Stadt hofft auf zeitnahe Betriebserlaubnis

Zerbster Tierheim soll bald seine Tore zur Aufnahme von Katzen öffnen

Am 1. Juni soll das Zerbster Tierheim wiedereröffnet werden. Das zumindest ist der Plan der Stadt. Ob er aufgeht, hängt vom Landkreis Anhalt-Bitterfeld ab. Dieser muss die Betriebserlaubnis erteilen. Die Vorbereitungen für den Start befinden sich auf der Zielgeraden.

Von Daniela Apel
Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) schaut sich die Futterspenden an, die bislang für das Zerbster Tierheim eingegangen sind.
Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) schaut sich die Futterspenden an, die bislang für das Zerbster Tierheim eingegangen sind. Foto: Daniela Apel

Zerbst - Noch werden herrenlose Vierbeiner in Katzen- und Hundepensionen untergebracht. Das soll sich allerdings mit der in Kürze geplanten Wiedereröffnung des Zerbster Tierheims ändern. „Wir haben für den 1. Juni die Betriebserlaubnis beantragt“, informierte Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses.

Diese hatten sich vor ihrer aktuellen Sitzung zu einem Vor-Ort-Termin in der Biaser Straße getroffen. Gemeinsam schauten sie sich das unweit der Kiesgrube befindliche Gelände an, das sich zu Jahresbeginn erschreckend kahl und verlassen präsentierte. Verschwunden waren Zwinger und Einzäunungen. Kaum mehr als die von der Stadt einst finanzierte Containeranlage blieb stehen.

Tierschutzverein kündigte Vertrag auf

Zum 31. Dezember 2020 hatte der Zerbster Tierschutzverein den seit 1992 bestehenden Vertrag mit der Stadt zur Aufnahme und Betreuung von Fundtieren gekündigt. Grund waren die deutlich gestiegenen Kosten vor allem in Folge der deutlich angewachsenen Katzenpopulation. Zudem fehlte es an ausreichendem Fachpersonal, weshalb der Verein um eine höhere finanzielle Unterstützung bat.

Danach überschlugen sich die Ereignisse und die Fronten verhärteten sich. Der Verein zog sich zurück, und die Stadt stand plötzlich vor der Herausforderung: Wohin fortan mit entlaufenen Hunden und Katzen oder beispielsweise auch aus einer Wohnungsräumung stammenden Tieren? Denn genau dafür ist die Kommune als Ordnungsbehörde zuständig.

Start bei Null mit einigen Überraschungen

So fiel die Entscheidung, das Tierheim weiterzubetreiben. Fast bei Null startete dessen Wiederaufbau, der sich aufwendiger gestaltete als gedacht. Andreas Albert vom Amt für Zentrale Dienste erinnerte die Ausschussmitglieder an den katastrophalen Zustand zweier Container, die unter anderem als Büro und Futterlager dienten. Mäuse, Ungeziefer und ein Waschbär hatten enorme Schäden verursacht, so dass Ersatz notwendig wurde. In dem Teil, der stehen blieb, mussten die gesamte Elektrik sowie der Sanitärbereich erneuert werden, wofür Firmen beauftragt wurden.

Der städtische Bauhof kümmerte sich um das Außengelände, um die Baum- und Strauchpflege, die Begradigung der Fläche und die Ansaat von Rasen. Zuvor wurde das Areal unterirdisch komplett neu verkabelt. Neben den Stromleitungen fand zugleich eine Sanierung der Trinkwasser- und Schmutzwasserleitungen statt. Leistungen im Gesamtumfang von rund 100.000 Euro hätten die Bauhofmitarbeiter bislang erbracht, teilte Ordnungsamtsleiterin Kerstin Gudella mit.

Neue Container sind eingetroffen

Weitere rund 47.000 Euro flossen in die Herrichtung des Objektes und erforderliche Investitionen wie die Containerelemente, die mittlerweile eingetroffen sind. Vorhanden sind inzwischen auch die Käfige für die Quarantäne- und Krankenstation, die wesentliche Voraussetzung für die Betriebserlaubnis ist. Eine weitere betrifft den Umfang der Mitarbeiter. So ist Pamela Strahler als Bewirtschafterin angestellt. Sie benötigt jedoch zwingend eine Vertretung, erzählte der Bürgermeister von der unerwarteten personellen Hürde. Eine halbe Stelle - ebenfalls befristet auf ein Jahr - wurde dafür geschaffen und ist auch schon mit Gabriele Fischer besetzt.

Bleibt noch eine zu erfüllende Bedingung, auf die die Stadt keinen Einfluss hat: Erst nach Vorliegen der Baugenehmigung für die Ersatzcontainer kann die Betriebserlaubnis erteilt werden, wie der Rathauschef schilderte. Ob sich der Zeitplan vor diesem bürokratischen Hintergrund halten lässt, ist abzuwarten. Dittmann, der das Problem bereits gegenüber dem Landrat angesprochen hat, bezweifelte es.

Ziel: Aufbau einer ehrenamtlichen Struktur

Ausgelegt ist das Tierheim zunächst nur für die Aufnahme von 39 Katzen. Die Erweiterung für Hunde soll später folgen. Sobald der offizielle Startschuss fällt, werden dank bewilligter Arbeitsfördermaßnahmen vier weitere Kräfte unterstützend vor Ort im Einsatz sein, wie Kerstin Gudella mitteilte. Auch Freiwillige, die sich früher schon als Gassigänger oder Kuschelpaten engagiert haben, ständen bereit, freute sie sich.

Ziel sei nach wie vor, eine ehrenamtliche Struktur aufzubauen, betonte der Bürgermeister. Die Übergabe des Tierheims in die Hände eines Vereins möglichst noch in diesem Jahr wäre ideal, meinte Dittmann. Unterdessen wiederholte Ausschussmitglied Alfred Schildt (Linke) seinen Wunsch nach einer raschen Vermittlung der Tiere. Bis jetzt konnten alle aufgegriffenen Hunde schnell wieder ihrem Besitzer übergeben werden, während sich für die Katzen schon nach kurzer Zeit ein neues Zuhause fand, schilderte Kerstin Gudella. „Ich denke, dass das so weiter klappt. Wir setzen auch alles daran“, so die Ordnungsamtsleiterin. Derzeit befinden sich zwei ältere Katzen und neun Kätzchen in Obhut der Stadt, für die es bereits einzelne Interessenten gebe.

Dankbar für die viele Unterstützung

Positiv ist der Rückhalt in der Bevölkerung. Firmen wie Privatpersonen unterstützen die Wiedererrichtung des Tierheims. Das spiegelt sich zum einen in der Spendenbereitschaft wider. „Es ist beeindruckend, was bis jetzt zusammenkam“, so der Bürgermeister. „Gut 6100 Euro“, nannte Kerstin Gudella eine Zahl. Enorm sei zudem, was wöchentlich an Katzen- und Hundenahrung in der Futterspendenbox lande, die im Eingangsbereich des Zerbster Edeka Centers Becker steht. „Dafür sind wir dankbar“, betonte die Amtsleiterin. Auch Fressnäpfe, Streu und andere Dinge ruhen bereits in den Regalen.

Die Käfige für die benötigte Kranken- und Quarantänestation für die Katzen sind inzwischen eingetroffen.
Die Käfige für die benötigte Kranken- und Quarantänestation für die Katzen sind inzwischen eingetroffen.
Foto: Daniela Apel