Die Madagaskar-Palme steht in vielen Blumenfenstern deutscher Haushalte. Aber wohl keine ist so groß wie die im Kakteenhaus von Friedrich Klühe in Kabelitz.

Von Anke Schleusner-Reinfeldt

Kabelitz l Und sie ist nicht nur groß, sondern sie blüht auch noch! Und das zum allerersten Mal. Es kommt selten vor, dass die zu den Sukkulenten (saftreiche Pflanzen, die an besondere Klima- und Bodenverhältnisse angepasst sind) gehörenden Pflanzen überhaupt blühen. 1988 hatte er sie selbst ausgesät. In nur 25 Jahren sind sie fast zwei Meter hoch gewachsen - "gute Pflege und gutes Zusprechen", nennt Friedrich Klühe augenzwinkernd die Gründe für das prächtige Gedeihen. Außerdem freut sich Friedrich Klühe über den gleich daneben stehenden Oreocereus mit seiner neun Zentimeter langen kelchförmigen Blüte. Der Kaktus, der in den Anden beheimatet ist und bis zu zwei Meter hohe Säulen bildet, hatte schon im vergangenen Jahr geblüht, "allerdings heimlich, ich habe nur die vertrocknete Blüte gefunden".

Er hat sich ein kleines Kakteenreich in einem Gewächshaus im Garten hinterm Haus geschaffen. Hier stimmt einfach alles: verschiedene Beete ausgefüllt mit Blähton, der immer die richtige Feuchtigkeit im Boden hält - ist es zu viel, kann über ein Schlauchsystem Wasser abgelassen werden. Ein Erdwärmeofen sorgt für gleichbleibende Temperaturen, auch im Winter von mindestens 15 Grad. Für den Notfall steht ein Gasheizer bereit, denn frostige Temperaturen würden die Pflanzen nicht verkraften. Deshalb beginnt der Kakteenzüchter nun auch langsam mit der Winterfestmachung. Die dünnen Glaswände werden von innen mit Doppelnoppenfolie abgedeckt. Auch die letzte Regenwassergabe - ganz sacht als Nebel versprüht - ist erfolgt, bis April nächsten Jahres bleibt es nun trocken.

Etwa 1500 Pflanzen bilden eine interessant anzusehende Landschaft, wieviele Sorten es sind, kann Friedrich Klühe aus dem Kopf gar nicht sagen. Alles ist fein säuberlich in Büchern notiert, woher jede Pflanze stammt, wann sie ausgesät wurde... Er kann zu fast jedem Kaktus eine Geschichte erzählen.

Beispielsweise zum Schwiegermutterstuhl, der aus dem Jahr 1936 stammt. Oder zur Königin der Nacht, die nur einmal für wenige Stunden pro Jahr blüht, "dieses Mal hatte sie 90 Blüten". Von anderen Züchtern bekommt er Neues, tauscht Pflanzen, aus dem Urlaub wird Saat mitgebracht. "Mir ist wichtig, dass die Arten erhalten bleiben und es kein wildes Kreuzen gibt. Viele Kakteen und Sukkulenten sind akut bedroht. In Amerika, dem Ursprungskontinent, wachsen etliche Arten schon gar nicht mehr. Deshalb ist der Erhalt so wichtig."

   

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