Als 83. Schule in Sachsen-Anhalt trägt das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Weferlingen seit Dienstag den Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". 88 Prozent der Schüler und Lehrer stehen für Toleranz, Demokratie und Offenheit.

Weferlingen l Den Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" kann seit Dienstag das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Weferlingen tragen. Kein Preis, keine Ehrung ist damit verbunden, sondern eine Verpflichtung der Schüler und Lehrer, sich aktiv gegen jegliche Form von Diskriminierung und Rassismus einzusetzen. Als 83. Schule im Land Sachsen-Anhalt ist das Gymnasium damit Bestandteil eines Netzwerkes für Demokratie und Toleranz geworden. Cornelia Habisch, Landeskoordinatorin der Landeszentrale für politische Bildung aus Magdeburg, überbrachte Urkunde und Schild.

Die Idee "Schule ohne Rassismus" entstand in Belgien, als Schüler auf die Straße gingen, um gegen eine Partei zu protestieren, die mit fremdenfeindlichen Parolen geworben hatte. Schnell schwappte diese Welle auf andere europäische Länder über. In Deutschland kam dann noch der Titel "Schule mit Courage" dazu.

88 Prozent der Schüler und Lehrer des Weferlinger Gymnasiums hatten sich in einer Unterschriftenaktion dazu bekannt, "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" mit Leben zu erfüllen, Diskriminierungen nicht zu tolerieren, offenen Auseinandersetzungen mit solchen Problemen zu führen und Projekte zum Thema Diskriminierungen durchzuführen.

"Der Titel ist tatsächlich viel mehr als gegen Fremdenfeindlichkeit zu sein", griff Cornelia Habisch einen zuvor von Schülersprecher Henrik Schlieder geäußerten Satz auf. Er hatte weniger den Fremdenhass an seiner Schule beobachtet, sondern vielmehr der Intoleranz den Kampf angesagt. Einige Beispiele wie den regelmäßigen Schüleraustausch mit Schonhoven in den Niederlanden und Ufa in Russland sowie die "Wanderung rund um die Welt" hatte der Schülersprecher im Zusammehang mit regelmäßiger Projektarbeit genannt.

Bei dem Gemeinschaftsprojekt der ganzen Schule hatte der 11. Schuljahrgang eine jahrgangsübergreifende Gruppenarbeit organisiert. Dabei galt es, in eine fremde Nationalität zu schlüpfen und sich mit ihr vertraut zu machen. An verschiedenen Stationen wurden dann Erkundungen rund um Weferlingen unternommen.

Als Vertreter der Lehrer sprach Christian Seidel: "Die Schüler sind aufgerufen, selbst aktiv zu werden und sich einzubringen." Für ihn gelte es, das Klassenklima zu verbessern, einzelne Schwächen tolerieren und akzeptieren zu lernen.

Das Engagement der Schule schon im Vorfeld lobte Cornelia Habisch ausdrücklich. Die Projektarbeit sei ein wichtiger Bestandteil der Selbstverpflichtung. "Es geht aber auch um jeden einzelnen, um die Schule, um Probleme und um Schüler, die sich auf Augenhöhe treffen", sagte die Landeskoordinatorin. Es ginge um Gewalt, Mobbing untereinander oder auch im Internet. Wo Menschen aus welchen Gründen auch immer herabgesetzt würden, dürfe man nicht wegsehen, nicht gleichgültig sein.

Nicht fehlen in der Aufzählung durfte die Kinderoper Brundibar. Mit ihrer Einstudierung durch Schüler des Gymnasiums befasst sich praktisch die ganze Schule mit dem Nationalsozialismus. Der Schülerchor setzte mit dem Schlusslied aus der Oper auch den Schlusspunkt unter eine Feierstunde, mit der die Weferlinger Gymnasiasten sich aufmachen möchten zu neuen Ideen, Taten und Projekten im Zusammenhang mit dem Kampf gegen Intoleranz jeglicher Art.

Pate der Aktion ist der Seggerder Bildende Künstler Bernd Pielemeier. Er freut sich auf eine kreative gestalterische Zusammenarbeit mit den Gymnasiasten und sei schon ganz gespannt auf das, was dabei entstehen wird.

Landrat Hans Walker (CDU) bezeichnete es als "großen Meilenstein, als Bestandteil im Netzwerk mitwirken zu können". Er wünschte allen Schülern stets das Quentchen Verständnis, um sich zu verstehen.

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