnasium, teilt das Landesschulamt auf Nachfrage mit. Vor allem aus dem Loburger Raum, der einst zu Zerbst gehörte, besuchen viele Schüler das Francisceum. Zwei Schüler besuchen eine Förderschule. In allen Fällen haben die Eltern entsprechende Ausnahmegenehmigungen für die Beschulung in einem anderen Landkreis gestellt.

„Bei Gymnasien müssen die Eltern den Wunsch nach Beschulung besonders begründen. Als Begründung für Ausnahmegenehmigung wird das Sprachangebot der Schule, die Spezialisierung eines Gymnasiums und Wegebeziehungen anerkannt“, teilt Saskia Born vom Landesschulamt mit. Vor allem die Wegebeziehungen nach Zerbst sind es oftmals, die die Eltern Ausnahmeanträge stellen lassen.

Das zeigt: Die Neugliederung der Landkreise hat nicht dazu geführt, dass sich die Menschen neu orientieren. Auch der umgekehrte Fall bestätigt das: Aktuell gebe es eine Ausnahmegenehmigung für den Besuch eines Zerbster Sekundarschülers in einer Bildungseinrichtung des Jerichower Landes. Für das kommende Schuljahr liegt dem Landesschulamt der Antrag für einen Grundschüler aus dem Zerbster Raum vor.

Die Kreisgebietsreform habe ihre Ziele weitgehend verfehlt, sagt der SPD-Landtagsabgeordnete und ehemalige Innenminister Holger Hövelmann. Nicht nur fremdeln die Zerbster mit ihrer Zugehörigkeit nach Köthen, sagt er. Auch in den Orten, die ins Jerichower Land gewechselt waren, haben die Menschen ihre Bindung nach Zerbst nicht aufgegeben. Von einem Erfolg der Kreisgebietsreform wolle er deshalb kaum sprechen.

Aktuell liegen dem Landesschulamt noch keine weiteren Ausnahmeanträge für das kommende Schuljahr vor. Allerdings sind noch einige Monate Zeit, um einen Antrag zu stellen. Außerdem befassen sich die Familien noch mit der Frage der weiterführenden Schule für ihre Kinder in den kommenden Wochen.