Die ersten vier Labore sind eingerichtet, mit Maschinen und Geräten bestückt: Gestern wurde das IKAM-Institut für Kompetenz in AutoMobilität in Barleben bei Magdeburg feierich eröffnet. 34,5 Millionen Euro fließen in das Projekt. 10 Millionen Euro kommen aus dem Konjunkturpaket II, 24,5 Millionen Euro aus dem Haushalt des Wirtschaftsministeriums Sachsen-Anhalt.

Magdeburg. "Wir erhoffen uns Synergien, hier werden die Kompetenzen gebündelt, Ansprechpartner sind an Ort und Stelle", sagte MAP-Geschäftsführer Matthias Piofczyk. Ein 5-Achs-Bearbeitungszentrum des Magdeburger Werkzeugmaschinenbauers steht in einem der Labore, die gestern mit dem IKAM in Betrieb genommen worden sind. Im Schulterschluss von Forschung und Wirtschaft sollen Maschinen und Anlagen weiterentwickelt, die Werkstoffbearbeitung sowie Werkzeuge optimiert werden. Auch andere Materialien sollen zum Einsatz kommen, Arbeitsprozesse verkürzt und Technologien verbessert werden, so die Zielstellungen für dieses IKAM- Labor.

Hochleistungswerkstoffe, leichte und präzise Komponenten, Oberflächen- und Werkstoffanalysen sowie alternative Antriebssysteme sind die Themen der Forschung und Entwicklung in den ersten vier Bereichen des Instituts in Barleben.

Insgesamt entstehen zwölf moderne Entwicklungslabore. Neben den Modulen im Innovations- und Gründerzentrum (IGZ) in Barleben wird ein Technikum errichtet. Gleich gegenüber haben dafür die Bauarbeiten begonnen. Ein weiteres Forschungsgebäude mit Laboren für angewandte und Grundlagenforschung entsteht auf dem Campus der Otto-von-Guericke-Universität. Anfang 2012 soll das IKAM komplett fertig sein. Gesellschafter des Instituts sind je zur Hälfte die Magdeburger Universität und die Industrie- und Handelskammer Magdeburg.

Die Entscheidung des Wirtschaftsministeriums, den Aufbau des Instituts zu fördern, sei in der Zeit der Wirtschaftskrise gefallen, sagte IKAM-Geschäftsführer Stefan Schünemann. "Da wusste noch keiner, wie schnell wir da wieder rauskommen. Jetzt sind wir in einer guten Startposition und haben anderen Regionen gegenüber einen Vorsprung. Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) wertete das gemeinsame Engagement von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft für das Institut als eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft. "Wir wussten, wir müssen nach der Krise anders aufgestellt sein als vor der Krise. Es kann nicht nur darum gehen, die Leistungsfähigkeit der Autozuliefererbranche wieder herzustellen, sondern zukunftsfähige Strukturen zu schaffen", so Haseloff. "Das Auto der Zukunft wird ein völlig anderes Gefährt sein, als das, was wir kennen", so Haseloff weiter. Bisher Gewohntes komme auf den Prüfstand.

Mit den Schwerpunkten Antriebstechnik, Leichtbau und Elektromobilität sieht IKAM-Chef Schünemann das Institut breit aufgestellt. "Am Standort Barleben werden wir uns insbesondere mit Technologien für Hochleistungswerkstoffe, mit Mess- und Prüftechnologien für Qualitätssicherungsprozesse sowie mit modernen Produktionstechniken befassen", kündigte er an.

"Die öffentlichen Mittel sind hier richtig eingesetzt", sagte Haseloff. Nirgendwo sonst in Deutschland seien Mittel aus dem Konjunkturpaket II in ein solches Projekt geflossen. Nach dem Anschub soll das Institut von der Wirtschaft dann selbst getragen werden. Die Verzahnung von Forschern und Produzenten seien Katalysator für einen umfangreichen Wissens- und Technologietransfer, betonte der Minister und verband das mit der Erwartung, dass die Branche in Sachsen-Anhalt Trends für das Auto von morgen mit setzt. Damit werde auch die Attraktivität des Bundeslandes als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort erhöht.

Die Eröffnung des IKAM war gestern in das 10. Mahreg-Innovationsforum der Automobilzulieferer eingebettet. In Sachsen-Anhalt gehören zur Fahrzeug- und Verkehrstechnik 250 vorwiegend mittelständische Firmen mit 18 500 Mitarbeitern.