Spielberg (dpa) - Marcel Schrötters starkes Podium-Comeback beim Motorrad-Grand-Prix in Österreich ist von schweren Stürzen einiger Konkurrenten überschattet worden.

Im neu gestarteten Moto2-Rennen behielt der 27 Jahre alte Bayer aus Pflugdorf in Spielberg die Ruhe und rehabilitierte sich als hervorragender Dritter für seine schwachen Leistungen in den bisherigen WM-Rennen. Nur Sieger Jorge Martin aus Spanien und Luca Marini aus Italien waren noch schneller als der wiedererstarkte Deutsche. Marini übernahm die WM-Führung, Schrötter verbesserte sich gleich um vier Positionen und ist Elfter.

"Ich bin erleichtert und froh, dass wir endlich ein Spitzenergebnis einfahren konnten", sagte Schrötter, der am Wochenende überzeugte und aus Reihe eins in sein Beinahe-Heimrennen starten durfte. "Nach den zuletzt schwierigen Rennen wollte ich keine dummen Fehler machen. Der dritte Platz ist super", jubelte der momentan beste deutsche Pilot.

Er ließ sich auch von einem schweren Unfall nicht aus der Fassung bringen. Ex-MotoGP-Pilot Hafizh Syahrin aus Malaysia konnte dem gestürzten Motorrad des Italieners Enea Bastianini nicht ausweichen und krachte mit Vollgas in die Maschine des Rivalen. Syahrin wurde noch an der Strecke behandelt, war aber bei Bewusstsein und wurde für weitere Untersuchungen in ein Krankenhaus eingeliefert.

Auch im MotoGP-Rennen, in dem Honda-Fahrer Stefan Bradl (Zahlingen) beim Sieg des Italieners Andrea Dovizioso 17. und Letzter wurde, gab es einen Neustart: Denn Franco Morbidelli (Italien) und der Franzose Johann Zarco kollidierten in Runde acht. Beide Maschinen schossen nach der Berührung über die Strecke. Wie durch ein Wunder wurde kein Fahrer getroffen. Ganz viel Glück hatte Italiens Superstar Valentino Rossi: Die Yamaha von Landsmann Morbidelli verpasste den Kopf des neunmaligen Weltmeisters nur um wenige Zentimeter.

Da mehrere Fahrer schon vor dem Rennwochenende die Sicherheit des Red-Bull-Rings in Frage gestellt hatten, dürfte dieses Thema neue Nahrung erhalten: Denn das nächste Rennen mit dem Grand Prix der Steiermark findet am kommenden Wochenende erneut in Spielberg statt.

Schrötter selbst aber wird sich darauf sehr freuen. Der Druck war immens geworden, der Kalex-Pilot war nur als WM-15. angereist. Die hohen Erwartungen konnte er bei den ersten vier Rennen nicht erfüllen, Siege und Podestplätze waren außer Reichweite. "Die letzten Wochen verliefen aus unserer Sicht alles andere als erfreulich. Dabei war der Auftakt am ersten Jerez-Wochenende so vielversprechend."

Doch dann kam die Corona-Zwangspause und Wochen später ein Sturz beim Saison-Neustart Mitte Juli in Spanien, der zusätzlich an Schrötters Selbstvertrauen nagte. Doch der Befreiungsschlag mit 16 Punkten dürfte das angekratzte Ego wieder aufpolieren. Am nächsten Wochenende will er erneut in Spielberg seinen Aufschwung fortsetzen.

© dpa-infocom, dpa:200816-99-186743/5

Motorrad-WM

 

Bilder