Das Konzept der Bürgerarbeit wird 2011 ausgeweitet. In Sachsen-Anhalt sollen 4800 Stellen für Langzeitarbeitslose entstehen. Vertreter von Kommunen und Arbeitsagentur unterzeichneten gestern mit Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) eine Kooperationsvereinbarung. Diese soll die Umsetzung sicherstellen.

Barleben. Kommunen, Wirtschaftsministerium und Arbeitsagentur wollen bei der Umsetzung der Bürgerarbeit eng zusammenarbeiten. Dazu wurde gestern in Barleben bei Magdeburg eine entsprechende Kooperationsvereinbarung unterschrieben, mit der die Umsetzung des Konzeptes sichergestellt werden soll. 4800 Bürgerarbeitsplätze sollen 2011 in Sachsen-Anhalt entstehen. Die meisten Stellen sollen in den Städten Halle (1000), Magdeburg (700), Eisleben (580) und Bitterfeld-Wolfen (530) geschaffen werden. Dies würde aber keine negativen Auswirkungen auf den ersten Arbeitsmarkt haben, sagte Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU).

Bürgerarbeiter leisten gemeinnützige Arbeit beispielsweise in Kommunen oder bei Vereinen. Das Konzept wurde speziell für Langzeitarbeitslose entwickelt. Ziel ist das Verbessern ihrer Integrationschancen und das Vermitteln in den ersten Arbeitsmarkt. Sie erhalten für 30 Stunden Arbeit pro Woche 900 Euro. Die Tätigkeit ist auf drei Jahre beschränkt. Im Einzelfall könne eine Verlängerung geprüft werden, erklärte Beate Hagen, stellvertretende Pressesprecherin des Wirtschaftsministeriums.

Das Konzept der Bürgerarbeit war 2006 in Sachsen-Anhalt entwickelt worden. In fünf Modellregionen – Bad Schmiedeberg (Landkreis Wittenberg), Barleben (Bördekreis), Gerbstedt und Kelbra (beide Mansfeld-Südharz) sowie Hecklingen (Salzlandkreis) – arbeiten heute rund 380 Bürgerarbeiter. "Wenn man von einem Durchschnitt von 400 Bürgerarbeitern ausgeht, sind 59 auf den ersten Arbeitsmarkt gekommen", sagte Hagen. Sie halte das für einen Erfolg, weil die Bürgerarbeiter als Arbeitslose schwer vermittelbar gewesen seien.

Bundesweit sollen 2011 etwa 34 000 Stellen für Bürgerarbeiter geschaffen werden. "Das heißt, dass jeder siebte Bürgerarbeiter in Sachsen-Anhalt beschäftigt wird", sagte Haseloff. Er sprach aufgrund der Erfahrung in den Modellregionen von einem Standortvorteil. 1,3 Milliarden Euro steuere der Bund bei. Das Land Sachsen-Anhalt fördere die Betreuung der Bürgerarbeiter mit 13 Millionen Euro.

Fast flächendeckend würde die Bürgerarbeit in Sachsen-Anhalt angeboten, sagte der Geschäftsführer der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt- Thüringen der Agentur für Arbeit, Kay Senius. Lediglich die Arbeitsgemeinschaften Mansfeld-Südharz und Quedlinburg würden nicht teilnehmen. Im Laufe des Auswahlverfahrens für die Bürgerarbeiter würden sich bereits manche arbeitslos Gemeldete als erwerbstätig herausstellen.

Senius unterzeichnete gestern mit dem Minister die Vereinbarung im Barleber Seniorenheim Sonnenhof. Für die Kommunen unterschrieben der Geschäftsführer des Landkreistages, Heinz-Lothar Theel, und Jürgen Leindecker, stellvertretender Vorsitzender des Städte- und Gemeindebundes.

Im Seniorenheim arbeiten drei Bürgerarbeiterinnen. Annemarie Meyer hatte seit 1994 keine Arbeit. Bis 2007. "Das Gefühl kann man gar nicht beschreiben, so schön war das, wieder Arbeit bekommen zu haben." Mit ihren Kolleginnen Gabriele Kornetke und Martina Schulenburg kauft sie für die Senioren ein, geht mit ihnen spazieren oder gestaltet Bastelnachmittage.

"Das könnten wir sonst gar nicht anbieten", erklärte Heimleiter Knut Kühn. Bewohnerin Ursula Drähne zeigte sich von den helfenden Damen begeistert. "Sie sind so was von lieb. Alle sind fleißig und stets hilfsbereit", sagt sie. Die Bestätigung erfreut die Bürgerarbeiterinnen. "Ich bin viel selbstbewusster geworden", erzählt Martina Schulenburg.