In Teilen der FDP herrscht die Meinung vor, dass für den dramatischen Sinkflug der Partei nur einer ganz allein verantwortlich ist: Bundeschef und Außenminister Westerwelle. Damit kann man derzeit eigentlich gar nichts falsch machen: Eine solche Aussage liegt im medialen Trend, sie ist schön plakativ und lenkt zudem von eigenen Versäumnissen ab.

Nun bestreiten nur wenige ernsthaft, dass Westerwelle seit der Bundestagswahl viele Fehler gemacht hat. Doch sein Rücktritt könnte die Liberalen in eine noch tiefere Krise stürzen. Machtvakuum, Kämpfe in der Führungsspitze – ein Szenario, das jedem Parteistrategen in Wahlkampfzeiten die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Westerwelle muss in die Offensive gehen und vor allem den Druck in Richtung einer großen Steuerreform erhöhen. Beim Dreikönigstreffen am 6. Januar hat er die Chance dazu. Er sollte sie nutzen. (Sachsen-Anhalt)