Kurz vor Weihnachten lähmen Schnee und Eis den Flug- und Bahnverkehr in Europa. Tausende Reisende mussten am Wochenende auf Flughäfen unter teils chaotischen Bedingungen campieren, weil Flüge ausfielen oder sich um viele Stunden verspäteten. Am Drehkreuz Frankfurt am Main kam es zu Tumulten, die Polizei musste einschreiten.

Berlin (dpa). "Die Flugpläne sind völlig durcheinander", sagte eine Sprecherin des Frankfurter Flughafens. Hier wurde allein bis Sonntagnachmittag knapp die Hälfte der rund 1300 Flüge gestrichen. Tausende Reisende stauten sich in den beiden völlig überfüllten Terminals.

Ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport bezeichnete die Lage gestern aber als "insgesamt geordneter" als noch am Sonnabend. Denn da hatten in der endlos langen Schlange vor der Gepäckabfertigung die Nerven blank gelegen: Als frisch angekommene Fluggäste versuchten, eine neue Schlange zu bilden, sahen einige seit Stunden festsitzende Reisende rot. Nach tumultartigen Szenen schritt die Polizei ein.

Während Fluggesellschaften für das Umsteigen auf die Bahn warben, riet die Deutsche Bahn von Zugreisen am Sonntagnachmittag ab: Wegen der schwierigen Straßenverhältnisse und der vielen Flugausfälle sei mit "Kapazitätsengpässen" zu rechnen. Für den Nachmittag geplante Reisen sollten, wenn möglich, auf "weniger nachgefragte Zeiten" verschoben werden. Das seien vor allem die "Tagesrandlagen" abends oder morgens, sagte ein Bahnsprecher. Reisende müssten weiter mit verspäteten und ausfallenden Zügen rechnen.

Wenig Hoffnung auf Besserung machte der Deutsche Wetterdienst (DWD): Auch in den kommenden Tagen soll es weiter kräftig schneien, von Süden rückt aber mildere Luft heran. Die wärmere Front werde voraussichtlich in der Nacht zum Donnerstag Flensburg erreichen. Der Schnee könne zunehmend in Regen übergehen und auf den frostigen Straßen gefrieren.

Besonders schwer getroffen ist Europas größter Passagierflughafen London-Heathrow, der nach starken Schneefällen bis heute weitgehend geschlossen bleiben soll. Tausende Passagiere sitzen fest. Zahnbürsten und Alkohol sind ausverkauft. Die Schließung des Drehkreuzes in London hatte Auswirkungen auf viele Fluggäste aus aller Welt, die von Heathrow nicht mehr weiterkamen oder gar nicht erst starten konnten. So bereiteten sich in Brüssel 1500 Passagiere auf eine zweite Nacht im Terminal vor, weil Anschlussflüge nicht starteten. In Heathrow selbst schliefen die Fluggäste teils unter Isolierfolien auf dem harten Fußboden.

Auch auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle führten Schnee und Eis zu Ausfällen und Verspätungen. Die Behörden empfahlen den Fluggesellschaften, 40 Prozent der Flüge am Sonntag zu streichen. Am Sonnabend waren etwa 5000 Passagiere wegen des Winterwetters von London nach Paris umgeleitet worden.

Auch in München und Hamburg fielen zahlreiche Flüge aus. Der Flughafen in Hannover-Langenhagen wurde gestern Morgen für eine Stunde geschlossen, um die Landebahn vom Schnee zu befreien.

Auf den Flughäfen Leipzig/Halle sowie Dresden sind ebenfalls zahlreiche Flüge gestrichen worden. Besonders betroffen waren die Verbindungen nach Paris, Frankfurt/Main und München. Keine Probleme gab es hingegen bei den Ferienfliegern nach Hurghada in Ägypten.