Bürger von Loburg bis Woltersdorf haben der Bahnlinie am Sonnabend das letzte Geleit gegeben. Mit Picknickkörben und Loburger Spritiuosen machten sie es sich letztmalig in dem Regionalexpress bequem.

Möckern/Büden/Zeddenick/Loburg/Königsborn l Manch einer saß zum ersten - und letzten - Mal in der Bahn, die seit Sonnabendnacht nicht mehr fährt. Andere waren treue Kunden (von ihnen gab es laut Ansicht der Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt zu wenige). Sie alle einte am Sonnabend, dabei zu sein, wenn der Zug das letzte Mal den Bahnhof Loburg verlässt und in Magdeburg einrollt. Und retour das Ganze natürlich auch. Bereits in den vergangenen Tagen hatten sich Bahnfans mit ihren Kameras entlang der Trasse postiert, um die letzten Aufnahmen des Regionalexpresses auf dieser Strecke für die Nachwelt festzuhalten.

Schon in Loburg füllte sich der Zug, in Möckern stieg eine ganze Geburtstagsgesellschaft dazu, die ihre Feier auf die Gleise verlegte. "Wir wollen jetzt keinen Trauerzug daraus machen", meinte auch Bürgerinitiativen-Sprecher Hermann Holger Kerl. Man habe zuerst überlegt, Trauerflor an dem Zug zu befestigen, es dann aber sein lassen. Stattdessen: Gute Gespräche und ein Schlückchen Loburger Storchenbiss. Denn es ist klar, dass die Loburger weiterhin mit Biss am Erhalt der Bahnlinie für den Personennahverkehr kämpfen wollen.

Weitere Mitstreiter fanden sich entlang der Strecke: In Bahnhof Büden flackerten Fackeln am Bahnsteiges. In Woltersdorf hatte nahezu die gesamte freiwillige Feuerwehr Aufstellung genommen, ein Transparent mit der Aufschrift "Bahn statt Bus" wurde in die Höhe gehalten. Ab Biederitz blieben die Bahnsteige leer.

Von denen, die mit der letzten Bahn nach Magdeburg rollten, machten es sich einige im Bahnhof in einem Wartesaal bequem, bis der wirklich allerletzte Zug nach Loburg startete. Andere nutzten die Zeit, um dem Magdeburger Weihnachtsmarkt einen Besuch abzustatten.

"Zu Weihnachten war der Zug abends eigentlich öfter mal gut gefüllt, weil die Leute zum Weihnachtsmarkt wollten", bestätigte eine Zugbegleiterin. Auch bei ihr machte sich auf der letzten Fahrt Wehmut breit. Mit ihren Kollegen verteilte sie an die Fahrgäste heißen Kaffee und Dominosteine. Die Elbe-Saale-Bahn war von der Nasa beauftragt worden, den Schienennahverkehr auf der Strecke nach Loburg zu übernehmen. Die Abbestellung kam vor wenigen Monaten. Und damit gut ein Jahr früher, als in der Region erwartet.

"Es wäre schon schön gewesen, wenn die Leute schon früher alle mit der Bahn mitgefahren wären", war sich das Begleitpersonal des Zuges einig, während der Zug streckenweise mit Tempo 30 durchs Land kullert.

Um 0.24 Uhr rollte der letzte Regionalexpress in Loburg ein. War die Stimmung bis zuletzt gut, kippte sie doch spätestens, als der Zug den Loburger Bahnhof wieder verließ. "Nicht Einsteigen" stand in der Anzeigetafel. Doch die Bürger, die für ihre Bahn weiter kämpfen wollen, können schon am Donnerstag wieder in einen Zug einsteigen. Der Traditionszug der Dampfzugbetriebsgemeinschaft bringt die Demonstranten zum Landtagsgebäude, wo um 9 Uhr protestiert werden soll.

Weiteres zur Bürgerinitiative "Pro Bahnlinie unter www.bahn-statt-bus.de