Schwimmsport

Schwimmer aus dem Harz pflegen Städtepartnerschaft

Der Harzer Schwimmverein erfüllt die Städtepartnerschaft mit Neustadt an der Weinstraße seit 20 Jahren mit Leben. Zwischen dem HSV 2002 und dem SC Neustadt hat sich über die Jahre eine enge Freundschaft entwickelt, aus der bereits viele schöne Geschichten entstanden sind.

Wernigerode

mhd

Im Mai 2001 titelte die Volksstimme: „HSV-Delegation holte gleich 17 Goldmedaillen“. Insgesamt fünf Schwimmer plus Trainerin des Harzer Schwimmvereins hatten damals die lange Fahrt nach Rheinland-Pfalz auf sich genommen und starteten das erste Mal bei den Weinstraßen-Schwimmwettkämpfen des SC Neustadt. Zu dem Zeitpunkt war Neustadt an der Weinstraße bereits seit gut zwölf Jahren die Partnerstadt von Wernigerode, seit dem Jahr 1989 besteht diese Städtepartnerschaft. Bis dato allerdings nur auf der Ebene der Stadt, nicht im Bereich des Sports.

Restaurantbesuch am Wernigeröder Platz

Als Vorreiter nahm der Harzer Schwimmverein damals Kontakt mit dem Schwimmverein in Neustadt auf und entschied sich an den dort jährlich stattfindenden Weinstraßen-Schwimmwettkämpfen teilzunehmen – und keiner ahnte, dass dies der Beginn einer jahrelangen Freundschaft werden sollte. Die kleine Delegation wurde damals von den Neustädter Schwimmern mit viel Herzenswärme empfangen. Sogar zum Griechen – ganz stil-echt am Wernigeröder Platz – ging es damals mit den Verantwortlichen. Auch die Medaillenausbeute konnte sich sehen lassen – vor allem aber überzeugte die Herzlichkeit der Neustädter.

Fasziniert waren alle Harzer von der Traglufthalle über dem 50-Meter-Becken. Neue Bestzeiten gab es damals zuhauf und – daran erinnert sich die damalige Trainerin noch heute – es wurde nass für sie. Nach einer Wette bezüglich einer Bestzeit, die die Sportler damals knackten, musste sie nämlich nach Ende des Wettkampfes eine Runde Kleiderschwimmen absolvieren. Übrigens sehr zur Freude nicht nur der Wernigeröder Schwimmer, sondern auch der Gastgeber. Das augenzwinkernde Fazit: Auch als Trainer sollte man vorsichtig sein und die Ziele hoch genug ansetzen – sonst geht man im sprichwörtlichen Sinne „baden“.

Training vom SC Neustadt in Großstadtmanier

2021 jährt sich dieser erste Besuch nun zum 20. Mal und in dieser Zeit haben unzählige Wernigeröder Schwimmer die Gastfreundschaft in Neustadt an der Weinstraße erleben dürfen. In der Wernigeröder Sportlandschaft sind die Schwimmer nach eigenen Angaben der einzige Verein, der jahrelang eine solche Freundschaft zu einem Verein in der Partnerstadt unterhält. Umso bemerkenswerter ist diese Freundschaft, da der SC Neustadt schwimmsportlich eigentlich in einer ganz anderen Liga spielt. Der Verein wäre in unseren Breiten eher mit dem SC Magdeburg oder dem SV Halle vergleichbar, trainiert sehr leistungsorientiert mit zahlreichen Kadersportlern und ist mit seinen Schwimmern regelmäßig auf großen DSV-Wettkämpfen wie den Süddeutschen Meisterschaften, der DMSJ oder auch den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften präsent.

Trainiert wird in Neustadt im „Moby Dick“ – so nennt man die schon erwähnte Traglufthalle, die im Winter das 50-Meter-Becken des Freibads überspannt. Im Sommer ist dann Training unter freiem Himmel. Das sind natürlich ganz andere Voraussetzungen als hier im Harz.

Das System der Schwimmförderung in Westdeutschland weicht auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung immer noch sehr von dem im Osten ab. Talentierte Sportler werden hierzulande an zentrale Sportschulen delegiert, eine Förderung in den kleinen Vereinen ist mangels passender Schwimmhallen und Wasserflächen kaum möglich. Auch in den alten Bundesländern gibt es natürlich diese Talenteschmieden, oft werden die Sportler aber in den eigenen Vereinen geformt. Möglich macht dies eine andere Infrastruktur und auch die weitere Verbreitung von 50-m-Becken (Langbahn).

So hat der SC Neustadt zahlreiche eigene Kader, die ganz normal die örtlichen Schulen besuchen, aber über den Ver-ein ein intensives Training, teils täglich, teils auch mal vor der Schule angeboten bekommen. In den letzten Jahren zeigte sich beispielsweise Fabio Stief sehr erfolgreich. Der im Jahr 2003 geborene Sportler zählt zu den besten Brustschwimmern seiner Altersklasse, gewann in den Jahren 2017 bis 2019 dreimal in Folge die 200-Meter-Brust bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften und startete im Jahr 2019 sowohl bei den EYOF (Europäisches Olympisches Jugendfestival) in Baku als auch bei den Jugend-Europameisterschaften für Deutschland. 2018 war er bei auch im Harz zu Besuch.

Die Freundschaft der beiden Vereine ist beständig. Fast jedes Jahr reist eine Delegation der Harzer Schwimmer im April nach Neustadt, um an den dortigen Weinstraßen-Schwimmwettkämpfen teilzunehmen und der Empfang und die Unterstützung war jedes Mal herausragend. Und dass, obwohl die dortige Mannschaft einen Wettkampf der Superlative organisiert. In manchen Jahren gab es an einem Wochenende bis zu 5.000 Starts – eine logistische und organisatorische Meisterleistung.

Gastgeber mit HSV-Shirt bei der Siegerehrung

Auch bei den Harzer Schwimmern ist der Wettkampf beliebt, rund 20 Sportler nehmen jedes Jahr daran teil. Untergebracht sind die Harzer in der Regel in einer Turnhalle, das Team des SC Neustadt kümmert sich um Verpflegung und mehr. In den vergangenen Jahren galt es neben dem Wettkampf dann auch Neustadt zu entdecken, unter anderem fand im Laufe der Jahre eine durch die Trainer entwickelte Stadtrallye statt und es gibt viele Geschichten und Erlebnisse, die mit Neustadt verbunden sind. Unvergessen sind die Mehrkampf-Siegerehrung, die in einem Jahr durch die Verantwortlichen des SC Neustadt im HSV-Shirt, einem Gastgeschenk der Harzer, durchgeführt wurde. Oder die liebevoll verpackten Geschenke des SC Neustadt als Überraschung für die Harzer Schwimmer beziehungsweise das Gegengeschenk ein Jahr später. Legendär ist das Pizzaessen in der Turnhalle oder das Festfahren des Vereinsbusses in den engen Neustädter Gassen – inklusive Rückwärtsrangieren, als es zu eng wurde.

Ein Highlight für die mitreisenden Eltern ist jedes Mal die Weinprobe, die mittlerweile schon zum festen Programm gehört (Trainer natürlich ausgenommen). Oder nicht zu vergessen, als die Harzer 2018 im Naturfreundehaus unterkamen. Was eigentlich gut gemeint war – lieber Bett als Luftmatratze –, entpuppte sich dann als Drama. Es gab überhaupt keinen Handyempfang.

Harzer hoffen auf Zeltwochnenende

Die Hektik im Auto, kurz bevor die „Empfangsgrenze“ im Wald überschritten wurde, war teils schon lustig, in medialen Zeiten aber eine Katastrophe für die Jugend. Und einer der Trainer schlief dann sogar im Auto – beruflich bedingt musste er nämlich erreichbar sein. Nach der Erfahrung waren sich alle einig: lieber Luftmatratze und Handyempfang als Bett und keinen Handyempfang.

Unterschiedliche Ferienzeiten und Wettkampfpläne machen Gegenbesuche schwierig. Dennoch gelang es auch dem SC Neustadt bereits zweimal , die Harzer mit einem kleinen Team in Wernigerode zu besuchen. Einmal 2015 zum Herbstschwimmen und einmal 2018 zum Vergleichswettkampf, bei dem nur Sportler beider Vereine starteten.

Nun sind wieder drei Jahre rum und im Jahr des Jubiläums hoffen die Harzer Schwimmer darauf, die Neustädter entweder beim Zelten oder auch beim Herbstschwimmen wieder bei sich begrüßen zu dürfen. Denn leider fielen 2020 und 2021 auch die Weinstraßen-Schwimmwettkämpfe in Neustadt coronabedingt aus. Ungeachtet dessen stehen die Vereine in Kontakt. Vielleicht klappt es dennoch mit dem Zeltwochenende. Laut Auskunft der Neustädter sei in Rheinland-Pfalz zu der Zeit noch Schulbetrieb, aber man wolle das im Trainerteam besprechen. Gerade im 20. Jahr der Freundschaft, in dem die Harzer leider nicht nach Neustadt fahren können, wäre es natürlich umso schöner, ein Team aus Neustadt in Wernigerode begrüßen zu können.