Dass die Vergabe des Friedensnobelpreises umstritten sein kann, daran ist das Osloer Komitee gewöhnt. Zuletzt betraf das im vergangenen Jahr US-Präsident Barack Obama, der selbst nicht recht wusste, wie ihm mit dieser Vorschuss-Ehrung geschah. Dem chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo auszuzeichnen, entspricht hingegen den besten Traditionen dieses Preises. Denn er würdigt außergewöhnlichen Einsatz für Freiheit und Demokratie.

An beidem mangelt es in der Volksrepublik erheblich. Das steht in krassem Gegensatz zur wirtschaftlichen Macht Chinas. Peking versteht bestens, daraus Kapital zu schlagen. Dass westlicher Demokratie unverdächtige Länder wie Iran oder Sudan zum wichtigen Wirtschaftspartner China halten, verwundert nicht. Das investitionsabhängige Serbien hingegen reiht sich in den Nobelpreis-Boykott deshalb ein, weil es ökonomische Nachteile befürchtet. Es schadet sich politisch.

Dem Osloer Komitee schmeckt der Boykott gewiss nicht. Es muss darüber erhaben sein. Andernfalls wäre der Preis komplett entwertet.(Politik)