Deutschlands Schüler sind besser geworden – alles andere als dieses zentrale Ergebnis der neuen PISA-Studie hätte nach dem Aufwärtstrend der vergangenen Jahre überrascht. Es ist Bewegung ins Schulsystem gekommen; die Reformen, die nach dem "PISA-Schock" von 2001 angestoßen wurden, fruchten mehr und mehr. Schulen werden verglichen und bewertet, Bildungsziele formuliert, Lehrpläne überarbeitet. Ein Anfang – nicht mehr.

Man mag sich – wie die Kultusminister gestern – darüber freuen, dass die Quote der schwachen Schüler in Mathematik und Lesen jeweils unter 20 Prozent gesunken ist. Aber kann es der Anspruch für eine selbsterklärte Bildungsrepublik sein, dass nach wie vor jeder fünfte Schüler unzureichend auf Ausbildung und Beruf vorbereitet wird?

Zu denken gibt auch, dass die deutschen Schüler im internationalen Vergleich ausgerechnet in der Lesekompetenz nur Mittelmaß sind. Denn Texte verstehen zu können, ist Grundvoraussetzung für jedes Schulfach. Hier, das zeigt PISA, werden zum einen Migranten und zum anderen Jungen zu wenig gefördert – jene bleiben seit der ersten Studie vor zehn Jahren unverändert hinter den Mädchen zurück.

Das deutet einen generellen Mangel im deutschen Schulsystem an: Es gelingt noch zu wenig, den einzelnen Schüler in den Blick zu nehmen und die Bildungsinhalte auf ihn abzustimmen. Belegt wird dies auch durch einen Mangel an individueller Förderung am Gymnasium: In der Leistungsspitze hat es seit 2000 keine Verbesserungen gegeben.

Geringer geworden, aber noch lange nicht beseitigt ist die Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft. Deutschland liegt hier nun im Durchschnitt der Industrienationen. Auch das kann man nicht als Erfolg werten. In jeder Freude über Verbesserungen sollte daher die Mahnung mitklingen, dass besser nicht unbedingt gut heißt.