Berlin (dpa) - Wo steckt eigentlich Erlend Øye, der einst als größtes Indiepop-Talent Norwegens galt, mit seiner Berliner Band The Whitest Boy Alive tolle elektronische Tanzmusik für Träumer und sich dann sehr rar machte?

Sechs Jahre nach dem mit einer isländischen Reggae-Band (!) aufgenommenen Sommeralbum "Legao" kehrt er nun als Frontmann eines neuen Projekts zurück. Und wieder liefert Øye (inzwischen gereifte 44) feinste Sommermusik ab, diesmal freilich für eine Jahreszeit im reduzierten Corona-Modus.

Statt eines im März geplanten Mexiko-Konzerts machten der Norweger und Multiinstrumentalist/Songschreiber/Sänger Sebastian Maschat mit lokaler Unterstützung aus der Not eine Quarantäne-Tugend. "Quarantine At El Ganzo" verquirlt Latin-Rhythmen, Gitarrenpop, Jazz und zwei herrlich lässige, bewusst unperfekte Stimmen zu einem Cocktail, der miese Laune im Lockdown garantiert vertreibt. Ein so unverschämt eingängiges, charmantes Feelgood-Album muss man sich erstmal trauen, während die ganze Welt angstvoll auf ein Virus starrt.

Øye begann vor 20 Jahren im Indiepop-Duo Kings Of Convenience, einer modernen Version von Simon & Garfunkel. Mit The Whitest Boy Alive wurde sein Sound seit 2003 zeitgemäßer, die Band erlangte bis zum Split 2014 Kultstatus. Jetzt sollte es mit einigen Gigs weitergehen - doch statt der geplanten Auftritte mussten sich die Musiker auf Studiozeit konzentrieren, die sie vom Hotel "El Ganzo" im mexikanischen Bundesstaat Baja California Sur erhalten hatten.

Maschat/Øye bezeichnen "Quarantine At El Ganzo" als "Soloalbum von zwei Sängern, die eine gleiche Anzahl von Liedern beisteuern". Ihre Session-Truppe Caged Dolphins besteht aus Musikern, die allesamt im Corona-Lockdown in Mexiko festsaßen. Einer der 14 zwischen sonniger Zuversicht und milder Melancholie schwebenden Tracks bringt gegen Ende alle Quarantäne-Musiker zusammen - ihre namentliche Selbst-Präsentation krönt ein äußerst gelungenes Notprojekt.

© dpa-infocom, dpa:200728-99-949753/3

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