Düsseldorf (dpa) - Ob das umstrittene Pop-Großkonzert in Düsseldorf stattfinden darf, entscheidet sich spätestens am 31. August - vier Tage vor dem eigentlichen Termin.

Auf diesen Kompromiss einigten sich die Stadt Düsseldorf und die nordrhein-westfälische Landesregierung, wie am Donnerstag aus einer gemeinsamen Mitteilung mit dem Veranstalter hervorging. Entscheidend soll dann das aktuelle Corona-Infektionsgeschehen sein.

Nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums gegenüber der Deutschen Presse-Agentur wurde keine Festlegung auf einen Schwellenwert an Infektionen getroffen, ab dem das Konzert nicht stattfinden darf. Bleibt die Situation, wie sie jetzt ist, sähe es wohl eher schlecht für das Event aus.

So sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) laut Mitteilung: "Nordrhein-Westfalen liegt heute bei einer Inzidenz von 13,7. Im Vergleich mit anderen Landeshauptstädten liegt die Landeshauptstadt Düsseldorf mit einer Inzidenz von 18,7 auf dem zweiten Platz bei den Infektionen. Solange sich Inzidenz und Infektionsgeschehen auf hohem Niveau bewegen, wird eine Musikveranstaltung in dieser Größenordnung nicht stattfinden können." Die wichtige Kennziffer umfasst die Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen je 100.000 Einwohner.

Bei dem Konzert am 4. September sollen neben Bryan Adams und Sarah Connor auch Rea Garvey, The BossHoss sowie Joris auftreten. Vieles soll "unplugged" gespielt werden, Umbaupausen gebe es keine, hieß es.

Die "konstruktiven Gespräche der letzten Tage" und die "Anerkennung des gewissenhaften Konzepts für den Bereich der Arena" hätten dazu geführt, dass noch keine abschließende Entscheidung getroffen worden sei. Experten des Ministeriums hatten zuvor das von Konzertveranstalter Marek Lieberberg und der städtischen Veranstaltungstochter D.Live entwickelte Hygienekonzept fachlich geprüft. Es sei trotz einiger Fragen "fachlich durchdacht".

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) erklärte, er sei "froh, dass das Ministerium die gewissenhafte Arbeit des Düsseldorfer Gesundheitsamtes anerkennt, so wie es die Landeshauptstadt mit den Bedenken des Ministers getan hat". Konzertveranstalter Lieberberg sagte: "Das ist eine konstruktive, richtungsweisende Übereinkunft, die der Kultur eine Chance gibt und dabei die konkrete Infektionsentwicklung berücksichtigt. Damit können Künstler, Fans und Veranstalter leben."

Der Vorverkauf läuft laut Lieberbergs Firma weiter. Im Fall einer Absage werde den Besuchern das Eintrittsentgelt einschließlich der Vorverkaufsgebühr zurückerstattet. Angesetzt ist das Großkonzert mit bis zu 13.000 Zuschauern am 4. September im Fußballstadion Merkur Spiel-Arena. Die nordrhein-westfälische Landesregierung hatte offiziell erst vergangenen Freitag von den bereits von der Stadt abgesegneten Plänen erfahren, als der Veranstalter das Konzert per Pressemitteilung öffentlich machte. NRW-Gesundheitsminister Laumann hatte umgehend rechtliche Zweifel angemeldet.

Veranstalter Lieberberg ("Rock am Ring") hatte das Konzert "Give Live A Chance" getauft. "Wir machen die Tür auf für die Renaissance der Live-Musik, der wir mit diesem Konzert endlich die verdiente Chance zum Neustart geben", hatte er vergangene Woche erklärt. Sarah Connor und Rea Garvey hatten bei Facebook auf die desolate wirtschaftliche Lage der Beschäftigten in der Konzertbranche hingewiesen.

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Give Live a Chance