Berlin (dpa) - Vor 20 Jahren galten The Flaming Lips vielen Kritikern als spannendste Rockband der Welt und als großes Versprechen für die Zukunft des Genres.

Die Erwartungen erfüllten sie letztlich nicht - auch weil der den bewusstseinserweiternden Substanzen stark zuneigende Frontmann Wayne Coyne ein paar spinnerte Ideen zuviel in ihren psychedelischen Pop hereinrührte.

Nach mehreren rätselhaften Alben der vergangenen zehn Jahre - zwischen nicht ganz ernst gemeint, milde chaotisch und schlicht unanhörbar - kehren The Flaming Lips mit "King's Mouth" nun zu großer Form zurück. Und große Form, das heißt bei den US-Amerikanern aus Oklahoma stets: epische Melodien, überwältigende Dramatik, eine anrührende Story (ja, dies ist ein Konzeptalbum, dessen Geschichten Fans von "Game Of Thrones" gefallen könnten).

Getragen von der Erzählerstimme von Mick Jones (früher Gitarrist von The Clash), entwerfen die "Lips" mit viel Tschingderassabum einen orchestralen Bombast-Pop wie einst auf ihrem Grammy-dekorierten Meisterwerk "Yoshimi Battles The Pink Robots" (2002). Coynes hoher, heiserer Gesang harmoniert wunderbar mit all den musikalischen Einfällen zwischen Pink Floyd und Beatles, die hier in gut 40 Minuten "Dark Side Magical Mystery Tour" aufpoppen.

Der kindliche Zauber von "King's Mouth" habe denselben Ursprung wie die knallbunten Konzerte der Band, sagt der 58 Jahre alte Coyne über das 15. Album der Flaming Lips. Wer ihre überbordende Fantasie auf der Bühne erlebt hat, darf sich also freuen.

Nach der Gründung mit Indierock für ein begrenztes Publikum (1983), dem Durchbruch mit dem Kritiker-Lieblingsalbum "The Soft Bulletin" (1999) und einigen seltsamen Volten zeigen diese außergewöhnlichen Musiker, dass mit ihnen weiter zu rechnen ist.

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