Was mit kleinen Streitereien begonnen hat, mündet in eine überzeugende Zusammenarbeit. Sport und Kultur können miteinander, wenn sie wollen. Der Donnerstagabend hat das bewiesen.

Halberstadt l Das schmucke sanierte Friedensstadion bot die Kulisse für eine Premiere. Im Sportrund gab es Kultur - und mit "Carmina Burana" eines der weltweit meistgespielten Stücke der klassischen Musikliteratur. Der unter anderem durch Fernsehwerbung berühmt gewordene Zyklus mittelalterlicher Texte und Lieder, die Carl Orff mit großer Lebendigkeit vertont und zu einem weltlichen Oratorium zusammengefügt hat, erfreut sich großer Beliebtheit. Auch beim Halberstädter Publikum - die 500 Karten für die Sitzplätze im Stadion waren ruck, zuck ausverkauft. Deshalb wurden auch noch einige Stehplatzkarten verkauft.

Olaf Herbst, Präsident des VfB Germania, begrüßte die zahlreichen Zuschauer, von denen manche zum ersten Mal einen Fuß in das neue Stadion gesetzt hatten. "Es ist für uns beide eine Premiere", sagte Herbst und blickte auf Theaterintendant Johannes Rieger. "Vor einem Jahr haben wir uns verständigt, dass Sport und Kultur keine Gegensätze sind. Nun sind wir stolz darauf, dass es gelungen ist, eine gute Zusammenarbeit aufzubauen."

Herbst lud die Zuschauer ein, am Sonntag noch einmal ins Stadion zu kommen, wenn ab 13.30 Uhr die Regionalliga-Elf des VfB gegen Victoria Berlin spielt. "Heute sehen sie auf und vor der Bühne Künstler. Auf der Bühne Künstler der Musik, davor stehen die Künstler des Balls", sagte Herbst. Dort hatten zu Beginn des Konzerts die Fußballer des Vereins Aufstellung genommen.

Und damit der Intendant im kalten Theater nicht frieren muss, bekam Johannes Rieger einen Vereinsschal von Olaf Herbst geschenkt. Den Fanschal band sich der Musikdirektor gerne um, spielen doch seine Kinder beim VfB Fußball.

Rieger bedankte sich und sagte: "Heute sind wir die Gastmannschaft und dürfen uns auf ein tolles Spiel freuen, nicht mit Beinen und Bällen, wohl aber mit Noten." Die tolle Kulisse gebe den Veranstaltern Recht, diesen Kunstgenuss im Stadion anzubieten.

Als er am Schluss der begeistert aufgenommenen Aufführung ein VfB-Trikot mit der Nummer 17 überstreifte, fügte Rieger lachend an, dass sei wohl die falsche Zahl - "der Aufstieg ist doch sicher schon für 2015 geplant". Und da es in dem Stück unter anderem um die Anbetung von Glücksgöttin Fortuna gehe, wiederhole er als Zugabe gerne den letzten Satz des klanggewaltigen Stückes - schließlich brauchen sowohl Theater als auch Sport die Gunst Fortunas.

Das Publikum bedankte sich für diesen gelungenen Abend mit stehend gespendetem Beifall.

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