Frankfurt/Main (dpa). Die Solarbranche steht am Scheideweg. 2010 konnten sich die deutschen Firmen dank des Solarbooms hierzulande von den dramatischen Gewinneinbrüchen des vergangenen Jahres zwar erholen. Aber 2011 könnte es die Branche wieder durchschütteln, glauben Experten. Der Druck der asiatischen Hersteller auf ihre deutsche Konkurrenz wird immer größer. Schon in diesem Jahr kamen rund 80 Prozent der in Deutschland errichteten Anlagen aus dem Ausland. Nun droht ein neuerlicher Preisverfall. Mancher befürchtet inzwischen den Kollaps der mit Milliardensubventionen gepäppelten Industrie.

"Eine Marktbereinigung ist notwendig", sagt der Solarexperte der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft, Wolfgang Hummel. Auch Politiker sollten es nicht als Katastrophe begreifen, wenn das eine oder andere Unternehmen übernommen wird oder verschwindet. Wichtiger sei, dass die Wettbewerbsfähigkeit weiter steige: "Dafür müssen die Kosten runter." Solarworld-Chef Frank Asbeck sieht langfristig nur zwei bis drei deutsche Unternehmen überleben.

2010 sorgte die Politik in Deutschland für eine Sonderkonjunktur. Da die Förderung für neue Anlagen im Juli außerplanmäßig gesenkt wurde, gab es im 2. Quartal einen nie gekannten Ansturm. Und so wurden allein im Juni Anlagen mit einer Leistung von rund 2 Gigawatt gebaut, im gesamten Vorjahr waren es 3,8 Gigawatt. Insgesamt dürften in diesem Jahr 7 bis 8 Gigawatt neue Solarleistung ans Netz gegangen sein. Deutschland ist damit weiter mit Abstand das Solarland Nummer eins.

Zum Jahreswechsel sinkt die Einspeisevergütung für Solarstrom aus kleinen Dachanlagen um weitere 13 Prozent. Damit könnte die Nachfrage zunächst gebremst werden. Da parallel die asiatischen Hersteller ihre Produktion hochfahren, dürfte das einen neuen Preisverfall auslösen, sagt Hummel. "Dann wird sich entscheiden, ob der Umbau bei Q-Cells wirklich erfolgreich war."

Q-Cells steht beispielhaft für den Wandel der Branche. Bis Ende 2008 konnte das Unternehmen aus Bitterfeld-Wolfen gar nicht genug produzieren und erwirtschaftete satte Gewinne. Anfang 2009 brach die Nachfrage ein. Zugleich gingen vor allem in China neue Produktionslinien in Betrieb. Die Folge war ein Preiseinbruch um rund 30 Prozent. Q-Cells stürzte ab und musste einen Milliardenverlust hinnehmen. Der alte Vorstand musste ebenso wie rund 500 Mitarbeiter am Stammsitz in Sachsen-Anhalt gehen. Parallel wurde ein neues Werk in Malaysia hochgefahren. Zugleich verbreiterte der neue Vorstand die Produktpalette. So gelang die Rückkehr in die Gewinnzone. Im 3. Quartal lag die Gewinnmarge bei 9 Prozent. Das Unternehmen ist optimistisch, dass dieser Puffer reicht, um 2011 nicht wieder in die roten Zahlen zu rutschen. Die chinesischen Hersteller haben allerdings meist zweistellige Renditen.

Branchenvertreter hoffen, dass das Ausland den Absatzrückgang in Deutschland wettmacht. Doch das halten Experten für unrealistisch. "Außer Deutschland gibt es keine großen Modul-Absatzmärkte in der Welt und auch für die nächsten Jahre sind solche vergleichbar großen Märkte nicht in Sicht", sagt Bernd Schüßler vom Fachmagazin "Photon".

Und so könnte sich im Laufe des Jahres wieder alles auf Deutschland konzentrieren. Irgendwann dürften die Preise so stark gesunken sein, dass ein neuerlicher Boom ausbricht, sagt Solarexperte Schüßler. Für die asiatischen Hersteller sei es schließlich besser, ihre hohen Margen zu senken als die Produktion stillzulegen. "So könnte der Zubau auf über 10 Gigawatt steigen."