Unter dem Titel "Die touristische Vermarktung des Drömlings als Modellregion für Mensch und Natur" hat Fred Braumann, Leiter der Naturparkverwaltung, einen Vortrag gehalten. Braumann sieht in der Gastronomie und in der Vermarktung von Rindfleisch noch einen großen Markt, der erschlossen werden kann.

Calvörde/Kämkerhorst l Calvörde ist das südliche Tor zum Drömling. "Bestimmend für das Landschaftsbild sind die vielen Gräben. Wir haben rund 250 Stauanlagen, die betrieben werden. Das ist landesweit in dieser hohen Dichte ein Novum", sagte Naturparkleiter Fred Braumann. Er zeigte beim Neujahrsempfang der Gemeinde Calvörde mit Lichtbildern Impressionen aus dem sogenannten Land der tausend Gräben. Bilder gab es aber auch von Kindern, die sich als Juniorranger engagieren. "Diese Kinder kommen vor allem aus den Drömlingsschulen. Sie reflektieren auch das Thema - nämlich die Heimatliebe. Aber es sind auch die erwachsenen Bewohner der Drömlingsdörfer, die bei den ersten Frühlingsstrahlen sich ihr Fahrrad schnappen, um die Landschaft zu genießen. Die einzigartige Naturlandschaft haben inzwischen auch viele Touristen entdeckt", beschrieb Braumann.

Ganz gezielt würden sehr viele Tagestouristen zur Flachwasserzone nach Piplockenburg, dem größten Anziehungspunkt, kommen. Dort können Besucher nicht nur kleine Tiere, sondern auch große Vogelschwärme beobachten. Über 30 Freiwillige sind es zur Zeit, die die Arbeit der Naturparkmitarbeiter - ohne dafür Geld zu bekommen - unterstützen.

"Viele dieser Freiwilligen sind auch Bewohner der Drömlingsorte. Neben dem Arbeitsplatz ist der Drömling als Umfeld ganz wichtig, um diese Menschen hier in der Region zu halten", betonte Braumann. Er meinte, dass sich auch mit den Störchen jeder Drömlingsbewohner identifizieren würde. Fast jedes Dorf habe sein Storchennest. Von 30 Brutpaaren 1990 wurde der Bestand auf 45 Paare erhöht. Braumann berichtete von seinen Kontakten zu anderen Schutzgebieten auf Bundesebene. "Woanders wird mit dem Naturpark als Pfund stärker gewuchert", hob er hervor und blickte voraus: "Zu den neuen Aufgaben gehört es, den Naturpark zum Biosphärenreservat zu entwickeln und damit die Qualität des Drömlings zu erhöhen."

Der Mensch soll noch stärker in die touristische Vermarktung einbezogen werden. Aber auch das wirtschaftliche Potenzial, das sich nach den Erfahrungen von Braumann nur langsam entwickeln wird, soll besser ausgeschöpft werden. Es müssten für diese wirtschaftliche Entwicklung viele Klinken geputzt werden. Einzelgespräche seien nötig, um auch private Initiative mobilisieren zu können.

Als gutes Beispiel nannte er den Kutschbetrieb von Jürgen Germer in Piplockenburg. Durch die gute Lage an der Flachwasserzone habe sich auch sein Gaststättenbetrieb entwickelt. "Dort haben wir einen Gänsetourismus, den wir mit unseren Ranger nicht mehr abdecken können. Wir sind dabei, Kurse für Ehrenamtliche vorzubereiten, die die Führungen dann mit übernehmen", erklärte er. Mit finanzieller Hilfe der Leader-Arbeitsgemeinschaft wird dort eine Scheune ausgebaut.

"Es sind noch eine Menge solcher kleinteiligen Lösungen für die Gastronomie und auch für die Beherbergung möglich, wenn man sie geschickt mit der Naturschutzseite - also bestimmten Höhepunkten - kombiniert", meinte der Naturparkleiter. Er ergänzte: "Wir haben im Info-Haus in Kämkerhorst jährlich 10000 Besucher, und die Hälfte fragt, wo sie essen gehen können." Den Touristen im Calvörder Raum eine Gastsstätte zu empfehlen sei schwierig. Da wären nach Braumanns Ansicht noch die Erschließung von neuen Erwerbsquellen möglich. "Wenn wir in diesen Gaststätten auch noch Rindfleisch aus dem Drömling anbieten können, dann haben wir etwas geschafft", sagte er.

Braumann appellierte an die Anwesenden zu helfen, den Tourismus weiter mit auszubauen. In diesem Jahr soll mit der Stadt Oebisfelde-Weferlingen, der Stadt Klötze, der Hansestadt Gardelegen und der Gemeinde Calvörde ein Tourismus- und Vermarktungskonzept über ein Förderprogramm der Lokalen Aktionsgruppe "Rund um den Drömling" auf den Weg gebracht werden.

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