Das typisch rotbraune Eichhörnchen ist nicht bedroht. Auch wenn die Nager in anderen Fellfarben anzutreffen sind, der ärgste Feind - das amerikanische Grauhörnchen - ist im Harz noch nicht heimisch.

Wernigerode l Das Eichhörnchen stirbt nicht aus - obwohl immer weniger Tiere mit dem typischen roten Fell gesichtet werden und sich dunkle Exemplare häufen. Leser wandten sich an die Volksstimme und wollten wissen, ob das einheimische rote Eichhörnchen aus unserer Region vertrieben wird, womöglich durch das amerikanische Grauhörnchen. In Großbritannien und Italien, wo die Grauhörnchen Ende des 19. Jahrhunderts eingebürgert wurden, seien die Eindringlinge mittlerweile eine große Plage. In der Tat, die amerikanischen Nager sind größer, wesentlich schwerer und viel aggressiver als ihre europäischen Verwandten und verdrängen diese.

Volksstimme hakte nach bei Otfried Wüstemann, Mitarbeiter des Nationalparks Harz. Er beruhigte, dass bei uns die Grauhörnchen noch nicht angekommen sind. "Es ist aber nicht auszuschließen, dass die Tiere über kurz oder lang nach Deutschland gelangen und sich auch hier ausbreiten", so Wüstemann. Sollte es dazu kommen, stellen die Eindringlinge eine große Gefahr für unser rotes Eichhörnchen dar. In Großbritannien und Italien sei es mittlerweile fast ausgerottet worden.

Rotbraune, braune, graue und schwarze Eichhörnchen gebe es dennoch in unserer Region. Wüstemann klärt auf, dass es sich dabei um natürliche Farbvariationen handelt. Was bei uns Menschen die Haarfarbe ist, sei beim Eichhörnchen die Fellfarbe. Der rote Vertreter sei jedoch der bekannteste. "Säugetierforscher haben festgestellt, dass der Anteil an schwarz gefärbten Tieren in höher gelegenen Gebieten mit kühlen Temperaturen und größeren Niederschlagsmengen größer ist als in Niederungsgebieten", weiß Otfried Wüstemann. Braune und schwarze Exemplare seien im Harz also ein ganz normaler Anblick.

Wer demnächst ein dunkles Eichhörnchen sichtet und befürchtet, es könnte ein eingewandertes Grauhörnchen sein, könne bei genauem Hinschauen selbst feststellen, dass es sich nicht um ein amerikanisches, sondern um ein europäisches Exemplar handelt. Das Grauhörnchen habe keine Haarbüschel an den Ohren wie die heimische Art. Wem also ein kleiner brauner oder schwarzer Nager mit Pinseln an den Ohren über den Weg springe, kann sicher sein, dass es sich dabei um unser Eichhörnchen handelt, auch wenn es nicht typisch rot gefärbt ist, so der Experte.

Außer in Spanien und Portugal ist das Eichhörnchen überall in Europa und Asien verbreitet. Als Tier des Waldes bekannt, besiedelt es aber auch Gärten und Parkanlagen.

Die Nager ernähren sich hauptsächlich von Samen aus Kiefern- und Fichtenzapfen sowie Bucheckern und Eicheln. "Die Waldbestände müssen ein gewisses Mindestalter aufweisen, um ausreichend Nahrung für die Eichhörnchen bereitstellen zu können", sagt Wüstemann. Bei Kiefern dauere es 30 bis 40 Jahre, bis sie erstmals Zapfen tragen, bei Fichten sogar 50 bis 60 Jahre. Buchen und Eichen trügen erst mit 50 bis 80 Jahren Früchte. Deshalb halten sich Eichhörnchen hauptsächlich in den älteren Baumbeständen auf.

"In der Regel kommt es nur alle paar Jahre zu einer Bildung von vielen Baumsamen, die einen hohen Eichhörnchenbestand ermöglichen", erklärt der Nationalpark-Mitarbeiter. Aus diesem Grund schwanke auch die Zahl der Tiere. "Wegen des hohen Waldanteils, der eine gute Nahrungsgrundlage für die Tiere darstellt, ist das Eichhörnchen im Harz häufiger vertreten als in vielen anderen Regionen des Landes", so Wüstemann.

In der Roten Liste, die bedrohte Tierarten aufzählt, stehe das Eichhörnchen auf der Vorwarnliste. Diese führt Arten auf, die momentan noch nicht gefährdet sind, innerhalb der nächsten Jahre dennoch bedroht sein können.

Laut Wüstemann gebe es aber weder für den Harz noch für das übrige Land genaue Zahlen. Deshalb sei es schwer einzuschätzen, ob die Bestandsschwankungen natürliche Gründe haben oder ob zum Beispiel Lebensraumveränderungen langfristig zum Rückgang der Zahlen führen. Wüstemann: "In Teilen des Harzes war vor einigen Jahren ein Bestandsrückgang bei den Eichhörnchen zu bemerken. Es spricht einiges dafür, dass die Tiere einer Krankheit zum Opfer gefallen sind." Inzwischen hätten sich die Bestände aber wieder erholt. Sein Fazit: "In nächster Zeit droht unserem Eichhörnchen also keine große Gefahr."

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