Güterglück l Steht der Neubau des Bahn-Haltepunktes zur Disposition? Eine Aussage aus dem Jahr 2012 lässt aufhorchen. Als die Jütrichauer gegen die Schließung ihres Haltepunktes protestiert haben, sagte Michael Mühe von der Deutschen Bahn: „32 Prozent aller Bahnhöfe haben zehn Ein- und Aussteiger oder weniger, aber sie werden noch betrieben, weil ein Bahnhof eine Bestandszeit von durchschnittlich 87 Jahren hat.“

Seit mehreren Jahren habe der Jütrichauer Haltepunkt unter Prüfbedarf gestanden, ebenso wie Prödel, Lübs und Güterglück. „Doch bei diesen drei Haltepunkten droht anders als in Jütrichau nicht die Schließung. Hier müssen die Bahnsteige nach den Gleisarbeiten nicht neu gebaut werden“, so die Aussage des Bahnmitarbeiters damals.

Haltepunkt muss neu gebaut werden

Das hat sich allerdings inzwischen geändert. Nun muss der Haltepunkt in Güterglück neu gebaut werden. Bedeutet dies im Umkehrschluss, dass die Verzögerungen eher mit einer Bestandsprüfung des Haltepunktes Güterglück zu tun haben als mit anderen Problemen? Wolfgang Ball, Sprecher der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA) verneint dies.

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„Verzögerungen bei Bauprojekten sind leider eher die Regel als die Ausnahme, ändern aber nichts an der fachlichen Einschätzung. Die Verlegung ist fest geplant und wird umgesetzt. Mit der Verlegung an einen günstigeren Standort wird für Güterglück eine Steigerung der Nachfrage von derzeit etwa 75 auf rund 100 Ein- und Aussteiger prognostiziert“, betont der NASA-Sprecher.

Immer andere Begründungen

2012 war das erste Mal die Rede davon, die Bahnsteige für den neu zu errichtenden Bahn-Haltepunkt in Güterglück an die Moritzer Straße zu verlegen. Die Umsetzung sollte 2014 erfolgen. Passiert ist bislang nichts. Immer wieder wurde der Neubau mit anderen Begründungen verschoben.

Zweiter Termin war 2018 während der Teil-Vollsperrung der Strecke Magdeburg-Dessau und der Verfüllung der Unterführung. Im April 2018 erfolgte dann keine Aussage mehr zum Neubau der Bahnsteige. Anfang Mai 2018 schrieb Erika Poschke-Frost, Sprecherin der DB-Regio Leipzig auf Nachfrage: „Der Neubau der Verkehrsstation Güterglück in neuer Lage der Moritzer Straße wird derzeit für das Jahr 2021 geplant.“

Neubau der Bahnsteige 2021 geplant

Zu dieser Zeit seien Arbeiten an Signal-, Leit- und sicherungstechnischen Anlagen sowie an der Gleis- und Oberleitungsinfrastruktur geplant. Während dieser Arbeiten solle dann auch der neue Haltepunkt in Güterglück gebaut werden.

Im Februar 2020 bekräftigte die Bahnsprecherin noch einmal ihre Aussage von April 2018: „Der Neubau der Bahnsteige in Güterglück soll komplett 2021 im Zeitraum der Sperrung der Elbebrücken in der bis Rodleben eingerichteten Totalsperrung umgesetzt werden.“ Im Oktober 2020 hieß es dann: „Der Umbau des Bahnhofs Güterglück benötigt aufgrund umfangreicher Änderungen der Bahnanlagen, unter anderem wegen des Neubaus der Bahnsteige am Bahnübergang Moritzer Straße, Baurecht“, schreibt eine Bahnsprecherin auf Volksstimme-Nachfrage. Das dafür erforderliche Planfeststellungsverfahren laufe derzeit noch.

Grober Zeithorizont 2025 angepeilt

Aus diesem Grund müsse die Baumaßnahme verschoben werden. „Da der zeitliche Verlauf einer Planfeststellung äußeren Einflüssen unterliegt und mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann, haben wir noch keine Neueinordnung der Bauarbeiten vorgenommen und zunächst nur den groben Zeithorizont 2025 benannt“, so die Bahnsprecherin. Die Neueinordnung der Maßnahme erfolge unter Berücksichtigung anderer Baumaßnahmen im Netz der DB, wenn der Planfeststellungsbeschluss vorliegt.

Das wirft jede Menge Fragen auf. Gleisbauarbeiten und Arbeiten an Haltepunkten, die seit 2012 im Gespräch und geplant sind, benötigen acht Jahre um genehmigt zu werden? Wissen die Planer tatsächlich nicht, welche Sicherungstechnik für Bahnübergänge und Haltepunkte kompatibel und nötig sind? Der Ausbau der Strecke von Magdeburg nach Dessau, inklusive der Bahnknoten Dessau und Roßlau, läuft seit mehreren Jahren, und das ohne den Abschluss der nötigen Verfahren?

Spurplanumbau und Gleisneubau sind Gründe

„Grund für die nochmalige Verschiebung des Neubaus ist die Verknüpfung mit dem Spurplanumbau beziehungsweise Gleisneubau im Bahnhof Güterglück. Beide Baumaßnahmen sollten in einem gemeinsamen Planrechtsverfahren genehmigt werden“, erläutert Ball. Für den Teil Spurplanumbau seien im Verfahren Änderungen seitens der Deutschen Bahn notwendig geworden, sodass das Planrecht nicht rechtzeitig für den Bau 2021 erteilt werden kann.

„Wann genau die neuen Bahnsteige gebaut werden können, hängt somit von zwei Faktoren ab: dem Zeitpunkt der Erteilung des Planrechtes und der dann möglichen Einordnung in das überregionale Baugeschehen bei der Deutschen Bahn“, so Ball. Auf die Frage, ob der Spurplanumbau und Gleisneubau mit der neuen Strecke Magdeburg-Dessau über Schönebeck, Barby, Güterglück und Zerbst zu tun habe, antwortet Ball: „Nein, die Reaktivierung ist noch nicht berücksichtigt, da hierzu noch keine Entscheidungen vorliegen.“

Umbau ist Bedingung für Verlegung

Die Bahnsteige würden aber so gebaut, dass sie auch bei einer Reaktivierung nutzbar wären. „Die für die Reaktivierung erforderlichen Weichenverbindungen müssten gegebenenfalls in einem weiteren Planfeststellungsverfahren ergänzt werden“, erklärt Ball.

Für das jetzige Verfahren ließen sich die Bahnsteige nicht von den übrigen Umbauten trennen. „Dieser Umbau ist Voraussetzung für die Verlegung der Bahnsteige an den neuen Standort“, so Ball.