Huy/Wilhelmshall l Kleiner Huy-Ortsteil - große Party: In Wilhelmshall lockt in gut einem Monat die siebte Auflage des beliebten Blechbudenfestes. Der vom erhalten gebliebenen Wetterschutzhäuschen des Bahnwärters abgeleitete Name ist ebenso Programm wie das Festdatum: Stets am vorletzten Sonntag im September steigt die große Party rund um die antiquierte Blechbude.

Dieses Zeitzeugnis des früheren Eisenbahnwesens sollte längst abgerissen sein, doch die knapp 20 Einwohner von Wilhelmshall bauten den idyllischen Platz zum Treffpunkt aus. Einst endeten hier die Gleise der Anschlussbahn für den früheren Kalibergbau. Als vor sieben Jahren erstmals zum Wald- und Wiesenfest eingeladen wurde, gab es gleich einen großen Besucheransturm, der auch in den Folgejahren anhielt. Zugleich wurde das Programm immer attraktiver.

"In diesem Jahr haben wir für Sonntag, den 22. September, wieder das Alphornquartett der Anhaltiner Musikanten aus Raguhn und die Peitschenknaller aus Heudeber eingeladen", kündigt Werner Gringmuth, einer der Festorganisatoren, an. Auch die Jagdhornbläser aus dem Huy und die Sportjugend werden dabei sein. Für Kinder gebe es verschiedene Spielangebote. Für die Bewirtung sorgen Gastwirt Michael Baierl aus Anderbeck und das Team der Landfleischerei Hesse aus Dingelstedt.

Die Geschichte Wilhelmshalls ist eng mit dem einstigen Kalibergbau verbunden. Im Jahre 1884 wurden am Huy nahe Anderbeck Kalisalze entdeckt, welche später durch den Schacht Wilhelmshall aufgeschlossen wurden. Am 24. Juni 1889 gab es dort den ersten Spatenstich. Damals entstanden eine Chlorkalium- und eine Sulfatfabrik. 1890 wurde Wilhelmshall über Anderbeck ans nationale Schienennetz angeschlossen. In den Gruben waren im Jahr 1900 rund 1300 Arbeitskräfte beschäftigt, so die Anderbecker Chronik.

Ab April 1946 wurden dann einige Gebäude in Wilhelmshall als Heilstätte für Tuberkulose-Kranke genutzt. Über 100 Patienten fanden hier einst Unterkunft und Betreuung. Ende 1970 kam jedoch der Bescheid, dass die Untersuchungen der Schachtbehörde Staßfurt akute Einsturzgefahr für den Schacht ergeben hätten. Die Kranken mussten bis Ende Januar 1971 verlegt werden.

Viele Jahre wurden die Gebäude der Ex-Schachtanlage als Möbellager und Großhandel benutzt. Noch kurze Zeit nach der Wende gab es hier einen Möbelverkauf. Geblieben ist allein die kleine "Blechbude", die einst von den Weichenstellern der Anschlussbahn genutzt wurde. Einige aktive Einwohner retteten das Objekt, das nun an den einstigen Industriestandort erinnert. Heute sind die Einwohner von Wilhelmshall froh über ihre ruhigen Wohnbedingungen. Einmal im Jahr - im September - sind sie jedoch gern Gastgeber für zahlreiche Gäste.