Dem Zweiten Deutschen Fernsehen und Showmaster Thomas Gottschalk ist zunächst Respekt zu zollen. Nach dem Unfall des 23-jährigen Wettkandidaten Samuel Koch, der bei dem Versuch, mit Sprungfedern über ein fahrendes Auto zu springen, stürzte und sich schwer verletzte, hat der Sender ungeachtet der für den Abend aufgebotenen internationalen Stars die Live-Sendung kurzentschlossen abgebrochen. Das mag man als Selbstverständlichkeit ansehen. In Zeiten, in denen Sender in erbitterter Konkurrenz um die Zuschauerquote stehen, mit immer spektakuläreren Aktionen, aggressiver Zuschauer-"Anmache" und dem Bedienen niederer Instinkte ihre Marktanteile zu erhöhen trachten, ist es schon bemerkenswert, dass der sichtlich betroffene Gottschalk vom Sender ging und das Zweite auch der Versuchung widerstand, durch "Katastrophenberichterstattung" und Wiederholungen der Unglückssequenzen den Quoten-Abend doch noch zu retten. Insofern hat die Menschlichkeit einen Sieg davongetragen.

Der Unfall des jungen Mannes aus dem südbadischen Efringen-Kirchen wirft aber einmal mehr die Frage nach dem Sinn solcher waghalsigen Aktionen auf, den Zuschauer beschleichen Zweifel, ob die Risiken, die die Kandidaten bei solchen Wetten eingehen, wirklich vertretbar sind. Natürlich beteuert das Zweite, dass alle Wetten von Redaktion, Produktion und einem Sicherheitsingenieur des ZDF erst nach intensiver Begutachtung freigegeben werden. Die Aussage des Verunglückten gegenüber seiner badischen Heimatzeitung, dass er bei den Proben bereits zweimal schwer gestürzt und deshalb skeptisch sei, scheinen den selbst erhobenen Sicherheitsanspruch des Senders für solche Veranstaltungen zu relativieren, allerdings darf die eigene Verantwortung des Kandidaten für sein Tun nicht negiert werden.

Spektakuläres wird indes auch künftig auf den Bildschirmen zu sehen sein. Das Fernsehen lebt davon und der Zuschauer mag darauf nicht verzichten. Ein bisschen Sensationsgier und Voyeurismus ist wohl Teil der menschlichen Natur. Ein Unfall, wie der des jungen Mannes bei "Wetten, dass...?" ist vielleicht aber dazu angetan, zumindest für einen Augenblick innezuhalten und über Sinn und Zweck dieser Art von Unterhaltung nachzudenken. (Rund um die Welt)