Pulspforde l Mit seinen 21 Jahren kann Hendrik Berlin aus Pulspforde schon einige Erfahrung als Vogelzüchter aufweisen. Seit neun Jahren geht er diesem Hobby nach. Mit Tieren hatte er in seiner Kindheit immer zu tun. Hunde gab es auf dem Hof und Kaninchen. Aber vor allem durch den Opa, der Tierarzt ist, wurde seine Beziehung zu Tieren geprägt. „In den Ferien begleitete ich ihn oft“, erzählte der junge Mann. Und da hatten es ihm die Volieren mit den Vögeln angetan.

Zuerst Ziegelsittiche

Die Kaninchen waren dem damals Zwölfjährigen zu langweilig geworden, und so wurde das Projekt Voliere auf dem Hof in Angriff genommen. Die Überlegungen waren reiflich gediehen, denn Aufwand und Kosten waren nicht zu unterschätzen. „Mit Ziegensittichen habe ich angefangen“, so Hendrik Berlin.

Klein anfangen und nicht gleich in teure Tiere investieren, rät er Interessenten. Bei Sittichen habe man dann auch beizeiten Jungtiere im Nistkasten. Hat man Freude an den Vögeln, werden es automatisch mehr, so der Zuchtfreund. Auch die Volieren sind mehr geworden in Pulspforde. Da, wo Hendrik Berlin jetzt seine exotischen Vögel hält, wurden einst die Pulspforder Kinder betreut. Die alte Kindergartenbaracke wurde für die Vögel hergerichtet, davor die Außenvolieren.

Eine ordentliche Anlage. Unterstützung hatte der junge Züchter dabei durch seinen Vater, Onkel und seinen Opa im Dorf. „Ohne sie wäre das nichts geworden“, so der junge Mann. Inzwischen sind weitere Volieren im Aufbau.

Zutrauliche Vögel

Maximilianpapageien, Blaustirnamazonen, Blaukopfsittiche und andere Exoten züchtet Hendrik Berlin. Die Rosakakadus hat er sich erst vor wenigen Wochen zugelegt. So zutrauliche Vögel, wie die beiden, habe er noch nie gehabt, erzählt er.

Sieben Vogelpaare hält er, die für Nachwuchs sorgen. Dieses Jahr war ein gutes Zuchtjahr. Ausfälle gab es da nicht. Ein bisschen Glück gehöre auch dazu, meint der Pulspforder. Aber natürlich Wissen und Erfahrungen, die sich über die Jahre ansammeln. Viele Sachen sind zu beachten, um erfolgreich zu züchten. Am Anfang gehören Misserfolge dazu. „Ich habe hauptsächlich aus Fehlern gelernt“, sagt er.

Da waren zum Beispiel die Nistkästen zu trocken, erinnert sich Hendrik Berlin, der 2010 auch die Prüfung zum Züchten ablegte.

Reges Vereinsleben

Ansprechpartner fand er beim Verein „Kanarien und Exoten Zerbst“, dem er 2011 beitrat. Man könne die Vogelzucht auch für sich alleine betreiben, meint der 21-Jährige. Aber im Verein integriert zu sein, habe ihm sehr viel gebracht. Die Zuchtfreunde haben stets hilfreiche Tipps, die sie weitergeben. Man kann immer nachfragen. Zusammen fährt man auf Märkte und lernt andere Leute kennen. Und lustig sei es auch, ergänzt Hendrik Berlin. Neueinsteigern würde er unbedingt einen Vereinsanschluss empfehlen – statt im Internet suchen lieber einen echten Züchter befragen.

Auch als junger Bengel unter den alten Hasen habe er sich immer wohl gefühlt: „Mir haben sie vielleicht noch den ein oder anderen Trick mehr verraten.“ Um den Nachwuchs bei den Vogelzüchtern ist es schlecht bestellt. Dafür gibt es einige Gründe. Abgesehen von erheblichen Kosten, ist das Hobby sehr zeitintensiv.

Eine Stunde am Tag dauert allein das Füttern bei Hendrik Berlin. Zur Brutzeit dann noch länger. Der Pulspforder baut Nistkästen, hält die Volieren sauber und stattet sie mit frischen Zweigen aus. „Es macht viel Arbeit, die ganze Anlage in Schuss zu halten“, gibt er zu.

Belohnung ist es dann, wenn der Nachwuchs geschlüpft ist. Es ist die Zucht, die Hendrik Berlin an dem Hobby reizt. Das Frühjahr ist für ihn die spannendste Zeit, zu sehen, wenn Junge im Nistkasten sind. „Es wird nie langweilig“, sagt er.

Herausforderung Volierenbau

Der Volierenbau weckte womöglich in ihm auch das Interesse an seinem künftigen Beruf. Er ist jetzt im dritten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker im väterlichen Betrieb in Coswig. Die Vogelzucht gehört auch weiter zu seinen Zukunftsplänen. Seine Freundin hat nichts gegen das Hobby. Ihr gefallen die beiden neuen Rosakakadus, und auch zu Märkten fährt sie manchmal mit.

Einen Traum hat der Pulspforder: ein Pärchen Hellrote Aras. Die brauchen besonders große Volieren. „Die Planung steht schon“, ist Hendrik Berlin optimistisch. In die Volieren, die derzeit im Bau sind, sollen aber noch andere kleinere Papageien einziehen. Man holt sich immer mal was Neues.

Bei der Vereinsschau am nächsten Wochenende – 27. und 28. Oktober auf der Walternienburger Burg – wird Hen-drik Berlin mit vier Paaren dabei sein. Ab morgen werden die Mitglieder des Vereins „Kanarien und Exoten Zerbst“ jeden Abend vor Ort in Gange sein, um die Ausstellung vorzubereiten und alles aufzubauen. Hendrik Berlin wird kräftig mit anpacken: „Ich hoffe, dass viele Besucher kommen und wir als Verein ein schönes Wochenende haben“.