Calbe l Ein Aushängeschild ist Calbe Ost bei Bahnreisenden nicht. Neben den modernen Bahnsteigen steht das alte Bahnhofsgebäude aus Wilhelminischer Zeit. Seit August 1840 rollen Züge durch Calbe. Zu der Zeit wurde auch das Bahnhofsgebäude in der Saalestadt errichtet. Seit Jahrzehnten hat es keine Aufgabe mehr. Früher, als die Bahn noch an den Personenzügen Packwagen hatte und damit Pakete beförderte, brauchte es ebenso Gebäude. Außerdem wurden dort Fahrkarten verkauft, die Reisenden hatten hier einen Warteraum, und eine Versorgung gab es einst ebenfalls. Im 21. Jahrhundert hat sich die Bahn grundlegend verändert. Die Fahrkarten haben die Reisenden heute auf dem Smartphone oder aus dem Automaten gezogen. Die Funktionen des Bahnhofsgebäudes sind in der Gegenwart weitgehend überflüssig geworden.

Entsprechend sieht das einstige Aushängeschild heute aus. Die Fenster und Türen sind mit Brettern vernagelt. Das Gebäude ist reichlich mit Farbe besprüht worden. Doch schon in diesem Jahr soll sich die Situation an dem Bahnhof ändern, sagte gestern Bürgermeister Sven Hause nach der Sonderstadtratssitzung am Montagabend.

Durchbruch bei Verhandlungen

„Die Stadt Calbe und die Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt (Nasa) haben kürzlich einen Durchbruch bei den Verhandlungen mit der Deutsche Bahn Immobilien zu den Details für einen Erwerb und Abriss von Flächen in deren Besitz erzielt. Der Stadtrat stimmte in außerordentlicher Sitzung dem Kauf zu, welcher in Kürze vollzogen werden soll“, teilte er mit. Die Bahn sei voll des Lobes für die Saalestadt, sagte er schon vor der Stadtratssitzung. Immer wieder werde bei Veranstaltungen mit Kommunen die Stadt erwähnt, freute er sich.

Calbe ist seit gut zwei Jahren im Schnittstellenprogramm des Landes, um an der eigenen Infrastruktur zu arbeiten. Es sei seit der Aufnahme in das Programm ein langer Weg bis zur Einigung mit der Bahn gewesen, blickte er zurück. Dennoch werden sich die Anstrengungen für die Bürger in absehbarer Zeit lohnen, ist er überzeugt. Der unansehnliche Bahnhof wird verschwinden und damit Platz machen für eine moderne Schnittstelle zwischen Individual- und Massenverkehr.

Bereits jetzt nutzen schon einige Einwohner die Bahn täglich, um zur Arbeit zu pendeln, wie die abgestellten Fahrzeuge am Bahnhof zeigen. Allerdings ist der Platz bislang noch begrenzt. In Zukunft soll es für die verschiedenen Verkehrsmittel, die den Bahnhof ansteuern, mehr Platz geben. Schon im Oktober soll damit begonnen werden, den Bahnhof abzureißen. „Neben dem bisherigen Hauptgebäude des Bahnhofes sollen auch zahlreiche Nebengebäude, welche früher zur Unterbringung der Arbeitskräfte und Technik für die Unterhaltung der Bahnanlagen der Deutschen Reichsbahn bereitstanden, abgerissen werden. Ab 2020 könnten dann die eigentlichen Arbeiten am neuen Bahnhofsgelände anlaufen.

Ein neues Bahnhofsgebäude wird nicht errichtet“, teilt die Pressestelle der Stadtverwaltung mit. Die Stadt will sich bei der Umgestaltung des Areals an den neuen Verkehrskonzepten orientieren, kündigt der Bürgermeister an. Schließlich ist gerade der Markt für individuelle Verkehrskonzepte stark in Bewegung. Der Verbrennungsmotor ist hierbei vor allem im Fokus. Auch darauf will sich die Stadt schon vorbereiten. „Vielmehr kommt es zur Schaffung einer modernen Schnittstelle des Öffentlichen Personennahverkehrs, zu der nach derzeitigen Planungen 24 Parkplätze, zwei Elektro-Parkplätze, ein Behindertenparkplatz, zwei Kurzzeitparkplätze und zwei Stellplätze für Gelenkbusse gehören. Auch Fahrradabstellanlagen und vermietbare Fahrradboxen sind vorgesehen“, so Sven Hause weiter.

Ein siebenstelliger Betrag soll in das Gelände investiert werden. Die Kosten übernehme dabei nur zu einem kleinen Teil die Stadt selbst, teilte er weiter mit. Neben der Stadt beteiligen sich an den Kosten die Bahn, das Land und der Landkreis.

Rund 400 Bürger nutzen Bahnhof

Täglich nutzen rund 400 Bürger den Bahnhof und pendeln mit der Bahn zur Arbeit und zurück. Mit einem modernen und zeitgemäßen Bahnhof könnte sich der Anteil der Bahnreisenden in Zukunft noch erhöhen. Die Bahn hat bereits ihre noch betriebenen Anlagen auf den aktuellen Stand gebracht. Auf den modernen Bahnsteigen gibt es kleine Wartehallen. Außerdem ist die Bahnüberführung behindertengerecht gestaltet und kann von allen Menschen genutzt werden. 2021 soll der Umbau abgeschlossen sein, plant die Stadtverwaltung.