Schon seit mehr als zehn Jahren wünschen sich die Schenkenhorster die Generalinstandsetzung ihrer Kirchenorgel. Nun geht der Wunsch in Erfüllung, die Finanzierung ist gesichert und die Arbeiten laufen.

Schenkenhorst l Im Jahr 1881 gebaut, ist die Orgel nur sechs Jahre jünger als die Kirche, in der sie steht. Denn nachdem die alte Feldsteinkirche nach einem Blitzeinschlag abgebrannt war, ließen die reichen Schenkenhorster Hopfenbauern eine prächtige neue Kirche errichten, die 1875 geweiht wurde. Damals fehlte allerdings noch eine Orgel.

"Die Orgel aus der Vorgängerkirche war als Brennholz verkauft worden, steht in der Chronik", erzählt Gordon Sethge, der Mitglied im Gemeindekirchenrat ist. Er gehört zu denen, die sich seit Jahren für die Instandsetzung engagieren. Wie viele andere im Ort. Denn nachdem der damalige Pfarrer Johannes Hofmüller einen Orgelfonds eingerichtet hatte, gab es vielfältige Aktivitäten. Kuchenbasare gehörten ebenso dazu wie ein Grillfest der Feuerwehr und Sammlungen im Ort. Sethge: "Die Schenkenhorster sind sehr spendabel." Einige ältere Einwohner hatten sogar verfügt, dass das Geld, das bei ihrer Beisetzung zusammenkommt, für die Orgelsanierung gespendet wird, berichtet Gordon Sethge. Auch der Kirchenkreis Salzwedel und der Orgelfonds der Landeskirche beteiligen sich.

Als sich in diesem Jahr die Chance auf Fördergeld aus dem Leader-Programm ergab, fiel schnell eine Entscheidung. Befördert wurde diese durch den sich mehr und mehr verschlechternden Zustand der Orgel. Als Orgelbauer Martin Lodahl aus Dingelstedt am Huy (bei Halberstadt) sich die Orgel genauer anschaute, um einen Kostenvoranschlag abgeben zu können, stellte er an einigen Stellen einen akuten Schimmelbefall fest. "Darum mussten wir schnell reagieren und haben gesagt: Jetzt oder nie", erklärt Gordon Sethge.

Jetzt sind Martin Lodahl und sein Mitarbeiter Thomas Filter schon mittendrin in der Sanierung der Orgel. Sie wurde 1881 von der Firma Troch aus Neuhaldensleben gebaut, einer damals regional sehr bedeutenden Firma. "Die Schenkenhorster ist eine der besseren Troch-Orgeln", schätzt der Fachmann ein. Und eine der größten Orgeln im Altkreis Gardelegen überhaupt. Die Hopfenbauern konnten es sich leisten.

Für die Generalinstandsetzung hat Martin Lodahl die Königin der Instrumente komplett auseinandergenommen. Einige Teile nimmt er mit in die heimische Werkstatt, um sie dort zu reinigen, zu reparieren oder um einige Teile zu ersetzen. Die hölzernen Teile bekommen einen Holzwurmschutz. Die Windladen, "das Herzstück einer Orgel", wurden komplett zerlegt. Mit der Windlade werden die Pfeifen mit Wind versorgt. Fünf solcher Laden hat die Schenkenhorster Orgel. Aber auch die etwa 1000 Pfeifen werden gereinigt. Es gibt viele Holzpfeifen, hinzu kommen die Prospektpfeifen. Die sind allerdings nicht mehr im Original vorhanden, denn von fast allen Kirchenorgeln wurden 1917 während des Ersten Weltkrieges auf Geheiß des Kaisers die Frontpfeifen eingezogen. Die Schenkenhorster kauften im Jahr 1927 neue Zink-Prospektpfeifen. Diese werden jetzt gereinigt und neu bronziert.

"Es ist eine ganz normale Instandsetzung unter restauratorischen Gesichtspunkten", erklärt Martin Lodahl. Dazu gehört auch die Reinigung der Klaviatur. Dafür kommen alle Tasten raus. Denn wenn sie verschmutzt ist, dann klemmt die Tastatur. Nicht nur Staub sorgt für die Verschmutzung, sondern auch Mäuse. Deren Kot hat nämlich genau die Größe, um in die Tastenzwischenräume zu rutschen. Nach ihrer Errichtung im Jahr 1881 ist es jetzt das erste Mal, dass die Orgel komplett auseinandergenommen wird. Für Martin Lodahl kein Zeitraum, der ihn staunen lässt: "Ein Orgelbauer denkt beim Bau eines Instrumentes im Schnitt an 100 Jahre", in denen es ohne größere Arbeiten bespielt werden kann.

Nachdem die Schenkenhorster Orgel in den vergangenen Jahren nur noch eingeschränkt bespielt werden konnte und einige der 18 Register nicht mehr funktionierten, soll das Instrument nach jetziger Planung am Reformationstag, 31. Oktober, wieder in ganzer Klangschönheit erklingen. Mit einem Gottesdienst und einem Orgelkonzert soll die Instandsetzung gefeiert werden, kündigte Gordon Sethge an. Wenn die Orgel fertig ist, "dann sind wir komplett durch mit der Sanierung", sagte das Mitglied des Gemeindekirchenrates. In den vergangenen Jahren waren zum Beispiel die Fenster und die Innenmalerei saniert und der Sternenhimmel in der Apsis restauriert worden.

Damit die Orgel auch dann erklingen kann, wenn kein Organist zur Verfügung steht, plant die Kirchengemeinde den Kauf eines Orgamaten, wie es ihn seit etwa zwei Jahren in der Letzlinger Kirche gibt. Das Gerät, das eine Grundbegleitung für den Gesang ermöglicht, wird auf die Klaviatur aufgesetzt und mittels einer Art Schaltpult gesteuert.

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