Aue (dpa). Hohe Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt machen den klassischen Bergbau auch in Deutschland wieder lukrativ. 1991 schien die Förderung von Erzen bereits Geschichte. Damals machten die letzten Gruben in Ost- und Westdeutschland dicht. Im Osten betraf das den Zinnbergbau in Altenberg und Ehrenfriedersdorf (Erzgebirge), im Westen Bad Grund im Harz (Blei, Zink) und Meggen im Sauerland (Zink, Schwefelkies). Seit 2006 hat Sachsen als rohstoffreichstes deutsches Bundesland wiederholt eine Bewilligung für die Suche nach Bodenschätzen erteilt. Die Preisentwicklung führt nun dazu, dass das Erzgebirge seinem Namen bald wieder alle Ehre machen könnte.

Bei der Renaissance für den Erzbergbau in Sachsen geht es vordergründig um die Fluss- und Schwerspat, als Nebenprodukte fallen Metalle wie Kupfer und Blei an. Auch sie sollen verarbeitet werden. Die Idee für ein Bergwerk in Niederschlag bei Oberwiesenthal gab es schon zu DDR-Zeiten. Vermutlich fehlten aber Investitionsmittel, um den hier liegenden Flussspat auf dem Weltmarkt zu versilbern.

Der Chef der Erzgebirgischen Fluss- und Schwerspatcompagnie (EFS), Wolfgang Schilka, sieht sein Unternehmen als Vorreiter in Deutschland. "Wir liefern den Beweis, dass wir teure Rohstoffe nicht zu hohen Preisen auf den Supermärkten der Welt kaufen müssen, sondern zu kostendeckenden Preisen im eigenen Land fördern können", sagt der 58 Jahre alte Professor. Um das Projekt realistisch anzugehen, hat Schilka für die Kalkulation die Durchschnittspreise für Flussspat auf dem Weltmarkt vorsichtig angesetzt – mit 230 Euro pro Tonne. Aktuell werden 265 Euro erzielt. 18,5 Millionen Euro hat die ESF – hinter der neben der Nickelhütte Aue ein Ingenieurbüro aus Freiberg steht – in das Bergwerk investiert.

Bergleute für die Unternehmung zu finden, war nicht schwierig. "Wir haben in den vergangenen beiden Jahren 180 Bewerbungen erhalten, zumeist aus der Region", verrät Schilka. 35 Menschen gibt das Bergwerk nun Arbeit.