Alle zehn Jahre ist eine Generalüberholung vorgeschrieben - von dieser kam der Hubrettungssteiger der Gardeleger Wehr nun zurück. Wehrleiter Wolfgang Hein kritisiert nun die um zehn Wochen überzogene Wartungszeit. Zudem ist das Fahrzeug offensichtlich immer noch nicht in Ordnung.

Gardelegen l Am Sonnabendmorgen ist er im finnischen Kaarina losgefahren, gestern Mittag kam Niko Holm in Gardelegen an. Ganz allein hatte der Mitarbeiter der Spezialfirma den Hubrettungssteiger der Gardeleger Wehr nach Abschluss der Wartungsarbeiten an seinen Heimatort zurückgefahren. Ursprünglich hätten die Gardeleger das Fahrzeug im Hafen von Travemünde übernehmen sollen, erzählt Gardelegens Wehrleiter Wolfgang Hein gestern. Das jedoch habe er abgelehnt. "Wir wollen das Fahrzeug schließlich hier vor Ort überprüfen", erklärt er, und zwar "im Beisein eines Mitarbeiters" des finnischen Unternehmens.

Dass das eine kluge Entscheidung war, stellt sich kurz darauf heraus. Denn bei einer gründlichen Funktionsprüfung stellen Hein und seine Maschinisten Funktionsfehler fest. "Möglicherweise werden wir das Fahrzeug zurückschicken müssen", sagt Ordnungsamtsleiter Heiko Hirsch gestern auf Anfrage der Volksstimme. Abhängig sei diese Entscheidung von einem Telefonat, das noch mit der finnischen Firma geführt werden müsse. Die Angelegenheit sei "wirklich mehr als ärgerlich", so Hirsch.

Verärgert ist gestern auch Stadtwehrleiter Wolfgang Hein. Dabei weiß er zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal von den Mängeln. Hein erregt sich vor allem über die Lieferzeit der Drehleiter. Ganze zehn Wochen länger als vereinbart habe die Wartung des wichtigen Einsatzfahrzeuges gedauert, beziffert er. Mitte Mai wurde es nach Finnland gebracht, Mitte Juni habe es zurück sein sollen. Doch immer wieder hatten die Finnen die Lieferung hinausgezögert. Hein spricht sogar von "Vertragsbruch". Angeblich hätten Teile nicht geliefert werden können. "Ich verstehe nicht, dass nicht gleich, im Rahmen einer Bestandsaufnahme, festgestellt wurde, was neu bestellt werden muss", sagt der Stadtwehrleiter ärgerlich.

Niko Holm, Elektriker der finnischen Firma und Überbringer des Hubsteigers, versucht zu erklären: Manche Fehler seien erst festgestellt worden, nachdem andere Teile bereits ausgetauscht worden seien, sagt er. Das jedoch will Hein nicht gelten lassen. Immerhin arbeite die Firma für Auftraggeber in ganz Europa, betont er. Da müsse doch klar sein, wie wichtig ein solches Fahrzeug sei.

Sein persönliches fiktives Horrorszenario sei in den vergangenen Wochen gewesen, "dass wir zu einem Brand im Schlüsselkorb gerufen werden", sagt Hein. "Bis in den fünften Stock reichen unsere Leitern nämlich nicht." Zwar hätten die Wehren in Uchtspringe und Klötze im Vorfeld Unterstützung zugesichert, "und dafür bin auch dankbar", so Hein. Doch eine Stadt wie Gardelegen sei auf einen eigenen Steiger angewiesen. An jedem Tag, an dem ein solches Fahrzeug nicht "im Stall steht", bestehe die große Gefahr, in bestimmten Situationen nicht rechtzeitig helfen zu können.

Zudem sei eine solche Reparatur ja auch mit erheblichen Kosten verbunden, erinnert der Wehrleiter. Wie hoch diese genau seien, wisse er zwar nicht, sagt Hein. Er schätze aber, dass es sich um rund 60000 Euro handelt. "Die Rechnung ist zum Glück nicht mein Problem", sagt Hein, und auch nicht, ob die gesamte Summe gezahlt wird. Allerdings sei die Stadt über die weit überschrittene Wartungszeit im Bilde.

Heiko Hirsch bestätigt das gestern. Die Stadt werde prüfen, ob Regressansprüche gegen die finnische Firma bestehen, versichert er. Jetzt müsse aber erst einmal abgewartet werden, ob das Einsatzfahrzeug hierbleiben und die Mängel hier repariert werden könnten, oder ob es Mitarbeiter Niko Holm wieder nach Finnland zurückfahren muss.