Selten hat sich Bürgermeister Karsten Ruth so über einen Brief gefreut wie über jenen, der ihn in der vergangenen Woche aus Polen erreicht hat. Darin enthalten ist ein riesiges Dankeschön an die Stadt Kalbe.

Kalbe l "Unsere Gefühle großer Traurigkeit mischten sich mit den Gefühlen großer Dankbarkeit, dass nach 67 Jahren das Grab von meinem Onkel so schön gepflegt war." Mit diesen Worten beschreibt der aus Ciecina in Polen stammende Zbigniew Geller jenen Moment, als er und einige seiner Angehörigen am 14. April dieses Jahres die letzte Ruhestätte von Johann Pochlotka entdeckten. Es handelt sich dabei um den Bruder von Gellers Mutter. Er liegt in Kalbe begraben.

Pochlotka war nach Recherchen seiner Familie im März 1940 in Haft genommen, nach Buchenwald verschleppt und später auch im Konzentrationslager Mittelbau-Dora interniert worden. Erst im August 1947 erfuhren seine Angehörigen, dass er zwei Jahre zuvor unter bislang nicht geklärten Umständen in Kalbe verstorben und auf dem dortigen Friedhof beerdigt worden war. "Wir hatten keine Möglichkeit, den Onkel kennen zu lernen." Umso glücklicher sei die Familie, nun sein Grab in der 800 Kilometer entfernten Altmark gefunden zu haben, schreibt Zbigniew Geller in einem Brief an Kalbes Bürgermeister.

Darin bedankt er sich außerordentlich für die Pflege der Kriegsgräber, zu denen auch die letzte Ruhestätte seines Onkels gehört. Ruth hat den Brief an den Heimatverein und an die Sekundarschule weitergeleitet. Denn diese beiden kümmern sich im Rahmen eines Kooperationsvertrages darum, dass besagte Gräber nicht verwahrlosen. Erst drei Wochen vor dem Besuch aus Polen war dieser Bereich des Friedhofes im Zuge eines Frühjahrsputzes frisch hergerichtet worden.

Zbigniew Geller schreibt in seinem Brief auch: "Ich möchte zugeben, dass unser Aufenthalt in Kalbe nicht lange dauerte, aber wir waren von der Schönheit der Stadt begeistert." Das wiederum hat Karsten Ruth begeistert.

Bilder