Magdeburg l Sie waren markant und bunt: die Zeitungskioske, die unter dem Magdeburger Stadtbaurat und späteren weltberühmten Architekten Bruno Taut von 1921 bis 1924 an verschiedenen Plätzen in Magdeburg errichtet wurden. Während andere Bauten Tauts im Stadtbild noch erhalten sind, sind die Kioske gänzlich verschwunden.

Damit wollen sich die beiden Linkenpolitiker Jenny Schulz und Oliver Müller nicht anfreunden und wünschen sich die markanten Kioske ins Stadtbild zurück. Mit ihnen könne Stadtmarketing betrieben werden. Die städtische Gesellschaft Magdeburg Marketing Kongress und Tourismus (MMKT) GmbH und/oder die Magdeburger Verkehrsbetriebe sowie andere Interessierte könnten die Kioske betreiben, stellen sich die beiden Stadträte vor. Aufgestellt werden könnten wetterfeste, stationäre Nachbauten auf dem Bahnhofsvorplatz sowie an besonders markanten Stellen in der Stadt.

Als Beispiel führen die beiden den Kiosk-Nachbau an, der auf Initiative von Norbert Pohlmann und des Forums Gestaltung vor einigen Jahren umgesetzt wurde und seither bei Messen zum Einsatz gekommen ist.

Architekten sollen Pläne entwerfen

Auf Antrag hat die Stadtverwaltung die Idee nun geprüft und unterstützt grundsätzlich den Gedanken, wie Dieter Scheidemann, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr, in einer Stellungnahme schreibt. Um den Gedanken weiter zu verfolgen, empfiehlt die Verwaltung, eine Machbarkeitsstudie bei einer Arbeitsgemeinschaft aus Architekten und Landschaftsarchitekten in Auftrag zu geben. Sie sollen zum einen analysieren, wie die historischen Taut-Kioske heute genutzt werden könnten und an welchen Standorten sie im Stadtgebiet zum Einsatz kommen sollen.

Aus Sicht der Verwaltung könnten die Nachbauten auf den Bahnhofsvorplätzen des Hauptbahnhofs, der Haltestellen Buckau und Neustadt, auf Stadtteilplätzen wie dem Olvenstedter Platz oder an belebten Orten wie dem jetzigen Standort der MVB-Verkaufsstelle in der Ernst-Reuter-Allee sowie vor allem auf historischen Plätzen wie an der Strombrücke beziehungsweise auf der Ecke Breiter Weg/Danzstraße stehen.

„Ein Angebot an Backwaren, Tickets des Öffentlichen Personennahverkehrs und des Kulturangebots der Stadt sowie Merchandisingprodukte der Stadt sind hier vorstellbar“, so Dieter Scheidemann. Außerdem in Betracht gezogen werden sollten auch Standorte in Wohnsiedlungen der 20er Jahre der Stadt. Hier könnten die Kioske als Nachbarschaftstreffs mit Infopoint, Eisverkauf oder mit einem Angebot an saisonalen Waren wie Spargel, Erdbeeren, Weinausschank zur Weinlese bis hin zum „ganz normalen“ Zeitungskiosk genutzt werden, schlägt die Verwaltung vor.

Teststandort am Hauptbahnhof

Aus Sicht der Verwaltung sei das Ziel, neben der Standortwahl, einen Prototyp zu entwerfen, der im Sinne des modernen Bauens nicht nur in der Konstruktion dem historischen Vorbild nachkommt, sondern auch heutigen ökologischen, energetischen und wirtschaftlichen Ansprüchen an Material und Nutzung gerecht wird. Ganz bewusst soll es keine Neuinterpretation des Kiosks geben.

Gegenübergestellt werden sollten dabei zwei Prototyp-Varianten: einer mit einer ganz schlichten Ausstattung sowie ein Modell für eine ganztägige Nutzung mit allen nötigen Medienanschlüssen. Um die Wirtschaftlichkeit eines solchen Kiosks testen zu können, schlägt die Verwaltung vor, zunächst einen Prototyp für ein halbes Jahr auf dem Bahnhofsvorplatz aufzubauen – gegebenenfalls mit wechselnden Nutzungen.

Vor dem Hintergrund der Entscheidung zur Kulturhauptstadt 2025 sei eine Zusammenarbeit mit Kultur, Tourismus und MVB wünschenswert, so die Verwaltung.

Der Fachausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr hat die Idee auf seiner Sitzung am 1. Oktober 2020 bereits beraten und mehrheitlich empfohlen. Nun soll der Stadtrat auf seiner Beratung am 5. November über den Antrag der Linken-Politiker entscheiden.