Musik großer Meister und Texte zur Bildung in Sachsen-Anhalt kennzeichnen die 11. Reise des Rossini-Quartetts entlang der Straße der Romanik. Zehnte Station der Tour war die Stiftskirchenruine Walbeck.

Walbeck l Ohne Worte, dafür aber mit dem 1. Satz von Johann David Heinichens Konzert für Oboe und Streicher begann das Rossini-Quartett sein diesjähriges Gastspiel in der Klosterkirchenruine hoch über Walbeck auf dem Hagen.

Das Spiel der Musiker, die wieder mit mehreren Musikerfreunden zur diesjährigen Jubiläums-Tour aufgebrochen waren, war eingebettet in die mittlerweile 11. musikalisch-literarische Entdeckungsreise auf der 20 Jahre jungen Straße der Romanik. Seit 2003 zeigt das Rossini-Quartett, welche kulturhistorischen Schätze Sachsen-Anhalt zu bieten hat. An genau diesen Schauplätzen der Geschichte spielen Marco Reiß (Violine), Ingo Fritz (Viola), Marcel Körner (Violoncello) und Wolfram Wessel (Kontrabass) mit Vorliebe. Als Solisten begleiteten Barbara Hentschel (Violine), Henning Ahlers (Oboe), Beate Schneider (Flöte), Tilmann Schneider (Trompete) und Reinhard Seehafer (Cembalo) die Walbeck-Tour.

Das besondere Ambiente der einstigen Stiftskirche bietet musikalischen Spielraum. Unter einer Gewölbenische erfüllten die Klänge der Instrumente sowie der Gesang von Mezzo- sopranistin Undine Dreißig die altehrwürdigen Mauern trotz des recht kräftigen Windes gewaltig. Die Walbecker hatten den Eingang extra mit einer Tür versehen, um das Heulen des Windes einzudämmen.

So meisterhaft und gekonnt wie die Musiker agierte Wolfgang Klose. Der Sprecher fand einfühlsame und persönliche Worte getreu des diesjährigen Mottos: "Bildung und Wissenschaft in Sachsen-Anhalt im Spiegel der Zeit". Er begrüßte sogar eine 92-jährige Zuschauerin persönlich mit ihrem Namen, da "wir beide schließlich in einem Fitness-Studio trainieren".

Wolfgang Klose berichtete zwischen den Musikstücken über Bildungseinrichtungen des Landes, allen voran über die Landesschule Pforta in Schulpforte bei Naumburg, seiner Heimat. Von dort kamen viele berühmte Leute wie der Philosoph Friedrich Nietzsche, war unter anderem zu erfahren. Der Moderator des Nachmittages spannte den Bogen von der Geschichte in die Neuzeit und erzählte auch vom heutigen Internatsleben in der Landesschule.

Einer seiner Beiträge widmete sich auch Richard Wagner und seinen Erinnerungen an dessen Magdeburger Zeit. Kämmersängerin Undine Dreißig sang aus den Wagnerschen Wesendonck-Liedern "Träumereien".

Zu dem Stücken der Komponisten Johann Baptist Georg Neruda, Richard Wagner, Friedrich II. der Große, Alessandro Marcello, Claudio Monteverdi, Niccoló Paganini und Giulio Caccini kamen die Solisten des Konzertes zum Einsatz. Nicht ohne Zugabe wurde das Rossini-Quartett schließlich mit anhaltendem Beifall verabschiedet.

Am Ende gab es herzlichen Dank vom Walbecker Ortsbürgermeister Martin Herrmann, der zufrieden mit den Zuschauern aus seiner Gemeinde und der Umgebung doch mit der Autobahn haderte. Ein Stau auf der A 2 verhinderte nämlich die pünktliche Anreise eines ganzen Reisebusses voll mit Braunschweiger Musikfreunden.

Für das leibliche Wohl hatten die Walbecker sogar Wasser mit auf den Kalksteinfelsen geschleppt, um Würsten warm zu machen. Kaffee und Kuchen versüßten dem Publikum die Wartezeit bis zum Konzert und danach.

 

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