Mit der Grabstelle der Familie Carstens hat die Stadt Haldensleben die Pflege für mittlerweile elf Ruhestätten übernommen. Es sind aber nicht die Verdienste von Christian Carstens, die dafür sorgten. Sein Grabmal fällt vielmehr in die Kategorie "künstlerisch oder historisch wertvoll".

Haldensleben l Mit kleinen Schildern gegen das Vergessen ankämpfen: Diesen Plan zieht die Stadt Haldensleben bei ihren Friedhöfen in Erwägung. Dabei geht es vorrangig um die Grabmale, deren Pflege wegen ihrer künstlerisch oder historisch wertvollen Bedeutung von der Stadt übernommen wird. "Es ist ja kaum etwas von den Menschen, die dort beerdigt worden sind, bekannt", erklärt Friedhofsverwalterin Angelika Witt. Mit Informationstafeln könnte Aufklärung betrieben werden.

"Wir müssten natürlich vorab eine Genehmigung der Hinterbliebenen einholen", betonte Haldenslebens Bürgermeister, Norbert Eichler (CDU), auf der jüngsten Sitzung des Schul-, Sozial-, Kultur- und Sportausschuss. "Pietätlos wäre es jedenfalls nicht. Das ist die entscheidende Frage", ergänzte Dezernent Henning Konrad Otto.

Zuvor hatten die Ausschuss-Mitglieder diskutiert, ob eine Broschüre oder eine zentrale Info-Tafel am Eingang des Friedhofs nicht vielleicht sinnvoller seien. "Aber ein Aufstellen direkt vor Ort steigert die Wahrnehmbarkeit", führte Henning Konrad Otto an. Auf den Tafeln sollen unter anderem biographische Angaben aufgeführt sein, damit zufällige Besucher etwas über den Bestatteten und sein Leben erfahren können.

Entzündet hatte sich die Diskussion am Grabmal von Christian Carstens. Dieser wurde 1894 geboren und leitete bis zu seinem Tod die Carstens-Uffrecht KG, zu der die damals noch existierenden Keramischen Werke gehörten. Zusammen mit seinem gleichnamigen Vater hatte Christian Carstens wesentlichen Anteil daran, das Unternehmen durch die Wirtschaftskrise der 20-er Jahre zu retten und so zahlreiche Arbeitsplätze zu erhalten.

Allein diese Verdienste würden möglicherweise eine Ehrengrabstelle und damit die Pflege von Seiten der Stadt rechtfertigen. "Doch wir haben im Archiv kaum Material über Christian Carstens gefunden", so Angelika Witt. So sei über die Familiengeschichte beispielsweise während der Nazizeit gar nichts bekannt. "Wir wissen nicht, wie sich die Familie im Dritten Reich verhalten hat." Daher könne die letzte Ruhestätte von Christian Carstens nicht einfach so den Status eines Ehrengrabs erhalten, sagte die Verwalterin.

Viele Ehrengrabstellen seien zudem historisch überkommen, machte Stadtpressesprecher Lutz Zimmermann deutlich. Beispielsweise die Grabstelle von Fritz Hubbe. Der Leutnant wurde am 30. Oktober 1889 in Neuhaldensleben geboren und verstarb am 29. Dezember 1917 im Feldlazarett 158 zu Juvigny in Frankreich. Als Fliegeroffizier und Träger des EK I und II, wurde er auf dem Haldensleber Friedhof bestattet. Seine Grabstätte ist als Gefallenendenkmal noch heute erhalten.

Dass die Stadt sich künftig aber doch um die Pflege der Grabstelle der Familie Carstens kümmern wird, liegt allein am Grabmal. "Es ist ein Denkmal in Tradition der keramischen Industrie und schlägt so den Bogen zur Haldensleber Geschichte", erklärte Lutz Zimmermann. Die Entscheidung, die Liste der künstlerisch oder historisch wertvollen Grabmale um das von Christian Carstens zu erweitern, hatte der Ausschuss einstimmig getroffen.

Die Diskussion um mögliche Informationstafeln soll auf der nächsten Sitzung fortgesetzt werden. Betroffen wären davon mit der Aufnahme von Carstens insgesamt fünf Grabmale. Friedhofsverwalterin Witt kann sich aber gut vorstellen, auch an den Ehrengräbern - davon gibt es sechs, die ebenfalls von der Stadt gepflegt werden - solche Informationstafeln aufzustellen.

Bilder