Halberstadt (dku/dl) l Halberstadt und seine Straßenbahn: Seit 1887 rollen Bahnen durch die Stadt. Zunächst - ab Juni 1887 - gezogen von Pferden. Nahtlos hielt im Jahr 1903 der Fortschritt Einzug. Man schreibt den 31. März 1903, als neben Pferden erstmals auch elektrisch betriebene Bahnen durch die Stadt rollen. Zunächst probeweise, wenig später aber regulär. Ab 2. Mai 1903 bestimmen die Elektrischen in der Stadt das Bild. Ein Sprung in die Zukunft. In den Kriegswirren macht die Straßenbahn notgedrungen einen Schritt zurück. Nach den massiven Bombardements im April 1945 liegt auch das Straßenbahnnetz in Trümmern. Doch die Halberstädter packen an. Während große Teile der Stadt noch in Schutt und Asche liegen, rollt wenige Wochen später die Bahn auf ersten Abschnitten wieder. An die immense Aufbauleistung haben Mitglieder des Freundeskreises Straßenbahn am Sonnabend mit einer Sonderfahrt erinnert.

Zur Freude der Organisatoren wollten zahlreiche Halberstädter und Gäste die Sonderfahrt zur Endhaltestelle Klus miterleben. Pünktlich rollte der über 50 Jahre alte, bunt bemalte Triebwagen am Treffpunkt vor. Reinhold Buhl und Astrid Schneider, beide Mitglieder des Freundeskreises Straßenbahn Halberstadt, ließen es sich nicht nehmen, in historischen Uniformen dabei zu sein.

Erinnert werden sollte mit der Tour an die ersten Straßenbahnfahrten nach der Zerstörung Halberstadts: Im Mai und August 1945 fuhren die ersten Bahnen vom Fischmarkt zur Voigtei und zum Friedhof. Im Dezember wurde der Linienbetrieb wieder bis zur Herbingstraße ermöglicht. Der Freundeskreis wollte mit der Sonderfahrt und einem kleinen Fest an die Leistungen beim Wiederaufbau nach dem Krieg erinnern.

Passend zu diesem Anlass hatte Michael Wendt die ersten Exemplare des neuen Films "Eine Stadt und ihre Straßenbahn" mitgebracht. "Dabei geht es nicht so sehr um technische Details, sondern um Erinnerungsbilder aus Zeiten, wo die Bahn noch über den Breiten Weg und die Magdeburger Straße fuhr", sagte er.

Die CD mit insgesamt 35 Minuten mit historischen und aktuellen Bildern soll in wenigen Tagen für knapp zehn Euro in der Halberstadt-Information zu haben sein. Die Probe-Exemplare waren am Sonnabend binnen kürzester Zeit ausverkauft.

Die Vereinsmitglieder des Freundeskreises wollen auch künftig kräftig in der Diskussion um die Zukunft dieses Verkehrsmittels mitmischen. Im Advent soll es wieder eine öffentliche Aktion geben. Auch ein Informationsangebot zum Thema Verkehrssicherheit sei angedacht, so Michael Wendt.

Während Jens Ganso bei der Sonderfahrt zu Grillwürstchen und Getränken einlud, gingen die Gesprächsrunden weiter. Passende T-Shirts und Informationsmaterialien des Freudeskreises lagen ebenfalls bereit.

Verkehrsmeister Harald Plickert von der Halberstädter Verkehrsgesellschaft (HVG) gesellte sich ebenso dazu wie Reinhold Buhl, der 1960 zunächst als Schaffner begann und sich dann zum Fahrer qualifizierte. Der heute 81-Jährige kann auf 35 Dienstjahre bei der "Elektrischen" zurückblicken. Diesen Weg wäre Vereinsmitglied Astrid Schneider auch gern gegangen, doch sie musste 1992 bei der ersten Entlassungswelle ausscheiden.