Amateurfußball

Fußball Online-Portal FuPa Umfrage - Unterschiede zwischen Amateuren und Profis

Seit Monaten ruht der Ball in ganz Deutschland – mit einer Ausnahme: Die Profis genießen ein Sonderrecht und dürfen weiterkicken. Und einmal mehr stellt sich der Amateurfußball als Ganzes die große Frage: Quo vadis – wohin wird das führen?

Von Robert Keglerund Stefan Rühling

Haldensleben - Es ist aber noch nicht genug, dass es unter dem Dach des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) solche Unterschiede zwischen Amateuren und Profis gibt, obwohl es doch – sollte man zu mindestens meinen – in der Sache um einen und denselben Fußball geht. Seit September 2019 steht Fritz Keller (64 Jahre), dem mit sieben Millionen Mitglieder größten Sportverband der Welt vor. In seiner Antrittsrede sagte er einst: „Ich freue mich sehr über das klare Votum und das große Vertrauen, das mir die Delegierten entgegenbringen. Wer mich gewählt hat, der hat Veränderung gewählt. Mir ist wichtig, dass wir den DFB zusammen in eine erfolgreiche Zukunft führen, mit neuen Strukturen, effizient und transparent. Eine One-Man-Show wird es dabei nicht geben, den deutschen Fußball von der Basis bis zur Spitze weiterzuentwickeln, geht nur gemeinsam, im Team.“ Dazu hatte sich Keller unter anderem bestmögliche Rahmenbedingungen für Lizenzfußball und Amateurfußball als Ziel gesetzt – und ist nach nicht einmal zwei Jahren gescheitert. Wie der DFB am vergangenen Dienstagabend mitteilte, wird Keller sein Amt zu Beginn der Woche zur Verfügung stellen. Er geht als 13. Präsident des DFB, der nach Friedrich-Wilhelm Nohe (1904 bis 1905) die zweitkürzeste Amtszeit hatte, in die Geschichte ein.

Einmal mehr steckt der DFB, Dachverband der deutschen Amateurfußballer, also in einer hausgemachten Führungskrise. Jedenfalls beschäftigen Eitelkeit, Machtstreben und Geldgier einige Funktionäre seit Monaten in einem widerlichen Streit voller Indiskretionen. Immerhin: Während zuletzt häufig nur der DFB-Präsident ausgetauscht wurde, dahinter aber alles beim Alten blieb, rollt jetzt auch der Kopf von Generalsekretär Dr. Friedrich Curtius. Für den anstehenden Bundestag, der Anfang 2022 stattfinden soll, haben zudem Dr. Rainer Koch, Vizepräsident Amateurfußball und weitere Präsidiums-Mitglieder ihren Rückzug angekündigt.

FuPa befragt Funktionäre, Fußballer und Fans

Und einmal mehr stellt sich die Frage: Wer kann und soll den Laden schmeißen? Das Online-Portal FuPa hat daher eine Umfrage gestartet und fragt die Spieler, Trainer, Funktionäre und Fans an der Basis: Wer soll den Karren aus dem Dreck ziehen? Dazu wurden ein paar interessante Persönlichkeiten, darunter Ex-Profis wie Rudi Völler, Philipp Lahm oder Bastian Schweinsteiger zur Wahl gestellt.

Den Fußball-Interessierten in unserem Bundesland dürfte das Theater an der Spitze eines Verbandes in jedem Fall bekannt vorkommen. Denn erst kürzlich hat Olaf Herbst, früherer Präsident des VfB Germania Halberstadt, seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten des Fußballverbands Sachsen-Anhalt (FSA) zurückgezogen. Seinen Schritt begründete er unter anderem so: „Zu viele Auseinandersetzungen und persönliche Befindlichkeiten, dazu keine klare Linie in der Ausrichtung, das trägt natürlich dazu bei, dass man beim FSA mit großen Problemen zu kämpfen hat.“ Eine Aussage, wie sie auch auf den DFB zutreffen könnte. Und wie einst Keller war Herbst das Ergebnis einer Findungskommission. Der FSA hat sich also an seinem Dachverband ein Beispiel genommen.

Das lässt die Frage zu: Wäre es an dieser Stelle auch sinnvoll, sich ein Beispiel am DFB zu nehmen und beim nächsten Verbandstag nicht nur einen neuen Präsidenten zu wählen, sondern gleichermaßen auch dahinter neue Köpfe zu installieren? Ein Beispiel, welches von der FSA-Zentrale in Magdeburg gar nicht soweit entfernt liegt, hat dies vorgemacht: der Landessportbund Sachsen-Anhalt (LSB) mit Sitz in Halle. Dort hat im Jahr 2019 Silke Renk-Lange das Zepter als Präsidentin übernommen und für jede Menge frischen Wind gesorgt. Unterstützung erhielt sie dazu im Vorjahr durch Tobias Knoch, der seit September neuer Vorstandsvorsitzender ist. Er löste Dr. Lutz Bengsch ab, der den LSB über 30 Jahre lang in führenden Positionen mitgestaltet hat.

Landessportbund Sachsen-Anhalt als Vorbild nehmen

Die Entscheidung darüber, wie es sowohl beim Deutschen Fußball-Bund als auch beim Fußballverband Sachsen-Anhalt weitergeht, liegt aber in den Händen der Mitglieder, die entsprechende Kandidaten zur Wahl als Führungspersonal aufstellen und letztlich an den Delegierten, die mit ihrer Stimme entscheiden.

Die Führung des Fußballverbands Sachsen-Anhalt zu Beginn des Jahres 2020 von links: Vize Lothar Bornkessel, der damalige Geschäftsführer Christian Reinhardt, der damalige und mittlerweile verstorbene NOFV-Präsident Erwin Bugar, Geschäftsführer Frank Pohl, Vize Haiko Hopf, Vize Michael Rehschuh und die Frage, wie der Verband in Zukunft aufgestellt sein wird.
Die Führung des Fußballverbands Sachsen-Anhalt zu Beginn des Jahres 2020 von links: Vize Lothar Bornkessel, der damalige Geschäftsführer Christian Reinhardt, der damalige und mittlerweile verstorbene NOFV-Präsident Erwin Bugar, Geschäftsführer Frank Pohl, Vize Haiko Hopf, Vize Michael Rehschuh und die Frage, wie der Verband in Zukunft aufgestellt sein wird.
Foto: Fußballverband Sachsen-Anhalt
Die Kontrahenten im DFB-Rosenkrieg, Generalsekretär Dr. Friedrich Curtius und Präsident Fritz Keller (von links), werden beide den größten Verband der Welt verlassen.
Die Kontrahenten im DFB-Rosenkrieg, Generalsekretär Dr. Friedrich Curtius und Präsident Fritz Keller (von links), werden beide den größten Verband der Welt verlassen.
Foto: Federico Gambarini/dpa